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Oberösterreichs Feuerwehren kämpfen mit Einnahmen-Ausfall und Nachwuchssorgen

Karin Seyringer, 18.02.2021 21:17

OÖ. Knapp 49.000 Mal rückten die Kameraden der Feuerwehren in Oberösterreich 2020 zu Einsätzen aus, 2,7 Millionen ehrenamtliche Stunden wurden geleistet. Besonders gefordert waren die Einsatzkräfte aber durch die Corona-Situation. Und diese hat ihnen bei den Eigen-Einnahmen noch dazu quasi einen Totalausfall beschert.

Feuerwehr-Bewerbe wie auch Feste mussten 2020 ausfallen - Archivfoto. (Foto: Volker Weihbold)
  1 / 2   Feuerwehr-Bewerbe wie auch Feste mussten 2020 ausfallen - Archivfoto. (Foto: Volker Weihbold)

Eine Sturmfront zu Jahresbeginn 2020, Wald- und Flurbrände im April und Mai, Unwetter im August, ganz zu schweigen von der Covid-Pandemie: Oberösterreich zählt 914 Feuerwehren, davon 33 Betriebsfeuerwehren und die Linzer Berufsfeuerwehr. Und diese wurden zu 9.995 Brandeinsätzen und 38.932 technischen Einsätzen gerufen, 2.242 Personen wurden gerettet, 1.133 Tiere. Alleine im März und April gab es insgesamt 96 Brandeinsätze bei landwirtschaftlichen Objekten, einen negativen Spitzenwert gab es in diesen Monaten auch bei den Wald- und Flurbränden, mit 64 um die Hälfte mehr als im Vorjahreszeitraum.

Trotz der Covid-Einschränkungen sind die Gesamteinsätze im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gesunken. Insgesamt leisteten die Kameraden 2,7 Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden ab.

„Wir blicken auf ein besonderes Jahr - für uns alle persönlich, aber vor allem für die Einsatzkräfte - zurück“, dankte Landes-Feuerwehrkommandant Robert Mayer den Einsatzkräften. „Das Jahr war geprägt von hoher Disziplin und besonderem Zusammenhalt.“ 

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Michael Hutterer und Landes-Feuerwehrinspektor Karl Kraml sowie Landeshauptmann Thomas Stelzer und Sicherheits-Landesrat Wolfgang Klinger blickte Mayer auf das Jahr 2020 zurück.

6.752 Einsätze durch Covid-Pandemie

Mehr als 100.000 Einsatzstunden waren bei Einsätzen zur Unterstützung der Covid-Maßnahmen erforderlich, darunter vor allem Logistik-Einsätze, personelle Unterstützung bei den Test-Drive-Ins, bei den Massentests oder den Vor-Triagen an den Eingängen bei Spitälern. „Das ist eine ganz andere Arbeit, als wir gewohnt sind, nicht unsere Kernarbeit, es geht aber ums zusammenhelfen“, so der Landes-Feuerwehrkommandant. 20.828 Feuerwehrmitglieder waren dafür im Einsatz. 

Zu wenig Nachwuchs, Ausbildungsarbeit blockiert

Konstant ist die Zahl der Mitglieder mit knapp 94.000, davon knapp 7.500 Mädchen und Frauen. Beim Nachwuchs brachte Corona aber einen Einbruch. 2019 kamen über 3.000 Jugendmitglieder dazu, 2020 waren es nur 1.234, dieser „markante Einbruch“ hänge damit zusammen, dass auch kaum Aktivitäten möglich gewesen seien. Die Jugendarbeit musste um zwei Drittel der normalerweise aufgewendeten Stunden reduziert werden. „Es gilt nun den wichtigsten Nachwuchs-Bringer im Feuerwehrwesen wieder raschestmöglich zu reaktivieren“, so Mayer. Es brauche Jahre, um dieses Loch wieder aufzufüllen. Sicherheits-Landesrat Klinger unterstreicht dies ebenfalls. Die Jugend sei dringend nötig für die Zukunft der Feuerwehr. 

Fast komplett ausgefallen sind auch Leistungsprüfungen und Bewerbe, auch bei der Aus- und Weiterbildung musste um die Hälfte reduziert werden. Die Landesfeuerwehrschule – die älteste in Österreich, war für sechs Monate geschlossen.

„Totalausfall“ bei Eigen-Einnahmen – „NPO-Fonds muss verlängert werden“

So gut wie keine eigenen Einnahmen hatten die Feuerwehren, weil Veranstaltungen wie Feuerwehrfeste, aber auch Haussammlungen kaum bis gar nicht stattfinden konnten. In einem normalen Jahr werden laut Mayer „circa 14 Millionen Euro von den Feuerwehren ins System eingespült“, 2020 könne man hier von einem „Totalausfall“ sprechen. Geholfen habe der vom Bund eingerichtete NPO-Fonds, „ich möchte hier dringend appellieren an Wien, diesen jedenfalls auf das Jahr 2021 auszudehnen, denn auch heuer werden wohl keine großen Veranstaltungen möglich sein“, so Mayer und hofft auf Unterstützung von Landeshauptmann Thomas Stelzer. 

Für Stelzer ist klar, dass „solange Corona so fordert, auch Unterstützungen laufen müssen vom Bund“, er gehe von dieser Unterstützung aus und werde sich dafür in Wien einsetzen. 

Bei den Förderungen des Landes-Feuerwehrverbandes sind 2020 bei 1.231 Ansuchen 5,4 Millionen Euro in die Feuerwehren und Gemeinden in OÖ geflossen. Der Schwerpunkt lag dabei auf Fahrzeugen.  

Stelzer: „Letztes Wort bei Impfstrategie noch nicht gesprochen“

Das letzte Wort ist für Stelzer auch noch nicht gesprochen bezüglich nationaler Covid-Impfstrategie. Hier ist die Feuerwehr nach Aktualisierung des Plans nicht mehr in der Priorität 2 gereiht - Tips hat berichtet. „Zumindest Teile der Feuerwehr müssen hier wieder nach vorne gereiht werden, das ist nötig für die Sicherheit derer, die helfen“, so Stelzer.

2021: „Megaprojekt“ in Zielgeraden

Beim „Megaprojekt“ Ausbau des Digitalfunknetzes durch das Land OÖ sei man in der Zielgeraden, so Mayer. Zwölf Bezirke sind umgerüstet, drei Bezirke befinden sich in der Umstellungsphase, weitere drei sind in Planung.

Abgeschlossen ist in allen Gemeinden Oberösterreichs die 2017 gestartete Gefahrenabwehr- und Entwicklungsplanung (GEP), 2021 steht die Neuausrichtung im OÖ. Katastrophenschutz am Programm. Hier wird bei der Ausrüstung auf Mehrfachnutzung und Flexibilität gesetzt, verstärkt werden Wechselladefahrzeuge mit Kran oder multifunktionale Mehrzweckfahrzeuge mit Rollcontainern in den Dienst gestellt.

Aufbruchsstimmung

Mayer jedenfalls ist zuversichtlich für 2021, es herrsche Aufbruchsstimmung, „die Einsatzbereitschaft ist zu jeder Zeit gewährleistet, wir rücken aus, wenn wir gebraucht werden.“ 

Für Landeshauptmann Stelzer und Landesrat Klinger jedenfalls ist klar: „Wir brauchen die Feuerwehren, und gewiss ist: Die Kameraden sind da, auch dann, wenn etwas nicht planbar ist“, so Stelzer. Und weiter: „Mittlerweile sind wir es alle gewohnt, dass Wien etwas ankündigt. Aber dass muss dann gemacht werden, und dafür brauchen wir die Leute vor Ort“, dankt er nicht nur für die ständige Bereitschaft, sondern für die große Unterstützung beim Kampf gegen die Corona-Pandemie.

„Es muss uns allen bewusst sein, dass das ehrenamtliche System der Feuerwehren keine Selbstverständlichkeit ist“, dankt auch Klinger den Kameraden, die jederzeit und bei jeder Witterung für die Sicherheit der Bevölkerung im Einsatz seien.

SP-Sicherheitssprecher Krenn: negative Pandemie-Folgen ausgleichen

In einer Aussendung dankte auch SP-Sicherheitssprecher Hermann Krenn der Feuerwehr für den „Großeinsatz“ gegen die Pandemie. Der Einnahmenausfall muss bei anstehenden Projekten ausgeglichen werden, fordert er. „Die Möglichkeiten zur Selbstfinanzierung waren 2020 auch für die Feuerwehren kaum gegeben. Das muss von Landesseite bei notwendigen Renovierungen von Zeughäusern und Ausrüstungskäufen entsprechend ausgeglichen werden.“

Infos: OÖ Landesfeuerwehrverband; die gesamte Jahresbilanz ist hier zum Download zu finden.

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