Oö. Experten und Politiker für Lockerungen in Alten- und Pflegeheimen

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 22.02.2021 13:22 Uhr

OÖ. Nachdem mit Ende Februar alle Menschen in Alten- und Pflegeheimen geimpft sein werden, soll es unter Einhaltung der derzeitigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen in Heimen ohne aktuelle Infektionen zumindest zwei Besuche mit je zwei Personen pro Woche für geimpfte Bewohner geben: Zu diesem Vorschlag kommt eine vom Land OÖ eingesetzte Expertengruppe. Auch Erleichterungen für geimpfte Mitarbeiter werden angestrebt. Die Vorschläge werden dem Gesundheitsministerium übermittelt.

Momentan ist in Alten- und Pflegeheimen nur ein Besuch von einer Person pro Woche erlaubt, mit Testung und FFP2-Maske, so die Vorgaben des Gesundheitsministeriums.

Die Infektionslage in den oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen ist aktuell überschaubar und stabil, zudem sind rund 8.800 Bewohner sowie 6.500 Betreuungspersonen zumindest einmal geimpft, die Zweitimpfungen werden demnächst abgeschlossen sein.

Zur Einordnung: Derzeit gibt es in den 135 Alten- und Pflegeheime in Oberösterreich rund 12.700 Plätze (Langzeitpflege und Kurzzeitpflege), wobei aber nicht alle Betten belegt sind. In den oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen arbeiten rund 10.000 Personen.

Expertengruppe eingesetzt

Gesundheitsreferentin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) und Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) haben vergangene Woche eine Arbeitsgruppe mit Experten aus dem Bereich Medizin, Altenbetreuung und Pflege eingesetzt, um Vorschläge für Lockerungen bei den Besuchsregelungen zu erarbeiten. Diese liegen nun vor und werden noch am Montag dem Gesundheitsministerium übermittelt.

Die Gruppe kommt zu dem Ergebnis, dass aufgrund des hohen Anteils an Geimpften gewissen Lockerungen bei den Besuchsregeln vorzunehmen seien, um Konsequenzen der Isolierungsmaßnahmen wie Depressionen, Verstärkung dementieller Erkrankungen oder Verlust von Lebenswillen möglichst rasch entgegenzuwirken.

Vorschlag: Besuch zwei Mal pro Woche von zwei Personen

So sei es aus medizinischer Sicht angemessen, in Alten- und Pflegeheimen, in denen keine Corona-Infektionen vorliegen, geimpften Bewohnern zwei Mal pro Woche jeweils den Besuch von zwei Personen zu ermöglichen.

In Alten- und Pflegeheimen mit Corona-Infektionen sollen die aktuell geltenden Regelungen bestehen bleiben.

Außerdem könnten nach Ansicht der Mediziner auch wohngruppenübergreifende Kontakte und Aktivitäten für geimpfte Bewohner unter Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Schutzmaßnahmen wieder ermöglicht werden.

Derzeitige Schutzmaßnahmen beibehalten

„Für uns ist klar, dass die derzeitigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen (Testung vor Besuch, FFP2-Maske) beibehalten werden sollen. Ziel muss es aber sein, dass ältere Menschen, die seit mehreren Monaten ihre engsten Verwandten nicht mehr treffen konnten, bald wieder mehrere Besuche pro Woche bekommen können“, sind sich LH-Stellvertreterin Haberlander und Landesrätin Gerstorfer einig.

Auch Erleichterungen für geimpfte Mitarbeiter

Die Arbeitsgruppe hat ebenfalls beraten, ob es für bereits geimpfte Mitarbeiter Erleichterungen geben kann. Beispielsweise weniger Antigen-Testungen pro Woche. Wissenschaftliche Beobachten würden zunehmend darauf hinweisen, dass bei vollständiger Immunisierung eine Übertragung von SARS-CoV-2 Infektionen unwahrscheinlicher wird. Vorstellbar sei daher aus Sicht der Arbeitsgruppe, bei geimpften Mitarbeitern von aktuell drei Testungen pro Woche auf eine Testung zu reduzieren. Selbstverständlich sollen sich aber auch Geimpfte weiterhin an die Schutzmaßnahmen halten, insbesondere in jenen Bereichen, in denen gefährdete Mitmenschen leben und betreut werden.

„Wir machen uns beim Gesundheitsminister dafür stark, dass er unsere Experteneinschätzungen berücksichtigt und bald Lockerungsmaßnahmen für die Alten- und Pflegeheime verordnet“, so Haberlander und Gerstorfer, die den Medizinern Bernd Lamprecht und Tilman Königswieser sowie Martin König (ARGE Altenheime) danken.

Haimbuchner: Unverständnis für Beschränkungen

„Obwohl die Covid-19-Impfungen in den Alten- und Pflegeheime in Oberösterreich nahezu abgeschlossen sind, die Mitarbeiter und Bewohner regelmäßig getestet werden sowie eine FFP2-Maskenpflicht besteht, gelten immer noch die strengen Besuchsbeschränkungen. Das ist für die Betroffenen zu Recht völlig unverständlich“, fordert auch der Landesparteiobmann der FPÖ Oberösterreich, LH Stellvertreter Manfred Haimbuchner Lockerungen von der Bundesregierung. „Fast 90 Prozent der Heime in Oberösterreich sind corona-frei. Auf was will man hier noch warten?“, sieht auch Haimbuchner eine Anpassung der Besuchsmöglichkeiten überfällig. Auch er warnt vor den gesundheitlichen Kollateralschäden, die durch die Einsamkeit entstehen.

Linzer Bürgermeister für noch mehr Besuche

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger spricht sich unterdessen für einen Besuch pro Bewohner und Tag aus, unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen. Zudem ortet Luger eine grobe Ungleichbehandlung. Während zu Hause Gepflegte legal täglich Besuche empfangen dürften, werde dieser Kontakt durch den Erlass des Gesundheitsministers in Seniorenzentren drastisch eingeschränkt, fordert auch er eine rasche Lockerung der Regeln vom Gesundheitsministerium. Mehr dazu auf www.tips.at/n/527734

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