Impfung in Altenheimen wirkt - weitere Lockerungen gefordert (Update 12.45 Uhr)
OÖ. Die Impfung in den Alten- und Pflegeheimen wirkt, zeigen ausgewertete Daten. Die aktuelle Infektionswelle hat demnach zu keinem Anstieg der Todesfälle unter Heimbewohnern geführt. Der Ruf nach weiteren Lockerungen der Besuchsregeln wird lauter. Update: Gesundheitsminister Anschober spricht von Überlegungen zu Lockerungen.

Die von APA und OGM research & communication ausgewerteten Daten des Gesundheitsministeriums zeigen, dass die aktuelle dritte Infektionswelle bisher keinen Anstieg der Todesfälle unter Heimbewohnern ausgelöst. Im Gegenteil: der Anteil an den gesamten Corona-Toten ist im März weiter gesunken.
In Oberösterreich sind aktuell (Stand 17. März) in zehn Alten- und Pflegeheimen neun Bewohner und 13 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet. Zum Vergleich: Am 24. Dezember 2020, kurz vor Beginn der Impfungen in den Heimen, waren noch 625 Bewohner positiv getestet.
Gerstorfer fordert Lockerungen zum Osterfest
Nach leichten Lockerungen sind aktuell in Alten- und Pflegeheimen zwei Besuche von je zwei Personen erlaubt. Ein negativer Test muss vorgelegt werden, FFP2-Maske ist zu tragen.
Die in OÖ für die Alten- und Pflegeheime zuständige Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer fordert zumindest für Ostern eine Lockerung der starren Besuchsregeln. „Die Osterfeiertage sind traditionell stark frequentierte Besuchstage in den Alten- und Pflegeheimen. Leider hat das zuständige Gesundheitsministerium in der derzeit gültigen Verordnung neuerlich keine Ausnahmeregelungen für mehr Besuche zumindest an den Osterfeiertagen vorgesehen, obwohl ich das schon zu Jahresbeginn eingefordert habe“, so Gerstorfer. „Die Impfkampagne der Alten- und Pflegeheime ist nach meinem Wissen in allen Bundesländern abgeschlossen und zeigt ihre positive Wirkung. Am Beispiel Oberösterreichs zeigt sich das eindeutig“, so die Landesrätin. Sie fordert zumindest für Ostern eine Ausnahmeregelung wie zuletzt zu Weihnachten. Eine solche dürfe aber nicht wieder „in letzter Minute“ kommen, damit sich die Betreiber der Alten- und Pflegeheime vorbereiten können, so Gerstorfer, die zudem fordert, die Besuchsregelungen für Alten- und Pflegeheime an die zuständigen Sozialreferenten der Länder zu übertragen.
Seniorenbund: Besuchsregeln jetzt adaptieren
„Dank der Durchimpfung dieser Betreuungseinrichtungen liegen weitere Öffnungsschritte auf der Hand. Unsererseits herrscht großes Unverständnis, warum hier noch zugewartet wird“, so Seniorenbund Landesobmann LH a.D. Josef Pühringer. Mit der Regelung, dass zwei Besuche von zwei Personen pro Woche erlaubt sind, habe man nur eine geringfügige Verbesserung der Situation erzielt.
„Weil Kinder und Enkelkinder häufig nicht mehr in derselben Region wie ihre älteren Familienmitglieder wohnen, haben viele Bewohner in ihrem direkten Umfeld nur einen engen Angehörigen. Diese eine Person müsste zumindest die Möglichkeit haben, alle vier Besuche die pro Woche erlaubt sind, wahrzunehmen“, legt der Landesgeschäftsführer der Seniorenorganisation Franz Ebner einen konkreten Vorschlag dar. „Das Wohlbefinden der Bewohner in Alten- und Pflegeheimen hat oberste Priorität. Deshalb fordern wir so lange weitere Lockerungen der Besuchsregelungen bis unserer Forderung nachgekommen wird“, so Pühringer.
Pensionistenverband: Tägliche Besuchsmöglichkeit gefordert
Die derzeitige Regelung in den Alten und Pflegeheimen sei „unmenschlich und nicht mehr nachvollziehbar“, so auch der Präsident des Pensionistenverbandes OÖ Heinz Hillinger. „Jetzt müssen tägliche Besuche möglich sein und auch von mehreren Personen pro Woche! Dass man seine Eltern oder Großeltern heute immer noch nicht öfter als zweimal in der Woche besuchen kann, ist nicht nur unmenschlich, es ist auch aufgrund der aktuellen Daten nicht mehr nachvollziehbar.“ Tägliche Besuche, auch von mehreren Angehörigen würden für die betagten Menschen unglaubliche Lebensfreude bedeuten und sind auch für deren psychische Gesundheit von unschätzbarer Bedeutung sein. „Die Bewohner und ihre Angehörigen mussten leider schon viel zu lange leiden! Jetzt sind die Voraussetzungen gegeben, um das zu ändern und unseren Pflegeheimbewohner wieder ein großes Stück Lebensqualität zurückzugeben“, so PVOÖ Präsident Hillinger.
Anschober: „Überlegen weitere Lockerungen“
Am Rande einer Pressekonferenz am Freitag lässt Gesundheitsminister Rudi Anschober dazu wissen, das es aktuell Überlegungen gebe, die Besuchsmöglichkeiten - „kontrolliert und geschützt“ - weiter zu liberalisieren. „Wir sind mittlerweile bis auf ganz wenige Ausnahmen - etwa wenn wo wegen größeren Infektionsgeschehen nicht geimpft werden konnte - durch mit den Impfungen, und der Erfolg ist fantastisch. Wer noch nicht von der Impfung überzeugt war, der muss es spätestens jetzt sein, wo wir in den Alten- und Pflegeheimen eine völlige Trendumkehr sehen“, verweist er auf über 4.000 aktive Fälle in Österreich in Heimen im November.


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