Hohes Sicherheitsbewusstsein der Oberösterreicher widerspricht der tatsächlichen Vorsorge
OÖ. Blackout, Unwetter, Corona,... die Katastrophenszenarien sind vielseitig. Mittels IMAS-Umfrage hat der OÖ Zivilschutz das Gefahrenbewusstsein der oö. Bevölkerung ab 16 Jahren abgefragt. Das Ergebnis: Das Vertrauen in die Katastrophenarbeit des Landes OÖ ist da, jedoch hinkt die persönliche Vorbereitung hinterher.

Laut IMAS-Umfrage sind 25 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Land Oberösterreich sehr gut auf Katastrophen und Unfälle vorbereitet ist. Rund drei Fünftel der oberösterreichischen Bevölkerung (59 Prozent) empfinden eine einigermaßen gute Vorbereitung ihres Bundeslandes auf solche Katastrophen. Im Vergleich zur letzten Umfrage 2018, ergibt sich ein leichtes Minus bei diesen Zahlen (sehr gut 29 Prozent, einigermaßen 61 Prozent).
Wenn es jedoch um die persönliche Vorbereitung geht, zeichnet sich ein anderes Bild: 15 Prozent der Befragten gaben an, sehr gut auf Katastrophenfälle vorbereitet zu sein, 56 Prozent einigermaßen. Dass sie gar nicht gut auf Katastrophen vorbereitet sind, gaben sieben Prozent der Befragten an. Im Vergleich zu 2018 ist ein kleiner Aufwärtstrend zu beobachten (sehr gut 11 Prozent, einigermaßen 48 Prozent).
Schadensausmaß wird unterschätzt
Die IMAS-Umfrage zeigt auch, dass 26 Prozent der Bevölkerung seit der Corona-Krise viel mehr bzw. etwas mehr Vorrat zu Hause haben, 69 Prozent der Befragten gab an, ihren Vorrat nicht verändert zu haben.
Schon in früheren Umfragen beobachtete der OÖ Zivilschutz eine Fehleinschätzung der Bürger, wie gut sie auf Katastrophen vorbereitet sind. Deswegen wurde auch nachgefragt, wie lang die Bevölkerung glaubt, dass sie ohne Strom und Wasser im Haushalt auskommt. Im Durchschnitt schätzt der Oberösterreicher, 5,7 Tage ohne Wasser und Strom auszukommen. 25 Prozent der Bürger glauben länger als sieben Tage und 20 Prozent sieben Tage auszukommen.
Der Bedarf an Wasser bzw. Getränken (74 Prozent) und haltbaren (Grundnahrungs-)Lebensmittel (73 Prozent) ist dabei am größten. Kerzen (15 Prozent), alternative Kochstellen (14 Prozent) oder Batterien (13 Prozent) sind weit abgeschlagen.
Hier muss der OÖ Zivilschutz ansetzen, denn die meisten Bürger überschätzen ihre persönlichen Vorsorge-Maßnahmen: „So ist den Menschen zwar bewusst, dass sie auch Trinkwasser bevorraten müssen, allerdings ist ihnen nicht klar, dass die Kanalisation zusammenbrechen kann und somit auch die Toilette nicht mehr funktionieren wird. Es muss also für eine Nottoilette vorgesorgt werden. Auch Wasser für Hygiene und zum Kochen muss bevorratet werden.“, sagt OÖ Zivilschutz-Präsident NR Bgm. Michael Hammer. „Das ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass die Zweitfolgen und Schäden eines Blackouts von der Bevölkerung unterschätzt werden. Wir werden weiterhin in Beratungen und Vorträgen über das tatsächliche Ausmaß dieses Katastrophenfalles informieren.“
„Die IMAS-Umfrage ergab auch, dass die Mehrheit der Oberösterreicher glaubt, dass das öffentliche Leben mehr von einem Blackout betroffen sein würde als das Privatleben. 74 Prozent sind der Meinung, die Wirtschaft und Unternehmen sind sehr stark von einem Blackout beeinträchtigt – beim Privatleben 37 Prozent. Hier ist klar zu sagen: Bei einem Blackout funktioniert nichts mehr – auch im privaten Bereich. Weder Licht, noch Handy, der Computer oder der Kühlschrank. Auch die Heizung geht nicht mehr. Die Gesundheitsversorgung wird an ihre Grenzen stoßen. Ich kann nur jedem den Blackoutfolder des OÖ Zivilschutzes, der kostenlos über www.zivilschutz-shop.at bestellbar ist, ans Herz legen. Er wird vielen Bürgern die Augen öffnen und bietet gleichzeitig praktische Checklisten für die Zeit vor, während und nach einem Blackout“, sagt OÖ Zivilschutz-Vizepräsidentin LAbg. Anne-Sophie Bauer.
Informationsbedarf ist groß
Insgesamt wird den Informationen für die Bewältigung von Katastrophen eine große Bedeutung zugeschrieben: 95 Prozent der Bürger empfinden Informationen rund um die Katastrophenbewältigung als sehr bzw. einigermaßen wichtig.
Drei von zehn Oberösterreicher schätzten ihren Informationsstand als sehr gut, die Hälfte als einigermaßen gut ein. Vorbereitende Informationen sind für die oberösterreichische Bevölkerung bei einem Atomunfall sowie einem Blackout am wichtigsten – diese werden als prioritäre Gefahrenquellen angesehen.
Beide Katastrophenszenarien gehören zu den Kernthemen des OÖ Zivilschutzes – wobei Vorträge und Beratungen zum Thema Blackout in den letzten Jahren stark zugenommen haben, der Zivilschutz hat sich zur führenden Blackout-Beratungsstelle entwickelt. Eine wichtige Erkenntnis der Zivilschutz-Arbeit ist, dass den Bürgern noch deutlicher gemacht werden muss, dass die Einsatzorganisationen und Behörden bei Notsituationen nicht überall und sofort bzw. nur eingeschränkt helfen können und deswegen Selbstschutzmaßnahmen unbedingt notwendig sind.
Gemeinden: Notfallplan Blackout
Vom Netzwerk für Sicherheit und Zivilschutz „Sicheres Oberösterreich“ wurde eine fundierte Grundlage für die Vorsorgemaßnahmen und notwendigen Handlungsanleitungen für die Behörden im Blackoutfall geschaffen. Die Gemeinden sind verpflichtet, den „Notfallplan Blackout“ auf regionaler Ebene zu adaptieren und in das Digikat (Digitaler Katastrophenschutzplan) einzupflegen.
„Da es sich um ein sehr komplexes Thema handelt, hat sich der OÖ Zivilschutz im vergangenen Jahr im Auftrag des Landes OÖ umfassend mit dem „Notfallplan Blackout“ beschäftigt und ihn soweit ausgearbeitet, dass er von den Gemeinden leichter adaptiert werden kann. Zudem bieten wir Beratungen zu Notfallplanerstellung für die Gemeinden an“, erklärt OÖ Zivilschutz-Vizepräsident LAbg. Michael Gruber, „Der Notfallplan auf Gemeindeebene sieht als Präventionsmaßnahme Zivilschutz-Vorträge für die Bevölkerung vor, dem kommen wir gerne nach. Krisenfeste Gemeinden sind das A und O jeglicher Katastrophenvorsorge, bringt Vorteile für alle und ist somit gesellschaftlicher Gesamtauftrag. Die Bürger erfahren rasch unmittelbare Hilfe vor Ort und das Management des Landes bzw. sämtlicher Führungsebenen wird einerseits erleichtert sowie andererseits effizienter!“
Interesse an regionalen SMS im Katastrophenfall ist groß
Die IMAS-Umfrage stärkt außerdem die Bedeutung des Zivilschutz-SMS: 59 Prozent der Oberösterreicher sind im Katastrophenfall an aktuellen Informationen von ihrer Gemeinde sehr interessiert (Note 1), die Note 2 gaben 17 Prozent.
Das Infosystem wurde 2021 weiterentwickelt und ist für mehr als die Hälfte der oö. Gemeinden zum wichtigsten Krisenkommunikationsmittel für die Bevölkerungsinformation geworden. Mit dem Zivilschutz-SMS erhält der Bürger wichtige Benachrichtigungen bei Katastrophen und Notsituationen. Regionale Informationen sowie Verhaltensanweisungen werden dabei durch die Gemeinde rasch versendet. Die Bürger können sich dafür kostenlos auf www.zivilschutz-ooe.at anmelden.
„Wir sind sehr stolz auf das Zivilschutz-SMS. Es hat sich in den vergangenen zwei Jahren sowohl bei den starken Unwettern, aber auch im Hinblick auf Corona-Informationen und vielen weiteren Gemeindethemen bewährt.“, sagt OÖ Zivilschutz-Vizepräsident LAbg. Mario Haas, „Die Gemeinden informierten ihre Bürger unkompliziert über Gefahrenlagen, regionale Einschränkungen und notwendige Maßnahmen oder Test- und Impftermine. Auch der Krisenstab des Landes OÖ befürwortet die Nutzung des Zivilschutz-SMS.“


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