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Vom Zettelmosaik an der Wand und abgepickten Covid-Rettungsautos: Bilanz nach zwei Jahren Corona-Krise

Martina Gahleitner, 02.03.2022 04:44

BEZIRK ROHRBACH. Es war der 13. März 2020, als das Covid-19-Virus erstmals im Bezirk Rohrbach nachgewiesen wurde. Eine Woche, nachdem der erste Corona-Fall in Oberösterreich bestätigt wurde. Seitdem begleitet uns das Virus mit all seinen Herausforderungen, Einschränkungen und Umstellungen.

  1 / 6   „Die Corona-Krise war ein dauernder Lernprozess“ sagt Patrick Starlinger, Covid-19-Koordinator des Roten Kreuzes – hier vor dem Corona-Drive-In, wo noch immer viele behördlich angeordnete PCR-Testungen durchgeführt werden. Foto: Rotes Kreuz

Mehr als 20.000 Menschen im Bezirk Rohrbach wurden in den vergangenen zwei Jahren positiv auf das Corona-Virus getestet. Im Büro von Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner, wo gleich zu Beginn ein Krisenstab eingerichtet wurde, hat man anfangs noch jeden einzelnen Fall als Zettel an die Wand gehängt und erst abgenommen, wenn der Betroffene wieder gesund war. Nach 1.000 Fällen sei der Platz ausgegangen, erinnert sich Juristin Heidi Gabriel, die als Mitarbeiterin im Krisenstab den Überblick hat. Dann wurde auf Laufzettel umgestellt und mittlerweile funktioniert alles digital. „Im Laufe der Zeit wurde die EDV adaptiert und verbessert, das hat alles extrem erleichtert“, sagt Gabriel.

Corona beschäftigte fast das ganze Haus

„Die stärksten Zeiten waren immer zu Beginn einer neuen Welle“, ergänzt sie. Wobei die größte Herausforderung sicherlich die zweite Welle im Herbst 2020 war, als der Bezirk Rohrbach weltweit die meisten Neuinfektionen hatte. Bis spät in die Nacht wurde damals an der Erfassung und Kontaktdatenerhebung gearbeitet. Der Großteil der Mitarbeiter im Haus war mit Covid-Fällen beschäftigt und beantwortete Anfragen, gab Rechtsauskünfte, stellte Verdachtsmeldungen, Gesundschreibungen oder Absonderungsbescheide aus. Eine besondere Herausforderung war in diesem Fall die Grenznähe, die viele zusätzliche Anfragen mit sich brachte.

Obwohl die Zahlen nach wie vor hoch sind und die Inzidenz bei mehr als 2.000 liegt, hat die Gesundheitsbehörde alles im Griff. „So eine Krise war nicht vorstellbar. Aber im Großen und Ganzen haben wir sie bislang gut gemeistert – dank dem großen Zusammenhalt und der guten Zusammenarbeit im ganzen Bezirk“, zieht Bezirkshauptfrau und Krisenstabsleiterin Wilbirg Mitterlehner Bilanz. Sie rechnet damit, dass die Spitze überschritten sei und es über den Sommer wieder ruhiger wird. Der Stab, in dem auch noch zehn externe Bedienstete beschäftigt sind, bleibt aber aufrecht.

900 Covid-Strafen, 6 Millionen Euro Quarantäne-Entschädigungen

Seit Beginn der Pandemie wurden knapp 10.000 Anträge für Quarantäne-Entschädigungen gestellt. In mehr als 7.500 Fällen wurden Entschädigungen zugesprochen und bislang rund sechs Millionen Euro ausbezahlt. Außerdem gab es 900 rechtskräftige Covid-Strafen – überwiegend weil die Maskentragepflicht verletzt und Ausgangssperren überschritten wurden.

„Es ging Schlag auf Schlag“

Die technische Einsatzleitung stellt seit Pandemiebeginn das Rote Kreuz, das am 24. Februar 2020 zur ersten Krisensitzung in Linz zusammentraf. „Da gab es erste Abstimmungsarbeiten und interne Informationen und dann ging es auch schon Schlag auf Schlag“, berichtet Bezirksrettungskommandant Johannes Raab vom ersten Rettungsauto, das mit Plastikfolie und Paketband auf ein Covid-Transportfahrzeug umgemünzt wurde; von den ersten Teams, die für Probenentnahmen unterwegs waren; vom Corona-Drive-In, der nach verschiedenen Standorten seit September 2020 bis dato gegenüber dem RK-Gebäude zu finden ist. Daneben gab es Massentestungen im Centro, später hat sich der Fokus vom Testen aufs Impfen verlagert.

700 Impfungen pro Tag

Nach der anfänglichen Impfstoff-Knappheit wurden im Juni 2021 fast 11.000 Personen geimpft. Zu Spitzenzeiten waren es 700 Impfungen pro Tag. „Wir haben eine große Unbekannte zähmen müssen – mit erfinderischem Geist in jeglicher Hinsicht“, sagt Raab. Zur Bewältigung hat das Rote Kreuz zusätzlich 31 Leute eingestellt. „Zum Großteil kommen diese aus den eigenen Reihen, da kommt uns die Dichte an Dienststellen zugute.“

Als Covid-19-Koordinator steht Patrick Starlinger im Einsatz, für den die Krise ein dauernder Lernprozess war: „Am Anfang waren schon zehn Leute zum Testen eine Herausforderung. Jetzt sind auch 2.500 kein Problem. Engpässe oder Schwierigkeiten haben wir nach kurzer Absprache immer schnell lösen können.“

Corona-Bilanz im Klinikum Rohrbach

Seit Pandemiebeginn wurden im Klinikum Rohrbach auf Intensiv- und Normalstation insgesamt mehr als 600 Patienten behandelt. Von 165 entlassenen Patienten waren 131 ungeimpft und 34 geimpft (da es zu Beginn der Pandemie noch keine Impfung gegen Covid-19 gab, wurden die Zahlen vom Herbst 2021 evaluiert). Die im Klinikum verstorbenen Patienten waren zwischen 60 und 94 Jahre alt, zum überwiegenden Teil hatten sie Vorerkrankungen.

Punktuell gab es zwar einen Mangel an Personal und es wurden pensionierte Mitarbeiter wieder zurückgeholt, es musste aber keine Abteilung aufgrund von Personalausfällen schließen. „Unser Personal hat durch einen vernünftigen Umgang mit dem Virus und auch durch die Teststrategie des Hauses zu einemguten Durchkommen durch die Pandemie beigetragen“, ist der Ärztliche Direktor Wolfgang Tenschert überzeugt. Nach wie vor testet sich ein Großteil der Mitarbeiter vor Dienstantritt.

„Die Phasen der Pandemie waren – so wie weltweit – auch am Klinikum Rohrbach sehr unterschiedlich. Es wechselten Zeiten mit massivem Patientenaufkommen und damit verbundener extremer Belastung des Personals mit ruhigeren Intervallen. Zudem waren selbstverständlich sämtliche Gesetzesvorlagen und Verordnungen des Bundes umzusetzen. Insgesamt betrachtet können wir jedoch – zumindest bisher – auf eine äußerst gelungene Handhabung dieser neuen Infektionskrankheit in unserem Klinikum zurückblicken“, resümiert Tenschert.

Die Impfquote im Bezirk liegt aktuell bei 68,4 Prozent. Die meisten Geimpften gibt es in den Gemeinden Ulrichsberg, Rohrbach-Berg und St. Veit. Weil die Nachfrage in der öffentlichen Impfstation beim ehemaligen Gesundheitsamt sinkt, werden die Öffnungszeiten auf Mittwoch, Donnerstag und Freitag reduziert. Ab Freitag, 4. März, wird auch mit dem Protein-Impfstoff Novavax geimpft.

Die öffentlichen Testangebote in Lembach und Aigen-Schlägl werden Mitte beziehungsweise Ende März eingestellt.

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Anmeldung zur Impfung


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