"Sie haben mich am Montag angerufen, um sich bei mir zu verabschieden"
LINZ. Es sind gerade unglaubliche Zeiten, in denen wir leben. Zwischen Russland und der Ukraine herrscht Krieg. Menschen müssen aus der Ukraine flüchten - unschuldige Zivilisten, vor allem Frauen mit ihren Kindern. Anna Klymenko ist aus Kiew und lebt mittlerweile in Linz. Gemeinsam mit Thomas Brunner, der seit 18 Jahren in der Ukraine lebt, sammelt sie Spenden, um der Ukraine zu helfen. Die Spenden werden auf der Landstraße in Linz entgegengenommen.

„Meine Eltern, Freunde, Verwandte: sie haben mich am Montag angerufen, um sich bei mir zu verabschieden“, erzählt Anna Klymenko, die aus Kiew stammt und mittlerweile in Linz lebt. Und ergänzt: „Das war der schrecklichste Tag meines Lebens. Wir erwarten, dass sehr viele Flüchtlinge in den nächsten Tagen kommen werden.“ Vor allem werden es Frauen mit ihren Kindern sein, die Unterschlupf und Schutz suchen. „Wir wollen von hier aus helfen“, sagt Klymenko. Wir, das ist der Verein „Support Ukraine Now Upper Austria“. Er wurde Ende Februar von einer rund 12-köpfigen Freundesgruppe rund um Thomas Brunner und Anna Klymenko in Linz gegründet.
Große Hilfsbereitschaft
Es war der zweite Kriegstag, wo Thomas Brunner seine Familie schnappte und aus der Ukraine floh. Brunner stammt aus St. Florian und lebt mittlerweile seit 18 Jahren mit seiner Familie - seine Frau ist Ukrainerin - in der Ukraine. Noch auf dem Weg nach Oberösterreich gründete er eine WhatsApp-Gruppe von wo aus die Spendenaktion koordiniert wurde. Von der Flucht berichtet er: „Das Fantastische war schon die Hilfsbereitschaft in Moldawien und Rumänien.“ Bereits dort habe er gemerkt, dass die Leute helfen wollen und auch tun wo sie nur können. Er selbst berichtet von Menschen eingeladen worden zu sein, da es ihnen ein Anliegen war Menschen, die gerade flüchten, zu helfen. Vom Krieg erzählt er: „Es ist ein Kampf um europäische Rechte, Werte, Freiheit und Demokratie. Alles, was es in Russland schon lange nicht mehr gibt. Der Schock war nicht so groß, dass es passieren wird.“ Dennoch: „Es hat niemand mit diesem großen Angriff gerechnet.“ Brunner ist überzeugt davon, dass man sich wieder von einer Wirtschaftsgesellschaft hin zu einer Wertegesellschaft bewegt. Und dass es wieder wichtig sein wird Werte zu haben und Haltung zu zeigen.
Ein Zeichen setzen
„Die Herausforderung jetzt wird sein, dass es kurz an allem fehlen wird. Vor allem dann, wenn die Lieferketten nach und nach zusammenbrechen“, sagt er. Thomas Brunner sei positiv überrascht, wie schnell sie vorankommen. In der Landstraße 113 in Linz (ehemaliger Betten Reiter) sammeln sie alle möglichen Dinge für die Ukraine. „Durch meine 18 Jahre in der Ukraine habe ich mir ein Netzwerk aufgebaut. Dieses Netzwerk garantiert uns, dass die Spenden auch ankommen werden.“ Ganz wichtig, so Brunner, sei bei der Spendenaktion auch der persönliche Faktor zu sein. Er will ein Zeichen setzen und den Ukrainern mitteilen, dass er zwar derzeit weg von der Ukraine ist, aber noch da ist und von Oberösterreich aus helfen wird. „Wir sind noch zusammen, ich lasse euch nicht alleine.“
Hilfe der Linzer wird gebraucht
Wer bei der Spendenaktion mithelfen möchte, ist gerne eingeladen, in der Landstraße mitzuhelfen. Gefragt, was die Linzer tun können, sagt er: „Wir brauchen Mitarbeiter, Sachspenden, Taschenlampen.“ Gebraucht werden vor allem Medikamente, medizinische Ausrüstung, Decken, Schlafsäcke, Isomatten, gute Schuhe und Nahrungsmittel in Form von Dosen, sowie Hygieneartikel. Außerdem Geldspenden: „Wir werden das Geld brauchen.“ Derzeit helfen rund 20 Personen mit. Am Montag, so hoffen sie, können sie den ersten Lkw in die Ukraine schicken. „Rein zu kommen ist kein Problem.“ Wenn man beispielsweise Lemberg anpeilt dann stehen dort Militärkonvoi. Diese verteilen dann die Sachen im Land. So sei der aktuelle Stand.


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