"Oma spielt mit!": OÖ Familienbund will Senioren für die Kinderbetreuung gewinnen
OÖ. Kinder beim Großwerden zu begleiten ist eine bereichernde, aber auch herausfordernde Aufgabe. Mitarbeiter in der Kinderbetreuung sind tagtäglich stark gefordert. Der aktuelle Fachkräftemangel erschwert die Situation zusätzlich. Mit seiner Pilot-Initiative „Oma spielt mit!“ will der OÖ Familienbund für Entlastung sorgen. Ziel dahinter: Senioren, die nach Pensionsantritt noch fit und auf der Suche nach einer neuen erfüllenden Tätigkeit sind, für die Kinderbetreuung zu gewinnen.

Die Initiative baut auf drei Säulen auf:
Ehrenamtliche Mitarbeit von Senioren
Senioren sind als ehrenamtliche Helferin der Kinderbetreuung sehr gefragt. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Von der beliebten Vorleseoma über wöchentliches gemeinsames Kochen oder punktuelle Unterstützung bei Festen. Die Fachkräfte sind entlastet, während der Nachwuchs Spaß hat.
Bereits mit dabei ist Margarete Mayr. Sie kam durch ihre Enkelin dazu. Die frühere Bürofachkraft bringt sich seit einiger Zeit in den Betreuungsalltag des Familienbund-Kindergartens Katsdorf/Reiser ein. Etwa einmal in der Woche kocht sie mit den Kindern Apfelmus und Hirsebrei, vor der gemeinsamen Mahlzeit wird zusammen gesungen. Bei den Veranstaltungen des Kindergartens hilft sie ebenfalls tatkräftig mit und genießt das Zusammensein mit den Kleinen. „Kinder sind unsere Zukunft! Zeit mit ihnen zu verbringen, ist das größte Geschenk, das wir Ältere der jungen Generation machen können. Wir können den Kleinen viel beibringen, gleichzeitig hält es uns jung“, betont Mayr, die auch weiterhelfen möchte, wenn ihre Enkelin aus dem Kindergarten hinaus gewachsen ist.
„Um als Senior in einer Betreuungseinrichtung aktiv zu werden, muss man nicht mit einem der betreuten Kinder verwandt sein. Der OÖ Familienbund freut sich stets über neue ehrenamtliche Helfer*innen“, lädt OÖ Familienbund-Landesobmann Martin Hajart zum Mitmachen ein.
Pensionsrückkehrer gewinnen
Am Ende der beruflichen Laufbahn können sich Pädagogen und pädagogische Assistenzkräfte oft vorstellen, weiter in der Kinderbetreuung tätig zu sein, wenn die Rahmenbedingungen zu ihrer aktuellen Lebenssituation passen und es sich auch finanziell lohnt. Aktuell ist es aber so, dass Personen, die neben der Alterspension arbeiten, weiterhin Pensionsbeiträge zahlen müssen, und zwar gar nicht so wenig: Arbeiter und Angestellte müssen 22,8 Prozent an Pensionsbeiträgen abgeben. Natürlich werden die Beiträge auf die Pension angerechnet, aber die dadurch erzielte Pensionserhöhung ist so gering, dass sie erst nach rund 15 Jahren spürbar ist.
Laut Dachverband der Sozialversicherungsträger haben 2021 rund 88.000 Pensionisten österreichweit gearbeitet, das Potenzial ist bei entsprechenden finanziellen Anreizen aber deutlich höher. „Arbeiten in der Pension ist enorm sinnstiftend. Unabhängig vom Arbeitskräftemangel hegen viele den Wunsch ihre Leidenschaft in geringerem Ausmaß weiterzuführen. Vor allem aber liefern sie dabei zusätzliches Know-How und die benötigten Qualifikationen. Das Abführen der hohen Pensionsbeiträge schreckt aber extrem ab, da es sich so meist finanziell nicht mehr lohnt. Das Streichen dieser Beiträge ist längst überfällig. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, dem Arbeitskräftemangel in den unterschiedlichsten Branchen entgegenzuwirken und einfache Lösungen, wie es diese ist, sofort umzusetzen“, so der Landesobmann des OÖ Seniorenbundes LH a.D. Josef Pühringer.
In den Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen werden die erfahrenen Fachkräfte, auch in Teilzeit, dringend gebraucht, sei es zur Unterstützung in Stoßzeiten, beispielsweise beim Mittagessen, in der Urlaubszeit oder in der Grippesaison. Damit würden sie eine dringend benötigte Entlastung für die Kollegen darstellen ohne natürlich jemandem einen Arbeitsplatz wegzunehmen. Im Gegensatz zu den ebenso wichtigen ehrenamtlichen Helfern, erfüllen sie auch die rechtlichen Vorgaben des Landes OÖ und können die Aufsichtspflicht für die zu betreuenden Kinder übernehmen.
Pädagogische Ausbildung für Senioren
Einen Anreiz, sich in der Pension in der Kinderbetreuung einzubringen, soll auch der Lehrgang zur pädagogischen Assistenzkraft (ehemals „Helfer) bieten, der ab September startet. Inhalte aus den Bereichen Entwicklung, Pädagogik, Recht sowie Ernährung stellen sicher, dass die Teilnehmergut auf die Betreuung von Kindern vorbereitet sind. Anschließend können die Absolventen in Kindergärten, Krabbelstuben oder Nachmittagsbetreuungen tätig werden.
„Senioren bringen einen großen Erfahrungsschatz mit, der sie auch als Personalressource sehr wertvoll macht. Deshalb möchten wir Omas und Opas für die Kinderbetreuung gewinnen. Fehlt ihnen noch die Ausbildung dazu, können sie diese in unseren praxisnahen Lehrgängen nachholen. Quereinsteiger jeden Alters sind herzlich willkommen!“, so OÖ Familienbund-Landesobmann Martin Hajart.
Bis zu 60 Prozent der Ausbildungskosten werden für Senioren vom Land OÖ übernommen. Wir haben ein großes Ziel, Oberösterreich zum Kinderland Nr. 1 zu machen. Ein Land, das Eltern bestmöglich unterstützt und jedem Kind die Chance auf eine gute Zukunft gibt. Wir freuen uns, dass dieses Ziel von allen Generationen geteilt wird – und dass es so viele Omas gibt, die dabei mithelfen wollen. So bringen wir zwei wichtige Dinge zusammen: Das Fachwissen unserer motivierten Pädagoginnen und Pädagogen und die Lebenserfahrung der Omas im Land“, sagt Bildungsreferentin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander.
Der OÖ Familienbund betreut jährlich rund 4.500 Kinder in seinen Krabbelstuben, Kindergärten, Tagesstätten und Nachmittagsbestreuungen in Gemeinden und Betrieben.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden