Schulfach fördert soziale Begabung: diese Sozialprojekte sind an der Berufsschule 7 entstanden
LINZ. In der Linzer Berufsschule (BS) 7 gibt es seit letztem Jahr den Freigegenstand „Begabungs- und Begabtenförderung“. Im Rahmen dessen entstanden heuer verschiedene Sozialprojekte. Tips hat mit der Direktorin der BS 7, Barbara Hunger-Kirchberger, Lehrerin Ida Reisinger und vier Schülern gesprochen, die an dem Pilot teilgenommen haben.

Im ersten Jahr wurde im Freifach auf die persönliche Begabung der Schüler eingegangen. So hat Schülerin Theresa Arnoldner etwa für die Schulkantine eine bunte Wandgestaltung entworfen, die gemeinsam mit den Maler- und Beschichtungstechnikern der Berufsschule 9 umgesetzt wurde. Dieses Jahr wird die soziale Begabung der Schülerinnen und Schüler gefördert, nächstes Jahr stehen fachliche Kompetenzen im Vordergrund, die persönliche Begabung soll dann im Lehrbetrieb genutzt werden.
Zeit spenden im Altersheim
Heuer wurden in einem zehnwöchigen Lehrgang vier soziale Projekte von den Schülern entwickelt und umgesetzt. So hat Ardit Ismajli (17) mit seinen Mitschülern im Altersheim Aktivitäten für die Bewohner umgesetzt. Es wurde gemeinsam gemalt, gebastelt, musiziert, gespielt und gesportelt. „Es war toll mit ihnen zu arbeiten und hat einfach Spaß gemacht“, sagt der Lehrling über die Erfahrung. Er nehme sich daraus mit, dass man mehr helfen sollte, und für sich selbst mehr Offenheit und Dankbarkeit.
Kuchenbasar für das Linzer Tierheim
Mayar Emara (19) hat mit ihrer Gruppe entschlossen, Spenden für das Linzer Tierheim zu sammeln. Dazu veranstaltete die Gruppe einen Kuchenbasar und kaufte vom Erlös dringend benötigte Ressourcen für das Tierheim. Das Projekt habe ihr vor Augen geführt, dass es gar nicht viel braucht, um zu helfen – so kann man das Tierheim bereits unterstützen, indem man mit den Hunden Gassi geht.
Mit Wundertüte Spenden für Erdbebenopfer gesammelt
Atakan Kaya (18) und seine Mitschüler haben Spenden für die Erdbebenopfer in Marokko und Libyen gesammelt. Dazu wurde eine Wundertüte gebastelt, mit einem Plakat und persönlich in der Schule dafür geworben und die daraus generierten Spenden an das Rote Kreuz übergeben. Das Thema habe er auch deswegen aufgreifen wollen, weil „Naturkatastrophen immer häufiger auftreten, auch durch den Klimawandel.“
Sachspenden für die Arge Obdachlose
Ismajli, Emara und Kaya sind als Lehrlinge im Großhandel bei Schachermayer tätig, Anna Freinschlag (18) macht die Lehre zur Großhandelskauffrau bei der Firma Rechberger. Sie sammelte mit ihrer Gruppe Sachspenden für die Arge Obdachlose: warme Kleidung für den Winter, Hygieneartikel und Geschirr. „Wir hatten auch ein Gespräch mit dem stellvertretenden Chef. Es war sehr interessant, wie das Ganze abläuft, wie die Menschen dort unterstützt werden. Es macht Freude, dass wir helfen konnten“, resümiert sie.
Das sagt die Direktorin
Barbara Hunger-Kirchberger ist die Direktorin der Berufsschule 7 in Linz. Das Freifach sei vom Bildungsministerium initiiert worden, erklärt sie. Es gehe dabei nicht um Hochbegabung, sondern darum, individuelle Begabungen herauszufiltern. Sie sehe ein großes Engagement seitens der Schüler und „wie wichtig es den Schülern ist, die Leute zu unterstützen. Und es ist auch ein Lernprozess – vielleicht hat etwas nicht gleich so funktioniert und dann macht man es noch einmal ordentlich. Tolle Projekte sind da herausgekommen, mir gefällt, was da passiert.“
Lehrerin Ida Reisinger: „Unser Lehrerziel wurde voll und ganz erreicht“
Lehrerin Ida Reisinger erzählt, dass es im Zuge der zehn Wochen auch Rückschläge gegeben habe. „Aber aus Rückschlägen und Fehlern lernt man meiner Meinung nach am meisten.“ Die Lehrer hätten zur Vorbereitung einige Teambuilding-Übungen mit den Schülern gemacht und vor allem eine Mentoren- und Coachingrolle eingenommen. „Die Schüler mussten eigenständig bei den Projektpartnern anrufen, organisieren, einen Projektplan mit Meilensteinliste und Arbeitspaketen erstellen – so, wie man es auch in der Arbeitswelt grundsätzlich machen würde.“
Sie ist vom Wert des Freifachs überzeugt: „Unser Lehrerziel wurde voll und ganz erreicht: die Spendenempfänger haben sich sehr gefreut, wir haben nur positives Feedback bekommen. Der Weg dorthin war manchmal schwierig, es war viel Motivationsarbeit und Unterstützung notwendig, aber ich glaube, dass sie (die Schüler, Anm.) sehr viel für ihre Sozialkompetenz gewinnen konnten.“ Oft werde einem erst später bewusst, was man sich aus so einem Projekt und aus der Berufsschule mitnehmen könne.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden