Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

LINZ. Das Leben von Johanna Wagmeier war das ganz normale Alltagschaos einer berufstätigen Mutter von zwei Kleinkindern. Bis sie mit 35 Jahren die Diagnose Darmkrebs erhielt. „Über den Scheiß sollte mal jemand reden“, was die gebürtige Linzerin hiermit in ihrem Buch „Unter der Gürtellinie“ tabulos und mit viel Humor auch tut.

Johanna Wagmeier (Foto: Lukas Fritzer)
  1 / 2   Johanna Wagmeier (Foto: Lukas Fritzer)

Blut im Stuhl und Verdauungsprobleme führten Johanna Wagmeier irgendwann zum Arzt, der ihr empfahl, zur Sicherheit eine Darmspiegelung zu machen, obwohl nichts sein werde. „Und dann war halt doch was, ein schon relativ großes Ding“, erinnert sich die zweifache Mutter, die in Urfahr aufwuchs, mit zehn nach Gallneukirchen zog und schließlich fürs Studium nach Graz ging, wo sie heute noch lebt.

Fast drei Jahre ist die Diagnose her. „Das war ein riesiger Schock, auch weil meine Kinder noch ganz klein waren, zwei und vier. Ich dachte, warum passiert das mir? Was habe ich falsch gemacht? Ich dachte, das ist eine Krankheit, die eher alte Leute betrifft, aber das stimmt nicht.“

Niemand spricht über Darmkrebs

5.000 Menschen in Österreich erhalten jährlich die Diagnose Darmkrebs, doch darüber sprechen will keiner. „Mit Brustkrebs gehen die Menschen mittlerweile offen um, reden darüber. Da hätte ich Leute gehabt, die mir sagen ‚ja, das ist eine depperte Krankheit, aber du schaffst das, weil ich das auch geschafft habe‘. Aber mit Darmkrebs steht man quasi allein da, zumindest war das mein Gefühl.“

Niemand scheint zu wollen, dass man es weiß. „Dabei habe ich festgestellt, dass die meisten gerne bereit sind, Rücksicht zu nehmen, nur müssen sie dazu wissen, was los ist. Etwa, dass ich nicht alles essen kann oder dass ich immer frage, wo denn das Klo ist und ob es gut erreichbar ist – und nicht im Nebenhaus im zweiten Stock.“ Denn auch wenn Therapien und Operation gut verlaufen sind, hat sie mit den Folgen wie etwa Verdauungsproblemen zu kämpfen. „Mir fehlt halt der halbe Dickdarm.“

Raus aus der Tabuzone

Mit ihrem Buch „Unter der Gürtellinie“ möchte sie helfen, Darmkrebs aus der Tabuzone zu holen – und zwar mit Humor. „Ich habe viele absurde Momente erlebt, in denen mir nicht klar war, ob ich besser lachen oder weinen sollte. Ich entschied mich meist für das Lachen.“ Einfach weil Humor es für sie und ihr Umfeld leichter gemacht hat. „Wenn mich jemand gefragt hat, welche Art von Krebs es denn ist, habe ich gesagt: Bei mir ist der Krebs im Arsch daheim. Und dann haben wir gelacht und es war für alle etwas weniger bedrückend.“ Die lustigen Sprüche hat sie beibehalten. Mittlerweile ist sie als Kabarettistin unterwegs, wie ihr Bruder Kabarettpreisträger Berni Wagner.

Wichtig ist ihr, Betroffenen ans Herz zu legen, dass man aus einer Krebserkrankung das Beste machen darf. „Ich zum Beispiel hätte wahrscheinlich nie ein Buch herausgebracht, was ein Kindheitstraum von mir war. Es ist ein hoher Preis, den man zahlt, aber wenn man sowieso zahlen muss, kann man wenigstens die positiven Dinge daraus mitnehmen.“

Neben umfassenden Informationen, was eine Darmkrebs-Diagnose für das weitere Leben bedeutet und welche Hilfestellungen es gibt, will sie mit ihrem Buch aber auch in Sachen Vorsorge wachrütteln. „Wenn ich nicht so lange vor einer Koloskopie zurückgeschreckt wäre, hätte ich mir vielleicht zumindest einen Teil der Therapie erspart.“ Darüber hinaus soll das Buch auch Angehörigen und Freunden Informationen liefern.

Wagmeier ist davon überzeugt, „dass es viele Menschen gibt, denen mein Buch weiterhelfen und neue Perspektiven eröffnen kann“. Und ja: „Dies ist ein Buch über Krebs – und trotzdem ein lustiges Buch. Und es geht gut aus, versprochen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Neue ÖBB-Haltestelle für das Linzer Franckviertel

Neue ÖBB-Haltestelle für das Linzer Franckviertel

LINZ. Im Linzer Franckviertel soll eine neue ÖBB-Haltestelle entstehen. Sie ist Teil des geplanten viergleisigen Ausbaus zwischen Linz Kleinmünchen ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Über 560 Kinder beim Familienbund-Kids-Run am Start

Über 560 Kinder beim Familienbund-Kids-Run am Start

LINZ. Mehr als 560 Kinder zwischen drei und zwölf Jahren gingen beim Kids-Run des OÖ Familienbundes im Transdanubia Athletic.Sport.Zentrum ...

Tips - total regionalNora Heindl
Schnellbuslinie 13: Linz passt Haltestellen an

Schnellbuslinie 13: Linz passt Haltestellen an

LINZ. Die neue Schnellbuslinie 13 soll ab Herbst 2027 den Linzer Süden, das Industriegebiet und Urfahr verbinden. Nun hat der Stadtsenat Straßenbauarbeiten ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Sternradln und Radparade mit 700 Teilnehmern

Sternradln und Radparade mit 700 Teilnehmern

LINZ. Knapp 700 Menschen radelten am Sonntag, 20. September aus dem Linzer Umland in die Stadt. Bei der Radparade führte ein Abschnitt sogar ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Spendenübergabe an Herzkinder-Verein nach Flohmarkt-Sommer

Spendenübergabe an Herzkinder-Verein nach Flohmarkt-Sommer

LINZ. Beim Kindersachenflohmarkt am Linzer Südbahnhofmarkt wurden im Sommer mehr als 1.000 Euro gesammelt. Nun wurde die Spende an den Verein ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Gallneukirchner Diakoniewerk brachte Vielfalt an einen Tisch in Linz

Gallneukirchner Diakoniewerk brachte Vielfalt an einen Tisch in Linz

LINZ/GALLNEUKIRCHEN. Beim dritten „Tisch der Vielfalt“ des Diakoniewerks Gallneukirchen kamen am Linzer Hauptplatz Menschen mit unterschiedlichen ...

Tips - total regionalMag. Jacky Stitz
Weitere Beiträge