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Angebot von Sozialstunden nach Amok-Drohung an Linzer Schule

Steiner Christoph, 28.01.2026 13:13

LINZ. „Ich hab a Pistole, ich steh bei der Karlhofschule und knall dort Leute ab“ – mit diesen Worten meldete sich am Donnerstag, 20. November 2025, ein 15-jähriger Linzer aus einer Telefonzelle bei der Polizei. Einen Amoklauf hatte er nicht geplant: Nach Problemen in der Schule wollte der noch kindlich wirkende Angeklagte einfach frei haben, wie er im Prozess gestand. Am Landesgericht Linz erhielt er dafür das Angebot einer Diversion und 120 Sozialstunden.

Es gibt das Angebot der Diversion, der Prozess wurde allerdings vertagt. (Foto: Volker Weihbold)
Es gibt das Angebot der Diversion, der Prozess wurde allerdings vertagt. (Foto: Volker Weihbold)

Da dem Angeklagten die Möglichkeit gegeben werden soll, sein letztes Schuljahr positiv abzuschließen, bevor er die Stunden ableisten muss, wurde der Prozess vertagt. Die Sozialstunden müssen innerhalb von sechs Monaten erbracht werden. Sollte die Diversion später rechtskräftig werden, könnte der 15-Jährige die Stunden in den Ferien ableisten.

Wobei er auch schon weiß, wo er sie absolvieren will. Er hat bereits – weil er vom Magistrat wegen eines Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz dazu verpflichtet wurde – in diesem Jahr eine Woche in einem Seniorenheim gearbeitet. „Das gefällt mir, ich kann gut mit Menschen“, sagte der Jugendliche, der mit einem Amoklauf gedroht hatte.

Junger Bub mit dummen Ideen

Am Landesgericht nahm nicht etwa ein Halbstarker vor dem Richter Platz, sondern ein schmächtiger, verständlicherweise schüchterner, aber sehr aufgeräumter und reflektierter Junge in Begleitung seiner Eltern. Einer, dem man vom Auftreten her eher nicht zutrauen würde, dass er bereits einmal die Fensterscheibe eines Autos eingeschlagen hat oder sich im aktuellen Prozess auch wegen versuchten Diebstahls verantworten muss.

Beim Diebstahl geht es um rund 15 Euro. Gnocchi und Müsli hatte er während eines Reha-Aufenthalts in einem Supermarkt stehlen wollen, wurde dabei allerdings erwischt. „Ich esse gerne Gnocchi und Müsli“, begründete der Angeklagte. Er habe zu wenig Geld gehabt und das Essen während der Reha habe ihm nicht geschmeckt.

„Es waren dumme Ideen, ich bereue es zutiefst“, bekannte sich der 15-Jährige „hundertprozentig schuldig“.

Auf die Idee mit der Bombendrohung sei er gekommen, weil dies ein Jahr zuvor, ausgelöst durch Mitschüler, schon einmal zu freien Tagen geführt habe. „Eine impulsive Entscheidung“, erklärte er. Nach Krisengesprächen in der Schule habe er sich unter Druck gefühlt.

Lange Diskussionen

Vor allem, dass der versuchte Diebstahl nur wenige Wochen nach dem Vorfall in der Schule stattgefunden hatte, ließ den Richter an der angemessenen Reaktion zweifeln. „Was bringt Sie dazu?“, wollte der Vorsitzende wissen. „Sehr gute Frage, ich habe ehrlicherweise keine Ahnung“, antwortete der Angeklagte etwas ratlos.

Er macht eine Psychotherapie und nimmt Medikamente. Diese würden helfen, sagte er. Der 15-Jährige möchte sich nun auf seine Zukunft konzentrieren und Geld verdienen. Auch um Gnocchi und Leckerlis für seine zwei Katzen sowie ein Haus für seine drei Meerschweinchen kaufen zu können, erklärte er. Wenn nicht im Seniorenheim, dann bei einem Autoreparaturservice. „Ich kann nicht still sitzen, das merke ich“, zeigte sich der Jugendliche über manche Probleme bewusst.

Diversion mit Zaudern

Grundsätzlich hatte sich die Staatsanwaltschaft aufgrund der Aktenlage – neben den bereits geschilderten Vergehen ist eine weitere Sachbeschädigung bei der Polizei aktenkundig – schon vor dem Prozess gegen eine Diversion ausgesprochen. Der Richter haderte sichtlich mit der Entscheidung zwischen Diversion und bedingter Strafe. Aufgrund des Auftretens des 15-Jährigen und weil man ihm die Zukunft nicht verbauen wolle, kam schließlich das Angebot einer Diversion samt der höchstmöglichen Anzahl an Sozialstunden. Aufgrund der Vertagung ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig.


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