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Sexualberaterin Doris Kaiser: „Viele glauben, dass der Sex von ganz allein funktionieren muss“

Nora Heindl, 02.04.2026 14:58

LINZ. Wenn man sich liebt, klappt der Sex ganz automatisch? Von wegen. Und man ist damit auch sicherlich nicht allein. Sexualberaterin Doris Kaiser plaudert aus dem Nähkästchen – im Tips-Gespräch wie auch in ihrer neuen Veranstaltungsreihe „Let's talk about...“.

Nicht immer läuft es rund im Bett – das ist normal. (Foto: fizkes/stock.adobe.com)
  1 / 2   Nicht immer läuft es rund im Bett – das ist normal. (Foto: fizkes/stock.adobe.com)

„Auf Mundpropaganda brauche ich mich nicht verlassen. Keiner gibt gerne zu, dass er zur Sexualberatung geht“, sagt die 54-jährige Linzerin und lacht. Dabei würde man damit einen der größten Mythen widerlegen: dass es bei allen anderen im Bett gut läuft – nur bei einem selbst nicht.

„Es geht ganz vielen genauso. Studien zeigen, dass jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens sexuelle Probleme hat. Das ist völlig normal“, sagt Doris Kaiser, die seit 2008 Frauen als Sexualberaterin begleitet: „Während es in vielen Bereichen üblich ist, sich Unterstützung zu holen, glauben viele, dass der Sex von ganz allein funktionieren muss.“

Warum Reden so schwer fällt

Warum es so schwer fällt, über Sexualität zu reden? „Sexualität ist etwas sehr Intimes, etwas, das uns sehr vulnerabel macht. Wenn ich meinem Partner einen vielleicht nicht alltäglichen Wunsch anvertraue und er das ablehnt oder gar ins Lächerliche zieht, verletzt mich das enorm, weil es ein Teil meiner Identität ist. Hinzu kommt auch, dass wir es nicht gelernt haben, über Sexualität zu sprechen. Uns fehlen im wahrsten Sinne die Worte.“ Davon abgesehen: „Über die eigenen Probleme redet einfach keiner gern.“

Nicht warten bis zum „Totalschaden“

Immerhin: Das Bewusstsein für frühzeitige Hilfe wächst. „Eine Beratung muss nicht der letzte Ausweg sein, wo es schon darum geht, ob man sich trennt oder nicht“, so Kaiser: „Es kommen vermehrt jüngere Paare, die sich gemeinsam einem Thema stellen wollen, beispielsweise nach der Geburt eines Kindes.“

Sie vergleicht das Angebot mit dem jährlichen Autoservice: „Kleinere Reparaturen werden vor Ort behoben und man hat danach wieder ein gutes Gefühl. Wenn's um die Beziehung geht, kommen viele aber erst mit Totalschaden. Das zu reparieren, kostet Zeit und ist nicht immer möglich.“

Die häufigsten Themen

Doch was sind denn eigentlich die häufigsten Themen in den Beratungen? „Die fehlende Lust ist auf jeden Fall ein Thema.“ Oftmals auch verschuldet durch Einflüsse von außen, beispielsweise durch Stress in der Arbeit oder einen Trauerfall in der Familie. „Es wird immer wieder Phasen geben, in denen man weniger Lust hat.“ Gedanken machen sollte man sich dann, „wenn man selbst und die Beziehung darunter leiden.“

Das Thema Nummer eins bei Paaren fasst die Linzerin unter „unterschiedlichen Bedürfnissen“ zusammen, egal ob in Sachen Häufigkeit, Qualität oder Vorlieben.

Immer mehr thematisiert werden zudem alternative Beziehungsformen, so Doris Kaiser.

Zwischen Offenheit und Druck

Dass sich die Gesellschaft immer offener gibt, sieht die Sexualberaterin von zwei Seiten. „Es gibt Werbung für Medikamente für Erektionsstörungen und für vaginale Trockenheit. Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Das ist natürlich positiv.“ Manche Filme, Bücher oder Influencer würden jedoch auch viele unrealistische Bilder vermitteln. „Über Social Media und Co wird einem vermittelt, wie Sexualität, der Körper, die Beziehung auszusehen hat. Das kann verunsichern und Leistungsdruck hervorrufen. Alle reden über BDSM, muss mir das jetzt auch gefallen? Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass nicht alles, was man sieht, der Realität entspricht, und dass man nicht überall dabei sein muss.“

Ehrlich sein mit sich selbst

Viel wichtiger ist es, für sich selbst herauszufinden, was man will. „Was tue ich nur, weil ich glaube, dass es so sein muss? Was würde ich stattdessen lieber tun? Wo ertappe ich mich, dass ich eher eine Performance abliefere und wo bin ich echt? Was glaube ich, dass mir Lust bereiten muss, und was bereitet mir wirklich Lust?“

Auch wenn der Schritt, sich gegenüber ehrlich zu sein, Mut erfordert, „er wird sich auf jeden Fall lohnen.“ Nicht nur ist Sexualität eine „Kraftquelle“, sie ist für Doris Kaiser auch ein wunderbares Tool zur Persönlichkeitsentwicklung: „Eine Frau, die ihre eigenen Bedürfnisse kennt, zu ihnen steht und sich auch traut, sie auszusprechen, die traut sich auch, anderweitig für sich einzustehen.“

„Let's talk about...“ startet

Am Dienstag, 7. April, startet Doris Kaiser ihre Veranstaltungsreihe „Let's talk about... Die Kaiserin plaudert aus dem Nähkästchen“. „Ich erzähle frei von der Leber weg, was die Themen in einer Sexualberatung sind und lasse die Besucher an meinem Erfahrungsschatz teilhaben“, so die 54-Jährige. Ehrlich, humorvoll und im besten Sinn schamlos. Es geht um Lust und Frust, Mythen und Wahrheiten, Erwartungen und Realität. Dabei ist Raum für alle Fragen.

Für die Zukunft plant Kaiser die Abende unter ein Motto zu stellen: „Einmal könnte es um BDSM gehen, ein anderes Mal um Toys. Dann gerne auch mit weiteren Expertinnen.“ Die Teilnahme ist für Frauen und Männer offen, „auch Paare sind bereits angemeldet.“


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