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Praxistest im Seniorenzentrum Liebigstraße: Digitale Systeme entlasten Pflegekräfte

Nora Heindl, 20.05.2026 15:05

LINZ. Digitalisierung im Pflegealltag schafft messbare Entlastung fürs Personal und damit mehr Zeit für die Interaktion mit den Bewohnern – das zeigt eine Studie der FH OÖ im Seniorenzentrum Liebigstraße.

  1 / 3   Mit der eingesetzten Spracherkennung dokumentieren Pflegekräfte direkt im Arbeitsprozess. (Foto: voize)

Drei Technologien machen das Digitale Pflegeheim Liebigstraße zum Vorzeigemodell: die sprachgestützte Pflegedokumentation, die intelligente Sturzerkennung und die telemedizinische Betreuung. Eine Erhebung der FH OÖ hat nun ergeben, dass diese Systeme genau das tun, was sie sollen: Zeit für pflegerische Kernaufgaben und soziale Interaktion mit den Bewohnern zurückgewinnen, ohne Qualität oder Sicherheit zu beeinträchtigen.

Sturzerkennung in Echtzeit

Als besondere Entlastung, vor allem auch psychisch, hat sich das Assistenzsystem Livy Care erwiesen. Mittels Sensoren in den Bewohnerzimmern erkennt dieses Stürze automatisch und leitet die Info in Echtzeit ans Pflegepersonal weiter. Die durchschnittliche Reaktionszeit liegt damit bei rund 90 Sekunden.

Regelmäßige Kontrollgänge werden nach wie vor durchgeführt, reduzieren sich aber vor allem im Nachtdienst deutlich, da nur mehr bei tatsächlichem Bedarf eingegriffen wird. Insgesamt sank der Aufwand für Kontroll- und Routinetätigkeiten damit von rund 44 auf etwa 19 Stunden pro Woche.

Gleichzeitig zeigt sich ein klar erhöhtes subjektives Sicherheitsgefühl – sowohl bei Pflegekräften als auch bei Bewohnern und Angehörigen. Pflegekräfte beschreiben insbesondere eine psychische Entlastung, da sie nicht mehr mit der ständigen Sorge arbeiten müssen, Bewohner unbemerkt gestürzt anzutreffen.

Ebenfalls mittels Sensor erfolgt die Blutzuckermessung. Während manuelle Messungen mehrere Minuten dauern und mehrmals täglich erfolgen, liefert ein Sensor völlig schmerzlos automatisch die Daten. Dadurch entsteht pro Bewohner ein Zeitgewinn von rund zehn Stunden pro Monat.

Eingabe mittels Sprache

Bei der sprachgesteuerten Pflegedokumentation sprechen die Pflegekräfte Beobachtungen direkt in ein Mobiltelefon, anstatt sie erst später an stationären Computerarbeitsplätzen einzutragen. 2025 wurden bereits 11.430 Einträge per Sprache erfasst. Die Studie hält fest, dass im Team dadurch täglich mehrere Stunden Zeit gewonnen werden und administrative Nacharbeit reduziert wird.

Arztvisite per Video

Eine hohe Akzeptanz zeigt sich bei der Telemedizin, also der Arztvisite im Pflegeheim per Video: über 90 Prozent der befragten Pflegekräfte sind der Meinung, dass Telemedizin die Zusammenarbeit mit Ärzten erleichtert und knapp 82 Prozent sehen sie als hilfreiche Unterstützung im Pflegealltag.

Während eine telemedizinische Visite inklusive Vorbereitung rund 30 bis 45 Minuten dauert, nimmt ein Krankenhausbesuch inklusive Transport und Wartezeit oft sechs bis acht Stunden in Anspruch – der Aufwand für Terminkoordination und Transportorganisation nicht eingerechnet.

Zwischen Jänner und Oktober 2025 wurden 24 Telemedizin-Visiten durchgeführt, mit einer Dauer von jeweils 15 bis 30 Minuten. Damit konnten 48 Krankenhaustransporte vermieden werden.

Ausweitung auf Seniorenzentren

Die Stadt Linz will noch heuer beginnen, die Technologien auch auf andere Seniorenzentren auszurollen: “Noch in diesem Jahr soll die sprachgesteuerte Pflegedokumentation auf alle zehn Linzer Seniorenzentren ausgeweitet werden, die entsprechende Ausschreibung läuft bereits. Auch im Bereich der Sensorik ist eine Erweiterung geplant, zunächst auf ein weiteres Haus mit der Option auf einen schrittweisen Ausbau auf alle Standorte. In der Telemedizin wird das bestehende Angebot am Standort Liebigstraße weiterentwickelt und um zusätzliche Kooperationen ergänzt, etwa mit Notfallambulanzen“, erklärt Vizebürgermeisterin Karin Leitner.


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