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Hitze trifft Linz nicht überall gleich: Wo man in der Stadt am meisten schwitzt

Nora Heindl, 14.07.2026 17:05

LINZ. Die 18-tägige Hitzewelle im Juni brachte Linz einen Rekordmesswert von 39,3° C, fünf Wüstentage und 14 Tropennächte. Die 56 städtischen Messstationen machen aber auch deutlich, wie unterschiedlich sich Hitze innerhalb der Stadt ausprägt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

56 Messstationen sind über das Linzer Stadtgebiet verteilt. (Foto: Stadt Linz)
56 Messstationen sind über das Linzer Stadtgebiet verteilt. (Foto: Stadt Linz)

Noch nie gab es in den letzten knapp 100 Jahren im Juni eine derart lange Hitzewelle, noch nie wurden so hohe Temperaturen gemessen. Mit 38,2 °C zeigte die Messstelle der GeoSphere Austria am 28. Juni einen neuen Höchstwert für Linz an (bisher: 37,6 °C). Im städtischen Messnetz wurden am Hauptbahnhof sogar 39,3 °C gemessen.

Seit Ende 2025 erfasst ein städtisches Temperaturmessnetz mit mittlerweile 56 Stationen die Hitzeentwicklung in Linz und verdeutlicht: Die eine GeoSphere-Messstation im Innenhof der Kreuzschwesternschule in der Stockhofstraße spiegelt nicht die Spannweite der im Stadtgebiet gemessenen Temperaturen wider.

Je grüner, desto kühler

Wie stark hält sich Hitze in dicht bebautem Gebiet wie etwa der Innenstadt oder dem Industriegebiet, und wie unterschiedlich kühlen einzelne Stadtteile ab? Durch die Messstationen kann das erstmals detailliert dargestellt werden.

Vor allem am Abend und in der Nacht zeigt sich ein deutlicher Unterschied von bis zu 6 °C zwischen dichtversiegelten Bereichen und Stadtteilen mit viel Grün und Luftströmen. So wurden am 28. Juni um Mitternacht noch Höchstwerte von knapp 32 °C festgestellt, am stärksten betroffen waren dabei die Messstellen Schachermayerstraße sowie Garnisonsstraße KUK mit 31,9 °C, gefolgt von den Messstellen Martin-Luther-Platz, Friedhofstraße, Reischekstraße und Domplatz mit 31,6 °C. Am kühlsten war es in dieser Nacht bei der Messstelle Haselgraben mit 25,6 °C. Auch die Messstellen am Volkshaus Dornach, Zoo Linz, Wambach, Wasserwald sowie Freiwillige Feuerwehr St. Magdalena und Dießenleitenweg lagen zwischen 26,3 °C und 28,4 °C.

Insgesamt wurden während der Juni-Hitzewelle 14 Tropennächte verzeichnet, das heißt, in diesen fiel die Temperatur nicht unter 20 °C. Allesamt wurden in der Schachermayerstraße gemessen, 13 Tropennächte wurden bei den Messstellen Franckstraße, Otto-Glöckel-Schule und Martin-Luther-Platz verzeichnet. Nur eine Tropennacht wurde in Wambach gemessen.

Wüstentage, also Tage an denen die Höchsttemperatur bei 35 °C und höher liegt, wurden an allen 56 Messstellen gemessen. Fünf Wüstentage wurden an der Messstelle Schachermayerstraße erreicht, aber auch die Messstellen im innerstädtischen Bereich am Domplatz, Hauptbahnhof, der Promenade, am Südbahnhofmarkt, am 25er Turm oder an der Otto-Glöckel-Schule zählten bereits vier solcher Tage.

Die Hitze war tagsüber aber nicht auf die Kernstadt beschränkt. Auch in weniger dicht verbauten Stadtteilen kam es durch intensive solare Einstrahlung und lokal stärker versiegelte Bereiche zu hohen Lufttemperaturen, so wurden vier Wüstentage auch bei jeweils einer Messstelle in Dornach, der Dimmelstraße und am Ebelsberger Schlossweg festgestellt.

„Mit dem Messnetz können wir erstmals sehr genau nachvollziehen, wie sich Temperaturunterschiede im Stadtgebiet entwickeln. Besonders auffällig ist, wie stark aufgeheizte dicht verbaute Bereiche in den Abend- und Nachtstunden erhitzt bleiben und wie eingeschränkt dort die Abkühlung verläuft. Die Daten zeigen auch klar, welche Faktoren zur Entlastung beitragen. Durchlüftung, Grünräume und gezielte Verschattung wirken messbar. Diese Erkenntnisse helfen uns, Maßnahmen gezielt dort umzusetzen, wo sie den größten Effekt erzielen“, erklärt Stadtklimatologe Johannes Horak.

„Stadtgrün ist größter Schatz“

„Die aktuellen Messdaten zeigen sehr klar, wie unterschiedlich sich Hitze in unserer Stadt auswirkt und wie stark sie den Alltag vieler Menschen beeinflusst. Der größte Schatz gegen die Hitze ist unser Stadtgrün. Der Schutz des bestehenden Grüns und der Ausbau des Grünanteils müssen daher unsere größten Anliegen sein“, betont Stadträtin Eva Schobesberger.

Eine aktuelle Auswertung des Baumbestands mittels KI-Tool zeigt für Linz gesamt einen Überschirmungsgrad von bis zu 25,7 Prozent. In einzelnen statistischen Bezirken liegt dieser deutlich höher (Pöstlingberg mit 49,4 Prozent), teils aber auch deutlich darunter (beispielsweise 4,2 Prozent im Industriegebiet-Hafen).

Einfluss auf Stadtplanung

Die Messerkenntnisse fließen auch in die Stadtentwicklung ein. So gibt es bereits Vorgaben zur Pflanzung von Bäumen auf Baugrundstücken und Parkplätzen. Auch bei der Straßenplanung ist es Ziel, bestehende Bäume zu erhalten und auch neue zu pflanzen.

Als Meilenstein, um in der Innenstadt einen kühlen Ort zu schaffen, hebt Hans-Martin Neumann, Direktor des städtischen Geschäftsbereichs Planung, Technik und Umwelt, den Martin-Luther-Platz hervor, der gerade neugestaltet wird. Geplant sind unter anderem zwölf Pflanzbeete mit schattenspendenden Ulmen. Die Bäume werden im Oktober gepflanzt, aktuell wäre es zu heiß. Im Herbst sollen Baumpflanzungen unter anderem auch den Wüstenrotplatz in Auwiesen aufwerten.


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