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LINZ. Die Oberösterreichische Landesregierung hat einstimmig die Rückgabe von NS-entzogenen Mineraliensammlungen an ihre rechtmäßigen Eigentümer, das Stift Hohenfurth/Vyšší Brod und das Stift Wilhering, beschlossen. Insgesamt geht es um 1.432 Objekte. 

 (Foto: OÖ LKG)
(Foto: OÖ LKG)

Grundlage ist ein 358-seitiges Provenienz- und Restitutionsdossier des OÖ Landesmuseums. Es belegt anhand historischer Inventare, Korrespondenzen und Dokumente, dass die Sammlungen im Zuge nationalsozialistischer Klosteraufhebungen und Beschlagnahmungen unrechtmäßig in das damalige Landesmuseum gelangten.

Dachbodenfund bringt NS-Raubgut ans Licht

Eine besondere Rolle spielen mehrere historische Holzkisten, die bereits 2016 bei Instandhaltungsarbeiten auf dem Dachboden des Francisco Carolinum entdeckt aber erst 2024 bzw. 2025 vollständig geöffnet und untersucht worden waren. Gleichzeitig wurden die mineralogischen, petrographischen und paläontologischen Bestände gezielt nach Objekten aus den ehemaligen Klostersammlungen durchsucht. Dabei konnten umfangreiche Bestände aus Hohenfurth und Wilhering identifiziert werden, die teilweise seit der NS-Zeit in ihren historischen Verpackungen erhalten geblieben waren.

Besonders bemerkenswert ist der Fall Wilhering: Teile der naturwissenschaftlichen Sammlungen waren nach 1945 an das Stift zurückgegeben worden. Gerade wesentliche Teile der mineralogischen Schausammlung blieben jedoch verschollen. Das Forschungsdossier kommt zu dem Schluss, dass einige jener Kisten möglicherweise über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten waren und erst 2016 im Francisco Carolinum wieder aufgefunden wurden.

Auch bei den Beständen aus Hohenfurth konnte die Herkunft zahlreicher Objekte anhand historischer Inventarnummern, Sammlungsetiketten und der ursprünglichen Verpackung eindeutig nachvollzogen werden. Viele Stücke befanden sich noch in jenen Holzkisten, in denen sie vermutlich während der NS-Zeit aus dem Stift abtransportiert worden waren.

„Aufarbeitung muss konkrete Konsequenzen haben“

Landeshauptmann Thomas Stelzer: „Oberösterreich stellt sich seiner Geschichte und übernimmt Verantwortung. Dazu gehört auch, die Geschichte unserer öffentlichen Institutionen und ihrer Sammlungen sorgfältig und wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten. Wenn sich dabei zeigt, dass Eigentum während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft unrechtmäßig entzogen wurde, ist es unsere Verpflichtung, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.“

 Alfred Weidinger, Geschäftsführer der OÖ Landes-Kultur GmbH: „Ein Museum muss sich nicht nur mit dem beschäftigen, was es bewahrt, sondern ebenso mit der Frage, wie diese Objekte in seine Sammlungen gelangt sind. Seit vier Jahren arbeiten wir deshalb die Institutions- und Sammlungsgeschichte des OÖ Landesmuseums systematisch und ohne Vorbehalte auf. Wenn die Forschung nachweist, dass Objekte unter den Bedingungen nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung in unsere Sammlungen gelangt sind, muss diese Erkenntnis konkrete Folgen haben. Die Rückgabe an die rechtmäßigen Eigentümer ist daher für uns keine Frage des Entgegenkommens, sondern eine Frage historischer Verantwortung.“

Aufarbeitung nicht abgeschlossen

Die historische Aufarbeitung ist damit aber nicht abgeschlossen. Die OÖ Landes-Kultur GmbH wird die Provenienz ihrer Sammlungen und die Geschichte des Landesmuseums während der NS-Zeit weiter systematisch untersuchen, ebenso Sammlungsobjekte aus kolonialen Kontexten.

Gerade der Fall Hohenfurth/Wilhering macht deutlich, dass sich auch mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus bislang ungeklärte Sammlungsgeschichten rekonstruieren und historisches Unrecht zumindest teilweise korrigieren lassen.


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