Großes Renaturierungsprojekt: So wird die Traun in Linz umgestaltet
LINZ. Ab Oktober wird ein 1,2 Kilometer langer Abschnitt der Traun zwischen der Eisenbahnbrücke und der Ebelsberger Traunbrücke grundlegend umgestaltet. Das mehrere Millionen Euro teure Renaturierungsprojekt soll dem Fluss wieder mehr Platz geben und Lebensräume zurückbringen.

Wer heute von der Eisenbahnbrücke Richtung Ebelsberger Traunbrücke über die Traun blickt, sieht einen Fluss, der über Jahrzehnte stark vom Menschen geprägt wurde.
Uferverbauungen, Regulierungen und Einbauten haben aus einem einst verzweigten Gewässersystem einen nahezu geradlinigen Fluss gemacht. Genau das soll sich nun ändern.
Ab Oktober beginnt auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt eines der bedeutendsten Renaturierungsprojekte Oberösterreichs. Bis April 2027 soll die Traun dort wieder mehr Raum erhalten – mit positiven Folgen für Fische, Auwälder und das Grundwasser.
„Traun ist massiv vom Menschen überformt worden“
„Die Traun ist in diesem Bereich massiv vom Menschen überformt worden. Aus einem ehemals verzweigten Flusssystem entstand ein gerader Strich, der mit unterschiedlichsten Einbauten fixiert wurde. Wir wollen den Fluss wieder seine natürliche Dynamik zurückgeben“, sagt Projektleiter Torben Walter vom Land Oberösterreich im Gespräch mit den TIPS.
Das Vorhaben ist Teil des EU-geförderten LIFE-Projekts „IRIS“, das vom Landwirtschaftsministerium initiiert wurde. Im Rahmen des Projekts werden in mehreren Bundesländern Gewässer ökologisch aufgewertet.
Auch in Oberösterreich laufen derzeit mehrere LIFE-IRIS-Projekte. Neben der Traun wird etwa zwischen Ottensheim und Wilhering die Donau renaturiert. Dort wird ein bestehender Nebenarm um rund 400 Meter verlängert, wodurch der Donau mehr Raum gegeben wird und sie sich wieder ihrem ursprünglichen verzweigten Verlauf annähern kann.
Vorarbeiten für das Projekt starteten 2019
Grundlage für die Projekte ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, Flüsse und Bäche wieder in einen guten ökologischen und morphologischen Zustand zu bringen.
Die Untere Traun zählt deshalb im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan zu den prioritären Sanierungsgewässern Österreichs. Die Vorarbeiten für das Projekt an der Unteren Traun begannen bereits 2019.
Zunächst wurde untersucht, welche Maßnahmen dort möglich und sinnvoll sind. Auf Basis dieses Gesamtkonzepts wird nun ein Teilbereich zwischen der Eisenbahnbrücke und der Ebelsberger Traunbrücke umgesetzt.
Großes Renaturierungsprojekt startet im Herbst
Die Arbeiten verändern den Fluss in diesem Abschnitt grundlegend. Auf der linken Uferseite werden – mit Ausnahme der Brückenbereiche – sämtliche Ufersicherungen entfernt.
Außerdem wird die sogenannte Niederwasserregulierung zurückgebaut, ein durchgehender Steinwurf in der Flussmitte, der die Traun bislang in Hauptstrom und Nebengerinne teilt. Diese Konstruktion bringt ökologische Probleme mit sich.
„Bei höherem Wasserstand gelangen Fische in die Niederwasserregulierung. Sinkt der Pegel wieder, bleiben sie dort oft eingeschlossen“, erklärt Walter.
Ein weiteres Problem sei laut ihm die starke Einengung des Flusses. Weil die Traun kaum Platz habe, grabe sie sich immer tiefer in ihr Flussbett ein. Dadurch sinke langfristig auch der Grundwasserspiegel.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird die Flusssohle im Projektgebiet um rund zwei Meter angehoben. Dafür werden Sedimente verwendet, die während der Bauarbeiten gewonnen werden.
Antrag für größere Trauninsel wurde abgelehnt
Gleichzeitig erhält die Traun einen leicht geschwungenen Verlauf mit kleinen Inselbereichen, an denen sich die Strömung teilt. Der im Gemeinderat eingebrachte Antrag der Partei Ahoi, im Zuge der Renaturierung eine größere Trauninsel im Liner Süden zu schaffen, wurde mehrstimmig abgelehnt.
Die Ufer werden im Zuge der Renaturierung kiesig und weich gestaltet, sodass sich der Fluss künftig wieder stärker selbst entwickeln kann. Auf der rechten Seite bleibt die Ufersicherung aufgrund eines dort verlaufenden Kanals weitgehend erhalten, wird aber saniert und mit zusätzlichen Strukturen versehen.
Die Anhebung der Flusssohle stellt dabei keine Gefahr für den Hochwasserschutz dar. Weil der Traun künftig mehr als doppelt so viel Raum zur Verfügung steht, bleibt der Hochwasserschutz gewährleistet. „Ohne den Nachweis, dass sich der Hochwasserschutz nicht verschlechtert, könnten wir das Projekt gar nicht umsetzen. Tendenziell verbessert er sich sogar um ein paar Zentimeter“, sagt Walter.
Fluss soll sich künftig selbst entwickeln
Langfristig soll sich der Fluss möglichst selbst entwickeln können. Ziel sei ein ökologisch funktionierendes System, in das der Mensch möglichst wenig eingreifen müsse. „Vollständig wird das wegen der beiden Brücken zwar nicht möglich sein, dennoch erhält die Traun einen großen Teil ihrer natürlichen Dynamik zurück“, sagt Walter. Davon profitieren auch die Auwälder.
Derzeit sind sie vom Fluss weitgehend abgeschnitten und entwickeln sich zunehmend zu Hartholzbeständen und langfristig sogar zu Forstwäldern. Künftig sollen wieder regelmäßig Überflutungen in den Wald gelangen und eine dynamische Weichholzaue mit Weiden und Pappeln entstehen lassen.
Sämtliche Waldbereiche im Projektgebiet werden dauerhaft aus der Nutzung genommen, sodass sich der Wald natürlich entwickeln kann.
Neuer Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten
Damit entstehen auch neue Lebensräume für Arten, die auf Totholz angewiesen sind, etwa der Mittelspecht oder verschiedene Fledermausarten. Hoffnung gibt es außerdem für die Deutsche Tamariske, eine stark gefährdete Pflanzenart, sowie für wassergebundene Reptilien wie die Äskulapnatter oder die Blindschleiche.
„Wir können nicht versprechen, dass all diese Arten zurückkehren werden“, sagt Walter. „Aber wir schaffen die Voraussetzungen dafür.“
Projekt soll bis Frühling 2027 abgeschlossen sein
Der Zeitplan ist eng. Da sowohl Fisch- als auch Vogelschonzeiten eingehalten werden müssen, finden sämtliche Bauarbeiten im Winterhalbjahr statt. Auf der Baustelle werden neben einer ökologischen Bauaufsicht auch Spezialisten für die Kampfmittelbergung im Einsatz sein, da das Gebiet während des Zweiten Weltkriegs von Bedeutung war.
Zudem sind Abstimmungen mit der Linz AG notwendig, die dort einen Kanal betreibt. Für das Projekt investiert das Land mehrere Millionen Euro.








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