Bei Work_aut bereitet man Menschen mit Asperger-Syndrom auf den Eintritt in den ersten Arbeitsmarkt vor. Michael Billaudet ist dieser Schritt bereits gelungen. Bei der Linzer Firma digital concepts hat er sich zu einem wichtigen Mitglied des Teams entwickelt.

Die Diagnose Asperger-Syndrom, eine besondere Art des Autismus, bekam Michael Billaudet vor etwa drei Jahren gestellt. „Es war eine Bestätigung für mich, ich habe schon länger gewusst, dass irgendetwas anders ist“, so der junge IT-Experte. „Freunde etwa gehen sehr gerne fort, das ist überhaupt nicht meins“, erklärt Billaudet. Trotz abgeschlossener HTL-Ausbildung hatte er zunächst große Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Ich habe, glaube ich, nie den richtigen Eindruck hinterlassen.“ Jobsuche mit Hilfe Doch etwa ein halbes Jahr nach der Diagnose erhielt er einen Platz bei Work_aut, ein Programm des Autismuskompetenzzentrums der Barmherzigen Brüder Linz. Hier üben die Teilnehmer Alltagssituationen und trainieren etwa Gesichtsausdrücke anderer Menschen richtig zu interpretieren. Die Teilnehmer erhalten aber auch Hilfe beim Bewerbungsprozess. Mit dieser Unterstützung dauerte es gerade einmal ein Jahr bis Billaudet den Job bei digital concepts ergatterte. „Allein hätte ich das vermutlich nicht zusammengebracht“, so Billaudet. Nach nur zwei Gesprächen war klar, dass man dem jungen Mann bei digital concepts eine Chance geben würde. „Wir haben das auch intern besprochen, denn bei so einer kleinen Firma (Anm.: digital concepts hat immerhin zehn Mitarbeiter) müssen die Mitarbeiter auch zusammenpassen“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Winkler. Als Allererstes hätten alle auf Wikipedia nachgelesen, was das Aspergersyndrom überhaupt ist, erinnert sich Winkler. Leistung muss stimmen Zwar wird die Anstellung vom AMS auch finanziell unterstützt, das war aber nicht der Grund für die Einstellung von Michael Billaudet. „Es ist zwar so, dass das gefördert wird, aber es ist auch so, dass wir es uns einfach nicht leisten könnten hier jemanden herinnen sitzen zu haben, der seine Leistung nicht bringt“, stellt der Geschäftsführer klar. Während der Anfangsphase besuchte noch eine Betreuungsperson von Work_aut einmal pro Woche das Unternehmen um etwaige Fragen zu beantworten und um zu sehen wie es dem neuen Mitarbeiter im Job ergeht. Doch die Zusammenarbeit klappte ohnedies von Anfang an problemlos. „Wir merken im normalen Tagesablauf nicht, dass das für uns eine Einschränkung wäre, oder dass wir besonders Rücksicht nehmen, oder irgendwas anders machen müssten“, so Winkler. „Was mir wichtig ist, ist, dass ich klar vorgegeben habe, was ich machen soll“, erklärt Michael Billaudet, der zu einem selbstverständlichen Mitglied des Teams geworden ist. Er arbeitet im Bereich Fehleranalyse und Diagnose und ist aktuell sogar der einzige Mitarbeiter, der gut mit der Programmiersprache Ruby vertraut ist. Vertrauensperson Um Michael Billaudet zu unterstützen steht ihm mit Michael Kastner eine Vertrauensperson zur Seite. „Man hat mich gefragt und ich hab' einfach gesagt ich mach's“, erklärt Kastner wie er zu der Aufgabe gekommen ist. Es gehe dabei in erster Linie darum, dass Michael eine Ansprechperson zur Verfügung steht. Ursprünglich sei er auch nach außen hin der Erstkontakt für Kunden gewesen, aber selbst das sei nicht mehr notwendig, erklärt Kastner. Als er kürzlich krank gewesen sei, habe Michael auch die Kundengespräche übernommen, wobei es keinerlei Probleme gegeben habe. Dass sich Michael Billaudet sehr gut in seinem Job schlägt zeigt sich auch darin, dass sich Geschäftsführer Winkler durchaus vorstellen kann, weitere Mitarbeiter mit Asperger-Syndrom einzustellen. Obwohl es natürlich immer von der Person abhänge, Michael Billaudet habe eben gut ins Team gepasst. Wenn ihn heute Leute nach dem Mitarbeiter mit Asperger-Syndrom fragen würden, so würde er diesen erklären, dass er für einen Informatiker nicht weiter auffällig wäre, scherzt der Geschäftsführer.<


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