Minsk - wenn eine Stadt besucht werden will

Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 18.07.2019 14:30 Uhr

OBERÖSTERREICH/MINSK. Mit den Europäischen Spiele in Minsk, wo 3896 Athleten in 200 Medaillenentscheidungen und 23 Disziplinen um den Sieg kämpften, wollte sich die weißrussische Hauptstadt heuer von ihrer besten Seite zeigen. Neben den sportlichen Höhepunkten sah man in Minsk in den Spielen auch eine Chance um mehr Touristen für das Land zu begeistern.

Zugegeben: Weißrussland mit ihrer Hauptstadt Minsk steht bei vielen Reisenden in der Liste der Urlaubsdestinationen nicht an erster Stelle. Es ist das einzige Land Europas in dem es noch die Todesstrafe gibt. Zudem wird Belarus auch mit der autoritären Regentschaft von Präsident Aljaksandr Lukaschenka als letzte Diktatur Europas bezeichnet.

Weißer Fleck

Das Land macht dabei seinem Namen alle Ehre, ist es doch oft ein „weißer Fleck“ in der Touristenlandkarte. Dabei lohnt sich ein Besuch auf alle Fälle. Auch wenn es das Land in der Vergangenheit nicht einfach hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 80 Prozent Hauptstadt zerstört. Die Gebäude, so hat man den Eindruck, in den letzten Jahrzehnten viel Geschick noch größer, pompöser und stattlicher errichtet. Als Besucher in Minsk blickt man respektvoll zu den hohen Gebäuden empor, die mit ihren zahlreichen Stockwerken über dem Geschehen thronen. Städteführer, die mit ihren typischen Regenschirmen, Blumen oder Fähnchen die Touri-Massen durch die Stadt treiben, sind hier die Seltenheit. Gibt es sie doch, haben sie allerhand Wissenswertes über Belarus zu erzählen. Dass man in der Stadt kaum Touristengruppen antrifft ist ein Umstand, den man in Weißrussland ändern will. 

Sauberes Minsk

Die Hauptstadt wirkt groß und ist weitläufig. Gutes Schuhwerk und eine gewisse Passion zum Spazierengehen gehören in Minsk dazu, will man alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen. So liegen beispielsweise die Kirche des Heiligen Simon und dem Siegesplatz mit seinem 40-Meter hohen Obelisk, der an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnern soll, 2,5 Kilometer auseinander. Verbunden sind diese mit einer vielbefahrenen Hauptstraße, die sich quer durch die Stadt zieht. 

Auf diesen 2,5 Kilometern finden Touristen eine Menge an Sehenswürdigkeiten, sei es der städtische Circus, mit dem Clown am Vorplatz kaum zu übersehen, dem Haus der Gewerkschaft, dem Palast der Republik, dem Gebäude der Sicherheitsbehörde oder dem Sitz der weißrussischen Regierung, vor dieser eine riesige Leninstatue die Aufmerksamkeit auf sich zieht. 

Eines fällt in Minsk besonders auf: Die Stadt ist besonders sauber. Zigarettenstummel, Plastik oder Papierabfall sucht man auf den Straßen vergeblich. „Bevor wir unsere Stadt ständig putzen müssen, haben wir uns gleich entschieden einfach nicht wegzuschmeißen“, erzählt Anatol Kotau, CEO bei Organisationsteam der Europäischen Spiele. Er sieht in den Spielen ein große Chance für den Tourismus.

Kulinarik

Rinderzunge, Morse und Draniki - die weißrussische Küche ist einfach aber lecker. Eines der Nationalgerichte ist „Draniki“, übersetzt „Weißrussische Kartoffelpuffer“, gefüllt mit Fleisch und serviert mit einer Sauerrahmsauce. Als Vorspeise haben die Weißrussen gerne kalte Rinderzunge, Leberbällchen oder Meerrettich als Aufstrich.

Die Menschen

Die Weißrussen sind auf den ersten Blick eher ruhige Menschen, gesprochen wird nicht viel. Sind sie jedoch „aufgetaut“ und haben ihren Gegenüber schon ein paar Momente beobachtet und kennengelernt sind sie sehr gesprächig und erzählen gerne - von sich und von ihrem Land.

European Games - neun Oberösterreicher und eine Goldene

Neun Aushängeschilder haben das Sportland Oberösterreich bei den zweiten European Games von 21. bis 30. Juni in Minsk vertreten. Am letzten Wettkampftag bei den zweiten European Gamesklappte es doch noch mit einer Goldmedaille für Österreich. Karate-Lady Bettina Plank gewann die Kumite-Klasse bis 50 Kilogramm.

Spiele als Chance

In der Republik Belarus sieht man die Spiele als große Chance für das Land. Man rechnete mit 500.000 Touristen und mit 250.000 Besuchern bei den Spielen. Die European Games sollen auch das Leben in der Stadt noch mehr verbessern. Die meisten Besucher kamen aus Russland, der Ukraine, Polen und Nordirland - in diesen Ländern wurden die meisten Tickets verkauft. „Wir hoffen, dass viele Touristen kommen, mit dem Event können wir zeigen, dass es ein schönes Land ist und einfach zu erreichen“, erklärt Anatol Kotau im Vorfeld. „Belarus ist offen für Westeuropa, das soll das Event zeigen“, so Kotau. „Weißrussland ist Teil von Europa und doch weitgehend unbekannt. Die European Games schaffen eine Plattform um das Land bekannt zu machen. Um weitergehende Beziehungen in wirtschaftlicher, touristischer und kultureller Hinsicht aufzubauen, sind vielfältige Kontakte eine Grundvoraussetzung. Weißrussland kann jetzt zeigen, dass es verschieden und ein wichtiger Teil Europas ist. Mit nur knapp 1.45 Stunden Flugzeit liegt es darüber hinaus quasi in der Nachbarschaft“, erklärt Erhard Busek, österreichischer Vizekanzler aD und Vorsitzender des Instituts für Donauraum und Mitteleuropa. Auch er sieht in Weißrussland Potenzial sich zu einem Touristenziel zu entwickeln.

Visafrei nach Minsk

Um den Tourismus anzukurbeln ließ man 2018 die Visapflicht für 74 Staaten darunter auch Österreich auf. Wenn man über den Flughafen Minsk einreist braucht man kein Visum und kann sich 30 Tage im Land aufhalten.

Oberösterreich investiert in Belarus

Ein Megaprojekt ist aktuell in der Nähe des Flughafen in Minsk im Entstehen. Der „East Stone“-Industrial Park, ein chinesisch-weißrussisches Kooperationsprojekt, in gigantischem Ausmaß soll die wirtschaftfliche Schlagkraft des Landes in die Höhe katapultieren. Eine Niederlassung in diesem Park hat auch das Unternehmen Quehenberger. Das Logistik-Unternehmen aus Straßwalchen hat auch Niederlassungen in Linz und Enns und hat sich bewusst für den East-Stone Industrial Park entschieden.

Oberösterreichische Backwaren in Minsk

Auch das oberösterrichische Unternehmen backaldrin hat eine Niederlassung in der weißrussischen Hauptstadt und unterstützt die österreichischen Athletinnen und Athleten bei den European Games in Minsk als langjähriger Partner. Brot und Sport seien einfach eine ideale Kombination und Bestleistungen im Sport genauso wie in der Schule, im Beruf oder der Freizeit nur auf Basis einer ausgewogenen Ernährung möglich, heißt es von Seiten des Astener Unternehmens. „Die European Games sind eine internationale Bühne, bei der die Sportlerinnen und Sportler unser Land repräsentieren und diese Chance möchten wir als Unterstützer gleichfalls nützen, indem wir die heimische Brotkultur dort vertreten“, so Harald Deller, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe backaldrin.

Fazit

Das Fazit nach drei Tagen in Minsk: Weißrussland und ihre Hauptstadt sind sehenswert, versprühen einen eigenen Flair und haben sich einen Besuch mit Sicherheit verdient.

 

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