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LINZ. Erstmals in Linz wurde an der Orthopädischen Abteilung am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern ein Verlängerungsmarknagel implantiert. Dabei handelt es sich um eine möglichst schonende und schmerzfreie Beinverlängerung bei Jugendlichen und Erwachsenen, bei der ein spezieller „Nagel“ ins Knochenmark eingesetzt wird.

Die Oberärzte Albert Handlbauer und Walter Gußner freuen sich über die erfolgreich durchgeführte Beinverlängerung unter Verwendung eines intramedullären Marknagels. (Foto: Ordensklinikum)

Fehlstellungen oder Beinverkürzungen können durch Krankheiten oder Syndrome bedingt sein und schon von Geburt an oder kurz danach sichtbar werden. Sie können sich aber auch erst später im Rahmen der Entwicklung und des Wachstums zeigen oder nach Frakturen oder Knochenbrüchen entstehen.

Fehlstellungen beziehungsweise Beinverlängerungen können häufig im Jugendalter durch minimalinvasive wachstumslenkende Eingriffe korrigiert werden. Doch sind im Erwachsenenalter alle therapeutischen Maßnahmen, wie Heilgymnastik, Einlagen oder spezielle Schuhe ausgeschöpft, besteht die Option der chirurgischen Beinverlängerung.

Verlängerungsnagel via Magnetismus von außen angetrieben

Solch ein operatives Verfahren wurde jetzt erstmals in Linz am Ordensklinikum Linz bei einem jungen Erwachsenen angewendet. Eine Beinverlängerung unter Verwendung eines intramedullären Marknagels (Percice). „Hierbei handelt es sich um eine innovative Methode, mit der Knochenverlängerungen möglichst schonend und schmerzfrei durchgeführt werden“, sagt Oberarzt Albert Handlbauer, der gemeinsam mit Oberarzt Walter Gußner Experte für den Schwerpunkt Kinder- und Neuroorthopädie am Ordensklinikum Linz ist.

Bei dieser Technik wird der Marknagel über eine kleine Hautinzision in eine für die Muskulatur und das Gewebe schonende Technik in den Markraum des Knochens eingesetzt. Ähnlich einer unfallchirurgischen Marknagelung. Mittels einer von außen auf die Haut aufgesetzten Fernsteuerung wird über Magnetismus der Verlängerungsnagel angetrieben. Der Verlängerungsprozess erfolgt mit 1 mm pro Tag sehr langsam und ist nahezu schmerzlos.

Erstmals in Österreich wurde diese Methode der Marknagelverlängerung 2004 am Orthopädischen Spital Speising durchgeführt.

Orthopädisches Expertenzentrum am Ordensklinikum Linz

Die Orthopädische Abteilung am Ordensklinikum Linz ist als Endoprothetikzentrum zertifiziert und in unterschiedlichen Bereichen spezialisiert. „Unsere langjährige Erfahrung und hohe Fallzahlen, etwa 2.900 Operationen pro Jahr, machen uns zu einem der orthopädischen Expertenzentren in Österreich“, sagt Abteilungsvorstand Primar Josef Hochreiter. Neben künstlichem Gelenkersatz, Sportorthopädie, Schulter- und Fußchirurgie sowie konservativer Orthopädie zählt die Kinder- und Neuroorthopädie zu den Schwerpunkten der Abteilung.

Schwerpunkt Kinder- und Neuroorthopädie

In der Abteilung für Orthopädie des Ordensklinikums Linz werden jedes Jahr etwa 1.500 ambulante Untersuchungen und etwa 80 Operationen für Kinder durchgeführt. „Die Kinderorthopädie beschäftigt sich mit dem Erkennen und Behandeln von angeborenen oder erworbenen Erkrankungen, Verletzungen sowie Fehlstellungen des Bewegungsapparates bei Kindern und Jugendlichen“, sagt Oberarzt Albert Handlbauer.

Der Körper eines Babys, Kindes oder Jugendlichen unterscheidet sich von dem eines Erwachsenen. Die Knochen bestehen noch zu einem guten Teil aus Knorpel, der erst im Laufe des Wachstums verknöchern muss. Auch die Gelenke sind noch ausgesprochen beweglich und elastisch. Erst mit zunehmendem Alter werden die dehnbaren Bänder straffer und die Gelenke stabiler. Diese Lenkbarkeit von Knochen und Gelenken während des Wachstums kann man oft für die Therapie nützen. So kann zum Beispiel eine mittels Ultraschall nachgewiesene „unreife Hüfte“ (Hüftdysplasie) des Säuglings alleine durch eine Abspreizbehandlung (Lenkung des Wachstums in die gewünschte Richtung) zur völligen Ausreifung gebracht werden. Auch viele Fehlhaltungen des Fußes (Hakenfuß, Sichelfuß) können durch frühzeitiges Behandeln (Massieren, Gipsen) auskuriert werden.

Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühe Diagnosestellung und Therapieeinleitung. Konservativ nicht ausreichend zu therapierende Deformitäten (wie etwa Hüftdysplasie, Klumpfüße oder Morbus Perthes) werden frühzeitig operiert, um Folgeschäden zu minimieren oder zu verhindern.


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