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OÖ. Diabetes gilt als die Volkskrankheit Nummer 1. Es gibt eine große Dunkelziffer, weil er oft auch erst spät diagnostiziert wird, wenn Patienten wegen Folgeerkrankungen einen Arzt aufsuchen. Tips hat mit der Molekularbiologin und Landesleiterin der Österreichischen Diabetikervereinigung, Angelika Heißl, über die Erscheinungen, Ursachen und Vorurteile gegenüber Diabetikern gesprochen.

Diabetes ist auch eine Typ-Frage: Die Medizin unterscheidet in 1, 2, 3 und 4.Foto: shutterstock.com/Proxima Studio

Tips:Wie hat Diabetes Ihr Leben verändert und wie gehen Sie damit um?

Heißl: Da in meinem Leben der Diabetes (Typ-1) bereits mit eineinhalb Jahren manifest wurde, hat er mich eigentlich schon immer begleitet und geprägt. Weil die Therapie früher noch sehr schwierig war (fixe Essens- und Spritzzeiten, sogar die Menge an Nahrung war vorgeschrieben), war das Leben bis zum zehnten Lebensjahr schon sehr schwierig und eingeschränkt. Lange Zeit habe ich selber noch Schweineinsulin gespritzt. Mit den neuen Therapien erleichterte sich das Leben bedeutend. Auch meine Berufswahl und mein Forschungsfeld ist geprägt durch meine Erkrankung.

Tips:Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, Verbände, Selbsthilfegruppen. Wie kann ich mich da orientieren?

Heißl: Im Grunde gibt es vier größere Anlaufstellen: die Österreichische Diabetikervereinigung (ÖDV), Aktive Diabetiker Austria (ADA), Diabär und Diabetes Austria. Die vier haben sich 2019 zu einer großen Organisation „wir sind diabetes“ zusammengeschlossen, um noch mehr in der Politik sowie in der Öffentlichkeit zu erreichen. Die eigentliche Selbsthilfearbeit passiert aber weiterhin in den einzelnen Verbänden.

Tips:Zu süß gelebt, zu wenig auf die Gesundheit geachtet? Wie kann man solchen Vorurteilen entgegenwirken?

Heißl: Durch Aufklärungsarbeit. Diabetes ist immer noch stigmatisierend und es ist sehr schwer, aus den Köpfen der Allgemeinheit zu verdrängen, dass viele an ihrem Schicksal nicht selbst schuld sind oder ein Gewichtsverlust nicht hilft. Ganz im Gegenteil, bei T1D handelt es sich unbehandelt innerhalb weniger Stunden sofort um eine lebensbedrohliche Erkrankung. Diabetes kann wirklich jeden treffen. Das ist den meisten Menschen einfach nicht klar. Durch die Entnahme der Bauchspeicheldrüse nach einem Unfall oder durch Krebs wird man automatisch Diabetespatient.

Tips:Wo stehen wir eigentlich, wenn es um diese Krankheit geht? Kann man einer weiteren Verbreitung entgegenwirken? Und wo steht die Forschung?

Heißl: Hier kommt es wieder darauf an, über welchen Typ wir sprechen. Typ-2 Diabetes ist eine Lebensstilerkrankung. Die Zahlen sprechen hier für sich, dass uns in den nächsten Jahren ein Diabetes-Tsunami überrollen wird. Ungesunde Ernährung, bewegungsarmer Lebensstil, Stress, Existenzängste fördern den Typ-2 Diabetes und seine schwerwiegenden Folgeschäden. Typ-1 Diabetes ist eine Fehlregulation des Immunsystems. Den genauen Zusammenhang zwischen Risikogenen und Umwelt kennt man noch nicht, weshalb an ein „Aufhalten oder Verhindern“ des Diabetes noch nicht wirklich zu denken ist. Ein wichtiger Forschungszweig ist hier der Technische: Closed-Loop Systeme (imitieren die Bauchspeicheldrüse) mit Insulinpumpen und Glukosesensoren und neue Insuline erleichtern das Leben enorm! Noch vor wenigen Jahren wäre daran nicht zu denken gewesen. Durch diese Errungenschaften wird der Diabetes aber auch mehr sichtbar. Denken Sie nur daran, wie oft z.B. jemand mit einem kleinen weißen „Button“ auf dem Oberarm auffällt? Das sind Glukosesensoren.

Tips:Ab und zu brauchen wir „La Dolce Vita“. Wie versüßen Sie sich Ihr Leben?

Heißl: Gerne mal mit einem Stück Kuchen oder einer Kugel Eis, aber immer mit genügend Insulin on Board (lacht). Die Looper kennen sich aus, was ich meine.


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