Rückgang des Wohlbefindens – doch den Oberösterreichern geht es besser als erwartet
OÖ. 2020 war geprägt von Herausforderungen und Einschränkungen – das Leben, wie wir es kannten, ist aus den Fugen geraten. Doch die Oberösterreicher lassen sich von Corona nicht unterkriegen. Wie der Billa Österreich Report, eine repräsentative Umfrage unter 3.000 Frauen und Männern zwischen 18 und 65 Jahren (über 500 davon aus Oberösterreich) zeigt, geht es den Menschen in Oberösterreich trotz der Umstände besser als erwartet, wenn auch das Wohlbefinden insgesamt leicht zurückgegangen ist.

Den Menschen in Oberösterreich geht es besser als erwartet, wie ein Blick auf den Wohlfühl-Index zeigt: So kommt das Bundesland im Jahr 2020 auf 60 von 100 Wohlfühl-Punkten im Vergleich zu 65,4 Punkten in 2019 und liegt damit knapp unter dem Österreich-Schnitt (Österreich: 60,7 in 2020, 64,4 in 2019). Der Rückgang ist damit zu erklären, dass sich die Oberösterreicher in vielen Bereichen ihres Lebens weniger wohlfühlen als im Vorjahr. Das größte Minus verzeichnen die Freizeit (-14 Punkte), Alltagstätigkeiten (-10 Punkte) sowie der Freundeskreis (-8 Punkte). Zuwächse gibt es in keinem Bereich – das kleinste Minus jedoch in Sachen Liebe und Ernährung (jeweils -2 Punkte).
„Angesichts der Pandemie und der Einschränkungen unseres Alltags sind diese Ergebnisse keine große Überraschung. Man sieht hier eindeutig, wo es die größten Einschnitte gibt, nämlich in der Freizeit und im Freundeskreis. Freizeitaktivitäten aber auch körperliche Fitness und Gesundheit liegen am untersten Ende der Skala. Geborgenheit und Zufriedenheit wiederum finden die Menschen aus Oberösterreich vor allem in der Familie – mit 67 Wohlfühl-Punkten jener Lebensbereich, in dem es ihnen am besten geht“, so Stefan Schiel, Managing Director bei marketmind.
Und obwohl das Wohlbefinden im Jahresvergleich insgesamt leicht gesunken ist, nehmen die Oberösterreicher ihre persönliche Stimmung um einiges positiver wahr als die der anderen. Während man sich selbst als eher optimistisch, lebensfroh und leidenschaftlich sieht, werden die Mitmenschen vornehmlich als voller Sorgen, unsicher, unzufrieden, angespannt empfunden.
„Die Gefühlslage hat sich trotz Corona nicht radikal zum Schlechteren verändert – die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sind resilienter als man annehmen möchte“, sagt Glückstrainerin und Mentalcoach Katharina Mühl, und ergänzt: „Frau und Herrn Österreicher wird oft nachgesagt, dass sie gerne jammern und sudern, aber die Studienergebnisse zeigen, dass wir unsere eigene Lage eigentlich ganz gut einschätzen und relativieren können. Vergleichen wir uns mit anderen oder mit der gefühlten Stimmung im Land, werden wir zu optimistischen Realisten.“
Oberösterreich rutscht im Bundesländer-Ranking von Platz 5 auf Platz 7
Oberösterreich zeigt im Bundesländer-Ranking nach Vorjahressieger Tirol den stärksten Rückgang im Vergleich zu 2019, verliert zwei Ränge und landet heuer auf Platz 7. Den obersten Podestplatz teilen sich Vorarlberg und die Steiermark. Das Schlusslicht bildet das Burgenland.
Auch beim Landeshauptstädte-Ranking verliert Oberösterreich, denn Linz wandert auf Platz 8 (-2 Ränge). Dahinter rangiert nur noch Eisenstadt. Der oberste Stockerlplatz geht an Bregenz.
Ranking der Bezirke: Freistadt ist Oberösterreichs Wohlfühloase
Die oberösterreichischen Bezirke reihen sich in einem engen Feld. Knapper Sieger ist Freistadt, dahinter folgen Perg und Vöcklabruck. Steyr-Land kann im Vergleich zum Vorjahr aufholen (+4 Plätze) und belegt nun den fünften Platz. Schlusslicht ist wie im Vorjahr Linz-Stadt. Im Vergleich zu den anderen österreichischen Bezirken verlieren nahezu alle oberösterreichischen Bezirke Plätze im Ranking – so ist beispielsweise Steyr-Stadt 50 Plätze und Grieskirchen 48 Plätze nach hinten gewandert.
Mehr Sorgen um Wirtschaft und Gesundheit anderer, als um sich selbst
In unsicheren Zeiten wie diesen beunruhigt die Oberösterreicher die wirtschaftliche Lage im Land am meisten (2020: 56 % vs. 2019: 20 %). Dahinter folgt die Sorge um Konflikte in der Welt (2020: 47 % vs. 2019: 49 %) sowie um die politische Situation in Österreich (2020: 45 % vs. 2019: 41 %).
Erstaunlich ist, dass die Menschen um ihre Gesundheit vergleichsweise wenig bangen (30 %) und diese Stimmung im Jahresvergleich sogar etwas zurückgegangen ist (2019: 34 %). Doch sind die Oberösterreicher voller Empathie und Mitgefühl – das zeigt sich an der Tatsache, dass die Sorge um die Gesundheit anderer in den Fokus gerückt ist (2020: 39 % vs. 2019: 29 %) und vor der Sorge um die eigene Gesundheit liegt.
Familie und Freunde machen die Oberösterreicher glücklich
Danach gefragt, welche Dinge und Momente ihnen im Leben die meiste Freude bereiten, stehen für die Oberösterreich Familie (29 %) und Freunde (18 %) an erster Stelle, gefolgt von Bewegung (16 %) und der Natur (14 %). In keinem anderen Bundesland hat das Wetter so einen starken Einfluss auf die Laune wie in Oberösterreich – denn das bereitet mit 5 % die wenigste Freude.
Verpasstes nachholen, Ruhe finden und Reisen
Die aktuellen Einschränkungen beflügeln den Wunsch, künftig Verpasstes nachholen zu wollen. Den Lebensbereichen mit dem geringsten Wohlbefinden – also Freizeit sowie körperliche Fitness und Gesundheit – soll, sobald es wieder möglich ist, mehr Zeit gewidmet werden. 66 % der befragten Oberösterreicher möchten mehr in Fitness und Gesundheit investieren, 62 % ihre freien Momente wieder mehr auskosten.
Nicht wesentlich gerüttelt hat Corona an den Lebensträumen der Oberösterreicher: Gefragt nach Wünschen und Zielen sagen rund 57 % (2019: 55 %), dass sie das Leben bewusster genießen möchten, 45 % (2019: 39 %) wollen innere Ruhe finden und 44 % (2019: 44 %) ferne Länder bereisen.
Darüber hinaus sehnen sich die Menschen im Bundesland nach mehr Zeit für sich selbst (43 %), einer Gewichtsabnahme (41 %) und einer nachhaltigeren und bewussteren Lebensweise (35 %).
Essen und Genuss heben die Stimmung
51 % der Oberösterreicher achten auf ausgewogene Mahlzeiten und 68 % gönnen sich gerne ein Glas Wein, Schokolade oder Chips. 70 % halten gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie für wichtig und für 58 % ist es selbstverständlich, regionale Produkte zu kaufen. Auch Selbstgekochtes spielt eine wichtige Rolle: 61 % kochen sehr gerne mit regionalen Produkten und bereiten Spezialitäten aus der Heimat zu, 49 % tun das beinahe jeden Tag.
Grundsätzlich hat im vergangenen Jahr jeder zweite Oberösterreicher Österreich mehr zu schätzen gelernt (54 %). Auf dem Weg hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil möchte mehr als die Hälfte der oberösterreichischen Befragten in Zukunft (mehr) regionale Produkte kaufen (57 %), Müll vermeiden (56 %) und möglichst alle Lebensmittelreste verwerten (53 %). Auch der Einkauf von mehr saisonalen Produkten (49 %) steht auf der Agenda.


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