Lebensende in vertrauter Umgebung: Hospiz im Mobilen Dienst wird ausgebaut

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(Foto: BlurryMe/Shutterstock.com)
Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 18.04.2021 11:01 Uhr

OÖ. Ein Großteil der Menschen möchte zu Hause sterben. Mit dem neuen Projekt „HiM“ stärkt das Land OÖ Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst. Hauptanliegen ist es, die bestmögliche Lebensqualität bis zuletzt zu gewährleisten. In einem Pilotprojekt werden nun die Beschäftigten der Mobilen Dienste im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen geschult.

„Wenn man einen Menschen fragt, wo er sterben möchte, wird die Antwort in den allermeisten Fällen 'zu Hause' sein, in vertrauter Umgebung und in der Geborgenheit der Familie“, so Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer. In Realität sieht das aber anders aus. Nur knapp 26 Prozent der Oberösterreicher sterben tatsächlich zu Hause. Fast die Hälfte verbringt das Lebensende im Krankenhaus, knapp über 20 Prozent im Pflegeheim.

Um möglichst vielen Menschen ihren Wunsch erfüllen zu können, in vertrauter Umgebung ihr Lebensende zu verbringen und oberösterreichweit eine einheitliche Haltung und Werte für die Mobilen Dienste – ohnehin eine tragende Säule der Altenbetreuung und Pflege - zu entwickeln, gibt es nun das Projekt „Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst“ (HiM OÖ).

„Wir dürfen gemeinsam ein Projekt präsentieren, dass uns eine Herzensangelegenheit ist“, freut sich LH-Stellvertreterin Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander. Man denke bei Palliativ-Care zuerst natürlich auch ans Krankenhaus, „aber Gott sei Dank haben wir in Oberösterreich auch ein System außerhalb der Krankenhäuser, wo ein überwiegender Teil der Begleitung geleistet wird. Wir sind froh und dankbar, dass wir uns im Gesundheitssektor beteiligen und das Projekt unterstützten können.“

80 Prozent der Mitarbeiter im Projekt

Sieben Anbieter-Organisationen Mobiler Dienste in OÖ sind bei diesem Projekt mit dabei: das Rote Kreuz, die Volkshilfe, die Caritas, das Diakoniewerk, die Miteinander GmbH, der Arbeiter Samariter Bund und das ARCUs Sozialnetzwerk. „1.800 Mitarbeiter und damit rund 80 Prozent aller Beschäftigten in den Mobilen Pflegediensten in Oberösterreich befinden sich in diese im Projekt“, erläutert Gerstorfer.

Sprecher der umsetzenden Organisationen ist Gerald Rechberger, Geschäftsführer der Miteinander GmbH. „Es geht um einen der zentralsten Bereiche unseres Lebens – um das Sterben. Mit dem Projekt wollen wir ermöglichen, dass Sterbende und Angehörige die letzte Lebensphase so gestalten können, wie sie gerne möchten. Dabei ist es uns wichtig, dass nicht Leid und Schmerz das letzte Wort haben, sondern die Menschen Geborgenheit und Fürsorge erleben“, dankt er für die erfolgreiche Zusammenarbeit in der Projektgruppe und für die engagierte Zusammenarbeit der Mobilen Dienste mit dem Landesverband Hospiz OÖ. Inhaltlich begleitet wird das Projekt vom Landesverband Hospiz OÖ, durch Christina Grebe und Birgit Hofmann-Bichler.

Umfangreiche Schulungen 

Um die Kompetenzen der Beschäftigten der Mobilen Dienste zu stärken und sie bestmöglich auf die Begleitung von Sterbenden vorzubereiten, bekommen sie umfangreiche Weiterbildungen und Schulungen. „Die Mitarbeiter in der Mobilen Pflege und Betreuung sind viele Stunden am Tag unterwegs um Menschen bestmöglich zu begleiten – gerade in der jetzigen Pandemie ist dies umso schwieriger“, so auch Christine Bretbacher, Pflegedienstleitung OÖ. Rotes Kreuz. In den einzelnen Organisationen werden auch Palliativ-Beauftragte ausgebildet.

Durch das Projekt werden sich die Mitarbeiter sicherer und kompetenter im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen und Vertrauenspersonen fühlen, sie können flexibel auf die Bedürfnisse der zu betreuenden Personen und auch auf die Angehörigen eingehen.

Ziel ist es auch, gemeinsam mit Allgemeinmedizinern den VSD Vorsorgedialog® Mobil als Instrument zu verankern, bei dem die Wünsche und Vorstellungen der Patienten festgelegt werden - die Selbstbestimmung des Patienten wird gestärkt.  

Land OÖ trägt Kosten

Die Kosten des Projektes belaufen sich in den Jahren 2020 bis 2023 auf insgesamt rund 1,05 Millionen Euro. Die Ausbildungskosten werden von der Abteilung Soziales und von der Abteilung Gesundheit je zur Hälfte getragen. Die Abteilung Soziales übernimmt die laufenden Kosten für die Palliativbeauftragten in den sieben teilnehmenden Organisationen in Höhe von rund 660.000 Euro.

Der Fonds Gesundes Österreich und Hospiz Österreich finanzieren die österreichweiten Netzwerktreffen, die Trainer, Schulungen, Beratungsleistungen von Hospiz Österreich und Ralph Grossmann als Organisationsberater. Die Evaluierung übernimmt das Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ärztekammer begrüßt „Gegenmodell zur Liberalisierung der Sterbehilfe“

Zustimmung zu diesem neuen Projekt kommt von Peter Niedermoser, Präsident der OÖ. Ärztekammer. „Dieses Pilotprojekt ist beispielhaft, das ist der Gegenentwurf zur Liberalisierung der Sterbehilfe und damit eindeutig der richtige Weg“, so Niedermoser.

 

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