Gewaltschutzzentrum OÖ bietet Unterstützung beim Ausstieg aus der Gewaltspirale
LINZ/OÖ. Rund 2.800 Personen haben sich im Vorjahr im Gewaltschutzzentrum OÖ beraten lassen. Diese Zahl bestätigt: Die größte Gefahr für Frauen lauert noch immer zu Hause. Das wird durch den bereits neunten Frauenmord in diesem Jahr leider sehr deutlich.

„Das Gewaltschutzzentrum ist eine unserer wichtigsten Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt in Oberösterreich. Die jüngste Mordserie an Frauen zeigt auf, dass es neben einer Bewusstseinsbildung in unserer Gesellschaft auch dringend eine Aufstockung der finanziellen Mittel für Gewaltschutzeinrichtungen braucht. Ich werde daher so lange nicht locker lassen, bis die versprochenen Verbesserungen im Gewaltschutz endlich erledigt werden“, fordert Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.
Warnsignale erkennen
Familiäre Gewalt ist ein schleichender Prozess. Viele Opfer werden vom Partner beschimpft und diffamiert. Auch das Öffnen von Briefen, die Kontrolle von Chatverläufen oder abwertende Aussagen vor den Kindern oder Freunden sind Alarmzeichen. Sie markieren den Beginn einer Gewaltspirale. Unternimmt man dagegen nichts, beginnt sich diese immer heftiger zu drehen und endet mit gewalttätigen Übergriffen – im schlimmsten Fall sogar mit Mord.
„Um Frauenmorde zu verhindern, braucht es nicht nur den gesetzlichen Rahmen, sondern ein gesellschaftliches Umdenken. Patriarchale Strukturen und Macht- und Besitzdenken der Männer sind eine der Hauptursachen von Männergewalt an Frauen“, sagt Eva Schuh, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums OÖ. Für eine Verbesserung der Lage der Frauen benötigt es ebenso Präventionsarbeit, wissenschaftlich fundierte Risikoeinschätzungen und das Zusammenführen aller Fakten.
Kostenlos und vertraulich
Spricht die Polizei ein Betretungs- und Annäherungsverbot gegen den Täter aus, darf dieser dann zwei Wochen lang die Wohnung nicht mehr betreten und sich dem Opfer und der Wohnung in einem Umkreis von 100 Metern nicht nähern. Das Gewaltschutzzentrum wird informiert und die Mitarbeiterinnen nehmen Kontakt mit den Opfern auf.
Auch jede andere von Gewalt betroffene Person kann sich an das Gewaltschutzzentrum wenden. Das Angebot ist kostenlos. Sehr wichtig ist der Grundsatz der Verschwiegenheit – so fällt es den Opfern leichter, sich anzuvertrauen und Hilfe anzunehmen. Im Gespräch werden die aktuelle Gefährdungssituation abgeklärt und Sicherheitsmaßnahmen besprochen. Die Beraterinnen helfen bei der Umsetzung rechtlicher Schritte und unterstützen etwa bei der Antragstellung auf einstweilige Verfügungen.
Auch die psychischen und emotionalen Belastungen versuchen die Mitarbeiterinnen aufzufangen und informieren über psychosoziale Beratungs- und Therapieangebote.
Gewaltschutzzentrum OÖ
Stockhofstraße 40, Linz
Mo-Fr 9-13 Uhr, Di u. Do 9-20 Uhr
Termin nach Vereinbarung: 0732/607760, ooe@gewaltschutzzentrum.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden