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Erste Hilfe rettet Leben: „Zweiter“ Geburtstag nach tragischem Absturz mit dem Segelflieger in Linz

Jürgen Affenzeller, 01.07.2021 10:40

LINZ. Werner Asanger hat bald die Gelegenheit, seinen „zweiten“ Geburtstag zu begehen. Ein großes Glück, denn im Juli 2020 stürzt der Rotkreuz-Mitarbeiter mit einem Segelflieger in Linz in die Donau und verunglückt dabei schwer. Tapferen Ersthelfern hat er sein Leben zu verdanken.

  1 / 5   Werner Asanger mit den Flugkollegen und Ersthelfern Philipp Mosonyi, Matthias Krennmeir, Harald Kopececk (Foto: OÖRK/Lisa Kasper)

Tapfere Ersthelfer überlegen nicht lange und kommen Werner, selbst Rettungssanitäter, zu Hilfe. Dank der Initiative der Ersthelfer und der damit in Gang gesetzten bestens funktionierenden Rettungskette kann der Mann gerettet werden. Heute ist Werner nach einer langen Genesungsphase weitestgehend gesund und kann sich wieder seines Lebens erfreuen. Ein Wunder, wenn man die Heftigkeit dieses Unfalls bedenkt. Unendlich dankbar ist er seinen Ersthelfern und Rettern. Die Bedeutung der Ersten Hilfe ist hoch zu schätzen und bedarf einer entsprechenden Anerkennung. Erste Hilfe zu leisten zahlt sich aus, die Entscheidung dafür kann Menschenleben retten.

Absturz-Bilder noch im Kopf

Matthias, ein Vereinskollege von Werner vom Flugplatz Linz, hat heute noch die Bilder des Absturzes im Kopf. Er beobachtet alles von Beginn an und ist zunächst, nachvollziehbarerweise, geschockt. Als er und sein Flugkollege David den Absturz mitansehen, ist ihnen klar, dass es nur eine Alternative gibt. Sie begeben sich so schnell wie möglich zur Unfallstelle, um sich ein genaueres Bild zu machen. Dort befinden sich bereits einige Leute vom Flugplatz und Jachthafen Linz in der Donau, um Werner aus dem Wrack zu bergen. Matthias weiß, er muss helfen.

Nach anfänglicher Überwindung funktioniert Erste Hilfe wie von selbst

Natürlich ist es zuerst eine große Überwindung für Matthias. Doch ist diese innere Hürde einmal überschritten, funktioniert es wie von selbst. „Ab dem Zeitpunkt, in dem ich im Wasser war, und mit den anderen Kollegen versucht habe, das Wrack zu drehen, da es mit dem Cockpit am Grund in der Donau landete, fiel mein Gehirn in eine Art Trance, in der der Körper einfach funktioniert. Woher das Seil kam, das uns diese Aktion um ein Vielfaches erleichterte, weiß ich bis heute nicht. Ich denke, es wurde uns von einem Boot aus zugeworfen. Ich habe das Seil dann so schnell es geht um das Leitwerk gewickelt. Als wir endlich den Rumpf drehen konnten, hat David als erster die Situation erkannt und Werner vom Gurt befreit.“, schildert der Segelflieger die dramatische Rettungsaktion.

Anschließend tragen sie Werner gemeinsam ans Ufer und starten die Reanimationsversuche. Bald treffen auch die Einsatzkräfte ein und übernehmen. Die Zusammenarbeit zwischen den professionellen Retterinnen und Rettern (Rettungsdienst, Notarzt, Berufsfeuerwehr) und den reanimierenden Ersthelfern funktioniert einwandfrei, auch die Aufräum- und Aufklärungsarbeiten der Einsatzkräfte laufen gut ab. Werner selbst beschreibt den Ablauf seiner Rettung als erstklassig, wie aus dem Lehrbuch. Dem Teamwork all dieser Menschen verdankt er nicht weniger als sein Leben.

Erste Hilfe als Gewinn für weitere Rettungskette

Rettungssanitäter Werner weiß um die Bedeutung der Ersten Hilfe und hat damit in Ausübung seiner Tätigkeit ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Die Einsatzkräfte erhalten von den Hilfeleistenden viele Zusatzinformationen, einen besseren Überblick über den Verlauf und den Zustand der Verunfallten. Dank tatkräftiger Erster Hilfe ist er heute wieder „herüben“ (nicht mehr dort „drüben“) und die gebliebenen Unfallfolgen relativieren sich durch seine Freude am Sein. „Ich habe zu einem relativ frühen Zeitpunkt erfahren, wer die Ersthilfe übernommen hat, das war noch während meines Krankenhausaufenthaltes. Schon damals, als ich das gesamte Ausmaß meiner Verletzungen und die Dramatik der Geschehnisse selbst noch gar nicht überblicken konnte, war mir klar, dass die Situation nach dem Absturz für die Ersthelfer unglaublich herausfordernd war. Ein zertrümmertes Flugzeug unter Wasser mit einem schwerstverletzten Ertrinkenden – unglaublich.“, würdigt der Mann die bemerkenswerten Leistungen seiner Helden.

Der erste Handgriff zählt

Lange Zeit hat Werner als Lehrbeauftragter Erste Hilfe vermittelt. Er weiß, alle sanitätstechnischen und ärztlichen Handlungen können mitunter vergebens sein, wenn der Versorgung der Rettungskräfte nicht Erste Hilfe vorausgeht. Auch Matthias möchte nach dem Erlebten andere Menschen dazu ermutigen, nicht wegzusehen und sich trauen, Erste Hilfe zu leisten. Für den Retter ist es der erste Handgriff der zählt, ab dann laufe alles irgendwie automatisch ab. Geschenkt bekommen Matthias und alle anderen neben der Erleichterung, jemandem das Leben gerettet zu haben, die ihnen gebührende Anerkennung und unendliche Dankbarkeit.

„Sehr früh schon hatte ich natürlich das Bedürfnis, mich bei meinen Retterinnen und Rettern zu bedanken, was ich in Telefonaten, mehr war coronabedingt nicht möglich, auch getan habe. Eine Feier zum ersten Jahrestag des Unfalles wird mir die Möglichkeit geben, alle meine Heldinnen und Helden kennenzulernen und auch ausführlich mit ihnen über das Erlebte, über das Überlebte, zu sprechen.“, schätzt Werner die Menschen hoch, die für ihn gekämpft haben. 

„Man muss sich nur beginnen trauen“

Der Versuch, ein Leben zu retten, zahlt sich immer aus. Aktiv zu werden und Hilfe zu leisten ist ein Akt großer Menschlichkeit. Man muss sich nur beginnen trauen. Diese Dankbarkeit ist die schönste Belohnung. Die Ersten Hilfe-Kurse des Roten Kreuzes Linz vermitteln in Notsituationen abrufbares Wissen und geben den Helfenden somit eine gewisse Sicherheit in ihrem Handeln. Die Kenntnis von Erste-Hilfe-Maßnahmen bringt allen etwas.

Kurse können unter https://www.roteskreuz.at/aktuelle-kurse gebucht werden.

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