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LINZ. Wenn der Zweijährige sich schreiend im Supermarkt auf den Boden wirft, tut sich bei jeder Mutter der Wunsch nach einem Loch im Erdboden auf. Gerade weil sich solche Trotzanfälle kaum vermeiden lassen, rät Sozialarbeiterin Petra Kirchschläger, das Positive darin zu sehen, auch wenn's in dem Moment vielleicht schwer fällt: „Kinder trotzen nur bei jenen Menschen, die sie am liebsten haben.“

Ein Trotzanfall in der Öffentlichkeit ist für Kind und Eltern eine Herausforderung. (Foto: Pressmaster/Shutterstock.com)

Mit 1,5, zwei Jahren bekommen Kinder eine Idee davon, was sie wollen. Sie können gehen, sich sprachlich ausdrücken, sie entwickeln Allmachtsgefühle – und dann kommt ein Erwachsener und sagt „nein“. Weil der Unmut raus muss und sich ein Zweijähriger schwer tut, verbal zu verstehen zu geben, dass er jetzt wütend ist, geschieht das Ganze körperlich. „Ein Trotzanfall hat nichts mit schlechter Erziehung zu tun. Es ist ein Lernprozess der Kinder, ihre Gefühle zu regulieren“, erklärt Kirchschläger. Nur leider kann man sich den Moment nicht immer aussuchen.

Ruhig bleiben und durchatmen

Ein kleiner, bunt verpackter Schokoriegel im Supermarktregal kann so einen Orkan auslösen. Das Kind schnappt sich den Riegel, die Mama sagt nein - und dann geht alles ganz schnell: Das Kind beginnt zu schreien, stampft herum oder schmeißt sich auf den Boden. „Kinder machen das nicht, um die Eltern zu blamieren. Ab einem gewissen Grad an Ärger kippen sie da rein, die Wut reißt sie mit und sie können sich nicht mehr kontrollieren. Ihnen brennen wortwörtlich die Sicherungen durch. Kinder sind dann auch nicht mehr empfänglich für nette Worte“, weiß die zweifache Mutter.

Das Wichtigste und zugleich Schwierigste: ruhig bleiben, auch wenn der eigene Stresspegel rasant in die Höhe schnellt, denn ja, es ist peinlich. „Wichtig ist, durchzuatmen, zurückzutreten, dem Kind Raum zu geben, aber auch sich selbst gedanklich zu distanzieren. Dabei hilft, das Geschehene noch mal durchzugehen. Okay, mein Kind wollte den Schokoriegel und weil es ihn nicht bekommen hat, ist es wütend, das ist ein ganz normales Verhalten und geht vorbei“, beschreibt die Leiterin der IGLU Eltern-/Mutterberatung. Je weniger man in das Drama einsteigt, desto schneller geht der Anfall vorüber.

Tipps Vorbeikommender gilt es, gekonnt zu ignorieren. „Die Konzentration gilt mir, meinem Kind und dem geduldigen Warten auf eine Ausstiegsmöglichkeit aus dem Szenario. Gerade Kleinere werden mit der Zeit weinerlich und sind dann dankbar für eine Umarmung.“ Auf keinen Fall darf man seinem Kind böse sein. Wichtig ist auch, einen Trotzanfall nicht persönlich zu nehmen: „Niemand, der selbst Kinder hat, wird denken, dass man unfähig ist.“

Fehler wären, dem Kind die Schokolade doch zu erlauben oder es wegzuzerren. „Du kämpfst dann mit einem Zweijährigen, der seine Impulse nicht kontrollieren kann. Das schaut zum einen blöd aus und zum anderen hat man wahrscheinlich ein blaues Auge.“ Auch Diskussionen oder drakonische Strafen sind fehl am Platz, denn Kinder wissen oft kurze Zeit später nicht mehr, was war.

Manchmal kann man Trotzanfällen aber auch einfach aus dem Weg gehen. „Vieles passiert, weil Kinder müde sind, Hunger haben oder der Tag einfach zu voll war, auch für einen selbst. Vielleicht lässt sich der Einkauf dann ja verschieben“, so Kirchschläger.

Gefühle aufgreifen

Das Wichtigste bei der Kommunikation mit Kindern sei, auf Augenhöhe zu gehen, sie zu berühren und ihre Gefühle und Bedürfnisse aufzugreifen, höflich und klar. „Etwa: Ich weiß, dass du die Schokolade möchtest, das macht dich jetzt traurig, aber wir kaufen sie nicht.“ Je nach Alter braucht man auch keinen Grund zu äußern. „Es bringt nichts, zu erklären, dass Schokolade zu viel Zucker hat und er dann Diabetes bekommt, wenn der Knopf zwei Jahre alt ist.“

Erziehung bedeute auch ausprobieren. „Funktioniert etwas gut, bleibe ich dabei, fühlt es sich zu streng oder zu nachgiebig an, korrigiere ich es beim nächsten Mal.“ Niemand sollte aber Scheu haben, sich bei Fragen an eine Beratungsstelle zu wenden.

Die Trotzhochphase ist bei 2,5, drei Jahren, dann flaut sie ab.


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