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LINZ. Wenn Kinder Buchstaben an der Tafel nicht erkennen oder beim Lesen schnell müde werden, kann eine Sehschwäche dahinterstecken. Vor dem Schulbeginn sollten Eltern deshalb auf Warnzeichen achten und bei Auffälligkeiten die Sehleistung kontrollieren lassen.

  1 / 2   Rechtzeitig vor Schulbeginn erklärt ein Experte, warum regelmäßige Kontrollen der Kinderaugen so wichtig sind. (Foto: A Stock Studio/stock.adobe.com)

Kurzsichtigkeit, medizinisch Myopie, ist eine der häufigsten Fehlsichtigkeiten und beginnt oftmals im Schulalter. Typisch ist etwa, dass die Schrift an der Tafel nicht mehr zuverlässig erkannt wird, während das Lesen im Heft problemlos möglich ist. 

„Ein Kind, das nicht ausreichend scharf sieht, muss sich beim Lesen, Schreiben oder Abschreiben wesentlich stärker anstrengen. Das kann zu rascher Ermüdung, Konzentrationsproblemen oder Kopfschmerzen führen. Mitunter entsteht der Eindruck, das Kind sei unaufmerksam oder habe Schwierigkeiten beim Lernen obwohl die Ursache möglicherweise an den Augen liegt“, erklärt Peter Reinelt, Leiter der Augenabteilung bei den Barmherzigen Brüdern in Linz.

Kinder bemerken Sehschwäche oft nicht

Doch Kinder wissen oft nicht, dass sie schlecht sehen. Denn während Erwachsene Veränderungen ihrer Sehleistung meist rasch bemerken, fehlt Kindern diese Vergleichsmöglichkeit. Ein unscharfes Bild wird deshalb häufig nicht von selbst angesprochen. 

Diese Zeichen ernst nehmen

Nicht jedes Kind, das beim Lesen müde wird oder einmal über Kopfschmerzen klagt, hat automatisch ein Augenproblem. Treten bestimmte Auffälligkeiten jedoch wiederholt auf, sollte die Sehleistung kontrolliert werden. 

Eltern sollten aufmerksam werden, wenn ihr Kind beim Blick in die Ferne die Augen zusammenkneift, es auffallend dicht vor dem Fernseher sitzt genauso wie Bücher sehr nahe ans Gesicht hält, beim Lesen oft die Zeile verliert oder Wörter auslässt. Auch häufiges Augenreiben, auffälliges Blinzeln, ein schief gehaltener Kopf oder Kopfschmerzen nach dem Lesen können Hinweise sein. Gleiches gilt, wenn ein Auge von der geraden Blickrichtung abweicht oder das Kind beim Ballfangen und Einschätzen von Abständen Probleme hat.

Tipps zur Entlastung der Augen

Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit können die Augen entlasten. Als Orientierung nennt Reinelt die 20-20-20-Regel: Nach etwa 20 Minuten Naharbeit soll der Blick für mindestens 20 Sekunden in rund sechs Meter Entfernung schweifen.

„Smartphones, Tablets und Computer gehören heute zum Alltag und sind auch in der Schule nicht mehr wegzudenken. Entscheidend ist ein vernünftiger Umgang. Kinder sollten nicht stundenlang ohne Pause auf kurze Distanz schauen. Der regelmäßige Blick in die Ferne und ausreichend Bewegung bei Tageslicht entlasten die Augen“, erläutert der Primar.

Zusätzlich sind längere Pausen wichtig, in denen Kinder aufstehen, sich bewegen und idealerweise Zeit im Freien verbringen.

Auch ein gut beleuchteter Lernplatz und das konsequente Tragen einer verordneten Brille spielen eine wesentliche Rolle wichtig. Eine Brille macht die Augen nicht „faul“ so Reinelt und verschlechtert die Sehleistung auch nicht. Im Gegenteil: Sie ermöglicht dem Kind, die vorhandene Sehfähigkeit bestmöglich zu nutzen und kann bei bestimmten Sehproblemen Teil einer notwendigen Behandlung sein.

Vorsorge schafft gute Voraussetzungen

Eltern sollten mit einer Kontrolle nicht erst warten, bis schulische Schwierigkeiten auftreten.  Besonders wichtig ist eine augenärztliche Abklärung, wenn Fehlsichtigkeiten, Schielen oder bestimmte Augenerkrankungen in der Familie vorkommen, das Kind zu früh geboren wurde oder bereits in jüngeren Jahren Auffälligkeiten festgestellt wurden.

„Gutes Sehen ist nicht nur für den Lernerfolg wichtig. Es beeinflusst die gesamte Entwicklung eines Kindes von der Motorik über die Orientierung bis zur sozialen Interaktion. Eine rechtzeitig erkannte Sehschwäche lässt sich häufig gut behandeln. Der Schulbeginn ist deshalb ein sinnvoller Anlass, den Blick auch auf die Augengesundheit zu richten“, fasst Peter Reinelt zusammen.


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