eCommerce-Experte Diekmann bei OÖ. Handelskongress in Linz: „Einkaufen wird sich grundlegend verändern!“

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Josef Gruber Tips Redaktion Josef Gruber, 05.04.2017 21:25 Uhr

Ehe der erste Referent Marcus Diekmann mit seinen Thesen über eine radikale Veränderung der Handelslandschaft die Besucher schockierte, gab es noch nette Begrüßungsworte von Handelssparten-Obmann Christian Kutsam an WKOÖ-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer, Raiffeisen-Generaldirektor-Stellvertreterin Michaela Keplinger-Mitterlehner, Professor Harald Kindermann von der FH Steyr und Chefredakteur-Stellvertreter Dietmar Mascher als Ehrengäste.

Tips hat die wichtigsten Aussagen der Referenten und Interviewten:

 

Marcus Diekmann, eCommerce-Experte, Buchautor und Firmengründer

Nur die Besten werden überleben.

E-Commerce ist in Deutschland von 2015 auf 2016 von 46,9 auf 52,7 Mio. Euro und somit um 12,5 Prozent gestiegen. Amazon, Zalando und Co haben zahlreiche etablierte Unternehmen in schwere wirtschaftliche Probleme gebracht.

Die größten Onlinesparten sind jene Branchen, die in den Innenstädten beheimatet sind. Das wird unsere Innenstädte verändern.

Jedes zehnte Geschäft ist von Schließung bedroht.

Stationäre verpassen den Online-Markt. Unverständlicherweise werden sogar weitere Filialen eröffnet, obwohl der analoge Umsatz zurück geht.

Rabattschlacht ist allgegenwärtig. Das setzt auch den gesunden Konzepten zu.

Einkaufserlebnis versus Bedarfsdeckung

Einkauf wird zum Erlebnis und verlagert sich auf die Wochenenden.

Die Öffnungszeiten dürfen genau so nicht am Kunden vorbei fixiert werden, wie man doch nicht Parkgebühren verlangen kann, damit Kunde einkaufen kommen kann.

Der Direktvertrieb der Hersteller ist auf dem Vormarsch.

In Deutschland gibt es 450.000 Onlineshops, also eine große Anzahl an vergleichbaren Konzepten. Das ist nur Expansionswahnsinn im eCommerce. 50 bis 80 Prozent davon sind nicht zukunftsfähig.

Die Marktplätze dominieren. Amazon beherrscht alles, ist dabei auch nicht der billigste, sondern steuert über Dynamic Pricing.

Marktkonzentration: überleben wird nur, wer entweder ganz groß und stark ist oder klein und spezialisiert.

* Universelle wie Amazon

* Category Killer wie Zalando

* Spezialisten wie myMuesli

Noch sind nicht alle Kategorien online vergeben, es gibt also noch Chancen.

Das Konzept und die Convenience entscheiden

Ohne echten USP droht der Untergang.

Digital fängt auch bei der Führung an. Die Chefs müssen digital vorleben.

Kunden werden auch künftig On- und Offline kaufen.

Such- und Vergleichskauf wird aber überregional.

Regional wird zur Fläche für Spontankauf und den täglichen Bedarf.

Alle - Händler wie Hersteller - kämpfen direkt um den Endverbraucher

Produkt und Preis sind die wichtigsten Voraussetzungen für eCommerce-Erfolg. Dann kommen Organisation und Reichweite, noch vor Service und Features.

80 Prozent der Leute stöbern online, bevor sie offline shoppen gehen.

Als Hersteller muss man in den Direktvertrieb einsteigen.

Dreistufige Vertriebsmodelle darf es künftig nicht mehr geben. Da ist man nicht mehr wettbewersfähig.

Im Laden muss „Wärme“ in Form von Topservice spürbar sein.

Wenn der Kunde nicht mehr in den Laden kommt, dann muss der Händler raus zum Kunden.

E-Mail war gestern, heute kommunizieren die Leute über WhatsApp.

Wenn man mit den Produkten kein Geld mehr verdienen kann, dann muss man Dienstleistung anbieten. Computerlieferant ist beispielsweise mit Computerkursen höchst erfolgreich.

10 Erfolgsfaktoren zum Transformieren (für den Handel der Zukunft):

1. Digital first 

2. Kundenorientierung

3. Unternehmenskultur komplett verändern

4. Modularität: nur mehr Artikel anbieten, die sich wirklich drehen 

5. Im Netzwerk leben - sich austauschen

6. Selbstbewusstsein und Authentizität 

7. HR-Branding, da Fachkräfte ohne Ende fehlen - Mitarbeiter stark einbeziehen und Entscheidungsspielräume geben

8. Automatisierung 

9. Wertschöpfungsketten minimieren

10. Dynamisierung

 

Christian Kutsam, Obmann der Sparte Handel

Der Handel ist im Wandel.

Jeder Händler muss sich laufend fragen: Was wollen den die Kunden? Welche Leistung kann ich wie erbringen, und das auch gewinnbringend?

Ladengeschäfte werden trotz Internet noch lange nicht out sein.

Überflüssige Bürokratie zeigt sich leider schon wieder an den neuen Dokumentationspflichten, die auf die Unternehmen zu kommen.

 

Angelika Sery-Froschauer, Vizepräsidentin der WKOÖ

Wir brauchen die Wissenschaft, deshalb wollen wir bei der Universität und des FHs lernen. Im Mai starten wir Digikompass, damit jeder Betrieb sehen kann, wie weit er bei der Digitalisierung ist. Mit AEC wird Innovation-Lab entwickelt, das die Frage beantworten soll, wie die eigene unternehmerische Zukunft aussieht.

 

Michaela Keplinger-Mitterlehner, Generaldirektor-Stv. Raiffeisenlandesbank OÖ

Digitalisierung hat sehr stark an Beschleunigung gewonnen. Von den 350 Millionen Logins in Raiffeisen-Electronic Banking wurden im Vorjahr bereits 40 Prozent via Handy durchgeführt.

Für Raiffeisen stellt sich die Frage „Wie verbinde ich die virtuelle Welt mit unserer Regionalität?“ Wir müssen aber auch weiterhin massiv in die analoge Welt investieren. So sollen Beratungsgespräche zu einem positiven Erlebnis werden.

 

Harald Kindermann, Professor an der Fachhochschule Steyr

Er hat eine Studie erstellt, die am 3. Mai präsentiert wird - erste Infos:

Die Gesellschaft verändert sich maßgeblich.

Untersucht wurde, welche Produkte kauft der Konsument warum und wie.

Online haben Kunden das Gefühl eines guten Preis-/Leistungsverhältnisses.

Das Einkaufs- und Freizeiterlebnis spricht für den lokalen Handel. Auch Beratung ist den Kunden wichtig. Hier gibt es aber auch ein Manko. Der Mitarbeiter im Handel ist entscheidend.

 

Bernd Albl von der Umdasch Shopfitting Group zeigte neue Technologien auf, die in Shopkonzepten künftig eingesetzt werden können.

 

Experimentalphysiker Werner Gruber: Psychologie der Digitalisierung

Computer beginnen jetzt selbständig zu denken und treffen Entscheidungen. Das hat Vor- und Nachteile.

Hartes oder weiches Sitzen hat genau so Einfluss auf die Entscheidungen der Menschen wie das Halten eines warmen oder kalten Getränkes. Hartes Sitzen und kalte Getränke führen zu deutlich mehr harten Entscheidungen.

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