„Auch der Online-Handel wird nicht ins Unendliche wachsen“

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Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 24.05.2017 09:37 Uhr

OÖ. Online-Präsenz, Neugier und Experimentierfreude empfiehlt Christian Kutsam Oberösterreichs stationären Händlern. Tips hat mit dem WKOÖ-Spartenobmann für Handel über Chancen und Herausforderungen durch den Trend zum Online-Einkauf gesprochen.

Tips: Immer mehr Menschen kaufen online ein – was sind die Auswirkungen auf den oberösterreichischen Handel?

Kutsam: Kaufkraftuntersuchungen in OÖ zeigen, dass in Summe – über die Branchen hinweg – rund fünf Prozent online umgesetzt werden, der große „Rest“ stationär. Das ist auch einmal wichtig zu sagen, weil hier der Eindruck oft ein anderer ist. Aber natürlich müssen wir uns immer darauf einstellen, was die Kunden wollen – und da läuft vieles online. Das bedeutet nicht, dass man gleich einen eigenen Online-Shop braucht, aber zumindest im Internet auffindbar sollte man sein, mit Öffnungszeiten und Adresse.

Tips: In welchen Branchen ist der Online-Trend besonders stark?

Kutsam: Das ist sehr unterschiedlich. Im Lebensmittelhandel, wo es stark um Frische geht, liegt online bei weit unter einem Prozent, bei technischen Produkten oder Büchern ist es wesentlich mehr. Aber gerade am Beispiel der Bücher kann man auch sagen: Es muss nicht immer ein großer ausländischer Versandhändler sein, es gibt auch kleine lokale Händler, die mit guter Logistik das Angebot „heute bestellen, morgen abholen“ genauso schaffen – zum selben Preis. Und dann bleibt natürlich die Wertschöpfung im Land, die Sozialversicherungsbeiträge, aber auch Arbeitsplätze und Lehrstellen.

Hier liegt auch die Einflussmöglichkeit des Konsumenten: Mit seinem Einkauf bestimmt er ganz maßgeblich das Angebot mit – zum Besipiel, ob es im Ort ein belebtes Zentrum mit stationären Geschäften gibt. Ich danke daher allen, die die Angebote des stationären Handels nutzen.

Tips: Welche Maßnahmen emp-fiehlt die WK Sparte Handel ihren Mitgliedern im Hinblick auf den Online-Bereich?

Kutsam: Man sollte sich auf jeden Fall schlau machen, sich damit beschäftigen. Oft ist es auch gut, junge Mitarbeiter dazu mit ins Boot zu holen. Wichtig ist es auch, auffindbar zu sein, man kann dabei klein anfangen, mit Facebook oder einer Homepage. Dann kann man experimentieren, zum Beispiel mit neuen Kanälen oder mit Kooperationen: Die Expert-Elektrohändler haben etwa eine gemeinsame Plattform aufgemacht, so muss nicht jeder für sich eine Lösung finden.

Tips: Gesamt betrachtet: Ist der Online-Handel eher eine „Bedrohung“ oder eine Chance für den stationären Handel?

Kutsam: Man darf online nicht verharmlosen, aber „zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“. Vor dem Jahr 2000 gab es einmal eine Schlagzeile: „Bald werden 70 Prozent des Umsatzes über den Versandhandel gehen“. Heute gibt es den damaligen Versandhandel mit seinen Katalogen kaum mehr. Und auch der Online-Handel wird nicht ins Unendliche wachsen. Allgemein gesagt: Im Handel gibt es immer einen enormen Wettbewerb: Man muss immer den Kunden im Blick haben und darf sich nicht auf dem Erreichten ausruhen.

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