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OÖ. Die Unternehmensinsolvenzen sind im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent gesunken. Dagegen ist die Zahl der Privatinsolvenzen um knapp 37 Prozent gestiegen, die Verbindlichkeiten sogar um 74 Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem das neue Insolvenzrecht. Die Experten des KSV 1870 (Kreditschutzverband) rechnen für 2019 wieder mit einem starken Rückgang

Pleitegeier schlug 2018 bei Firmen weniger zu, bei Privaten gab es hingegen Rekordansturm. Foto: Wodicka

Heuer mussten hochgerechnet 565 oberösterreichische Unternehmen Insolvenz anmelden, das sind um 49 Fälle oder 8 Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist laut KSV1870-Insolvenzarchiv die niedrigste Zahl an Insolvenzen in Oberösterreich seit dem Jahr 1992“, erklärt Petra Wögerbauer, Insolvenzexpertin des KSV1870, Standort Linz. Der bisherige Negativrekord in Oberösterreich wurde 2009 mit 948 Firmeninsolvenzen verzeichnet.

Das Bundesland weist heuer im Bundesländervergleich mit 8 Prozent den größten Rückgang der Gesamtinsolvenzen aus. Österreichweit beträgt der Rückgang 1,9 Prozent. Die eröffneten Unternehmensinsolvenzen schließen mit 334 Fällen in Oberösterreich an den niedrigsten Wert des Jahres 1996 an. In diesem Jahr wurden 277 Insolvenzen eröffnet.

OÖ bleibt von Riesen-Pleiten verschont

Die Schäden für die betroffenen Gläubiger sind 2018 deutlich geringer als im Vorjahresvergleichszeitraum. Die Verbindlichkeiten sinken um 58 Prozent von 576 Millionen Euro auf heuer 242 Millionen Euro. „Oberösterreich bleibt heuer von Großfällen mit Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe, wie wir sie 2017 zum Beispiel mit Insolvenzen der Firmengruppen Imperial, WOZABAL und Reifen Bruckmüller erlebt haben, verschont“, erläutert Petra Wögerbauer. Die größten Fälle 2018 waren jene der Hitzinger GmbH (Linz), der Fill Metallbau Gesellschaft m.b.H. (Linz) und der STEYR MOTORS GmbH.

Rekordwert seit Einführung des Privatkonkurses

1.359 Privatkonkurse wurden hochgerechnet 2018 bei den oberösterreichischen Bezirksgerichten eröffnet. Das sind um 366 Fälle oder um knapp 37 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Zuwachs der in Oberösterreich eröffneten Privatinsolvenzen liegt im Österreich-Schnitt im unteren Drittel. Der größte Anstieg der eröffneten Fälle wurde im Burgenland (+ 125 Prozent) hinter der Steiermark (+ 90 Prozent) und Vorarlberg (+ 74 Prozent) verzeichnet.

Schuldner haben neues Insovenzrecht abgewartet

Ausgelöst durch die angekündigte Insolvenzrechtsnovelle 2017 war bekanntlich die Zahl der Anträge der Schuldner im Jahr 2017 drastisch zurückgegangen. Im Vergleich zu den 2017 eröffneten Verfahren sind heuer die Schulden um 88 Millionen Euro oder knapp 74 Prozent angewachsen. Viele ehemalige Unternehmer mit hohen Verbindlichkeiten haben das Inkrafttreten der Novelle am 1.11.2017 abgewartet. Die Verkürzung der Schuldenregulierungsdauer von sieben auf fünf Jahre und der Entfall der zehnprozentigen Mindestquote haben vergangenes Jahr für einen Rückstau bei den Insolvenzanträgen gesorgt. Von der Novelle profitieren sowohl ehemalige Unternehmer, auf die circa ein Drittel der Schulden entfällt als auch echte Private, also unselbständig beschäftigte Personen, die Konsumschulden angehäuft haben.

Experten rechnen mit starkem Rückgang im kommenden Jahr

Die KSV1870 Experten rechnen damit, dass der Trend zu hohen Verbindlichkeiten der Schuldner wieder abnehmen wird und sich letztlich auch die Antragszahlen wieder reduzieren werden. „Die starken Schwankungen in den Statistiken 2017 nach unten und 2018 nach oben sind mit dem neuem Insolvenzrecht zu erklären. 2019 wird sich in Oberösterreich die Zahl der Eröffnungen bei ca. 100 bis 110 pro Monat wieder einpendeln“, schätzt Petra Wögerbauer die weitere Entwicklung ein.


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