Jobcoach: „Bei der Lehre ist der Praxisbezug auf jeden Fall im Vordergrund“

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Anna Stadler Anna Stadler, Tips Redaktion, 29.10.2019 17:55 Uhr

GROSSRAUM LINZ. Wählt man einen Lehrberuf und wenn, welchen? – Diese Fragen und mehr sind oft schwierig zu beantworten. Das Jugendservice des Landes OÖ unterstützt Jugendliche dabei. Tips hat mit Jugendservice-Jobcoach Michael Peham gesprochen.

Tips: Wann soll man sich Gedanken machen, für welche Ausbildung man sich entscheidet?

Peham: So bald als möglich. Ab der achten Schulstufe auf jeden Fall mal. In der 4. Klasse Neue Mittelschule oder Unterstufe gibt es auch Berufsorientierungsstunden. Da sollte man sich schon mal damit beschäftigen, welche Berufe es überhaupt gibt und welche Berufe Zukunft haben oder auch wie die Ausbildungswege dorthin sind.

Tips: Was sind Anhaltspunkte, ob man besser eine Lehre machen oder sich doch für eine Schule entscheiden soll?

Peham: Bei der Lehre ist der Praxisbezug auf jeden Fall im Vordergrund, was in der Schule ein bisschen im Hintertreffen ist – außer vielleicht bei Berufsbildenden Schulen. Da hat man Pflichtpraktika, die im Lehrplan festgeschrieben sind. Wenn man also eher der praktisch veranlagte Typ ist und sagt „Das Lernen liegt mir nicht so, aber eine Berufsschule schaffe ich schon“, dann würde ich eher Richtung Lehre tendieren. Es gibt aber auch viele Lehrberufe, die sehr fordernd und schwer sind. Da muss natürlich auch das Talent passen. Dass man sieht, wo liegen die Stärken und Fähigkeiten wirklich, ist eine Potentialanalyse sehr gut geeignet.

Tips: Wo kann man eine Potentialanalyse machen?

Peham: Wir sind vom Jugendservice Kooperationspartner von der WKO. Wir haben auch eigene Kontingente für Jugendliche die nicht in der achten Schulstufe sind. Für die wird das so und so flächendeckend angeboten.

Tips: Was wenn die Stärken trotz Potentialanalyse nicht klar ersichtlich sind?

Peham: Da würde ich empfehlen, dass der Jugendliche zu uns ins Jobcoaching kommt oder in die Bildungsberatung. Wir nehmen uns viel Zeit, um mit dem Jugendlichen zu reden. Man kommt zum Beispiel sehr oft über Freizeitaktivitäten auf Stärken drauf, die man sonst nicht gesehen hätte und die man beruflich verwerten kann. Auch wenn man ein bisschen fantasiert „Was wäre denn dein Traumberuf – egal ob es jetzt realistisch ist oder nicht?“ kann man Interessen entdecken. Und dann kann man sich genauer ansehen, wie der beste Bildungsweg ist. Es gibt ja viele Wege zum Ziel. Den optimalen muss man dann mit den Jugendlichen und den Eltern herausfinden.

Tips: Was wenn man erst in der Oberstufe herausfindet, das Schule nicht der beste Weg für sich persönlich ist?

Peham: Da spielen viele Überlegungen mit: „Bin ich überfordert mit der Schule?“, „Überfordert mich das System Schule oder einfach nur der Schultyp?“ Vielleicht kann man noch rechtzeitig einen anderen Schultyp wählen: Wenn man sagt „Studieren möchte ich auf keinen Fall gehen“, aber man in einer AHS ist, dann wäre ein Weg, dass man umsteigt in eine BHS oder auch in eine Lehre mit Matura. Man kann auch die AHS fertig machen und steigt macht dann die Duale Akademie. Das ist jetzt neu und ist speziell für AHS-Maturanten, die dann in eine Lehre gehen. Das raten wir auch im Coaching, weil es eine super Alternative ist.

Tips: Und wenn man die Schule abbricht?

Peham: Aber Schulabbruch ist heute nichts Tragisches mehr. Wenn man sich die Stellenanzeigen ein bisschen ansieht, dann sieht man oft „Schulabbrecher gerne willkommen“, da sie einerseits älter sind und schon mehr persönliche Reife mitbringen und man andererseits mit älteren Lehrlingen arbeitsrechtlich auch nicht mehr die Probleme hat, wie mit den ganz Jungen.

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