Lehrer im "Demokratietaxi" zu Orten gelebter Demokratie in Linz
LINZ. Was sind die Bausteine der österreichischen Demokratie und warum sind gerade selbstverwaltete, basisdemokratische Institutionen immer wieder heftigen politischen Angriffen ausgesetzt? Welche mächtigen Interessen stehen ihnen feindselig gegenüber? Antworten auf diese Fragen und eine Auseinandersetzung mit dem Thema haben 16 Lehrer mit dem „Demokratietaxi“ gesucht und hoffentlich auch gefunden.

16 Lehrer haben sich mit dem „Demokratietaxi“ auf den Weg zu vier Stationen gelebter Demokratie in Linz gemacht. Das Fortbildungsangebot der AK Oberösterreich führte die Teilnehmer von den Oberösterreich-Zentralen der AK und des ÖGB über den Betriebsrat der Linz AG und die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) zum Sozialressort des Landes Oberösterreich.
„Alle diese Institutionen sind zentrale Bestandteile unsere Gesellschaft. Ziel des Projekts ist es, den Pädagogenvertiefende persönliche Einblicke in die Bedeutung und Ausgestaltung von Demokratie, Selbstverwaltung und Mitbestimmung zu ermöglichen, damit sie die so gewonnenen Erkenntnisse im Unterricht an ihre Schüler weitergeben können“, erklärt AK-Präsident Johann Kalliauer.
Praxisorientierte Einblicke
Beim Besuch in der Arbeiterkammer und dem ÖGB stand die kollektive Interessensvertretung aller Arbeitnehmer im Vordergrund. Die Lehrer bekamen unmittelbare Einblicke in die Vielfalt der dort angewandten demokratischen Verfahren wie etwa Kollektivvertragsverhandlungen, die Rechtsvertretung und Musterprozesse sowie die Einbindung in den Gesetzgebungsprozess. In den Unternehmen wird die Arbeitnehmer-Interessenvertretung auf die betriebliche Ebene heruntergebrochen. Die betriebliche Mitbestimmung als gelebte Demokratie im Unternehmen erläuterte den Teilnehmern der Betriebsrat der Linz AG.
Besondere Spannung versprach der Besuch in der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), hat doch die letzte türkis-blaue Regierung nicht nur die Zentralisierung der bisher autonomen Gebietskrankenkassen der Länder beschlossen, sondern auch in die Selbstverwaltung eingegriffen. Warum haben die Unternehmer in der ÖGK die gleichen Stimmanteile bekommen wie die Arbeitnehmer, obwohl sie dort gar nicht versichert sind und auch nur einen Bruchteil der Beiträge beisteuern? Inwieweit kann man unter diesen Umständen von Selbstverwaltung sprechen? Fragen wie diese konnten die Teilnehmer mit Vertretern der ÖGK diskutieren. Bei der letzten Station erläuterte Landesrätin Birgit Gerstorfer anhand des von ihr geführten Sozialressorts die Funktionsmechanismen der Landesgesetzgebung und Verwaltung in Oberösterreich.
„Demokratie ist die beste Herrschaftsform. Wir müssen sie erhalten und das gelingt nur durch Kommunikation untereinander“, nennt die Mittelschullehrerin Claudia Anudh ihr Motiv, dieses Weiterbildungsangebot zu nutzen. Auch die Fachschullehrerin Renate Gelbmann war mit dem Demokratietaxi zufrieden: „Die Fortbildung ist zeitgemäß und praxisorientiert, speziell auch für den Unterricht. Hier wird Wissen von Experten vermittelt. Gerade in der Schule ist es wichtig nicht nur Fachwissen zu vermitteln, sondern auch Schlüsselqualifikationen wie Solidarität und Demokratie“.
„Mit dem Demokratietaxi möchten wir Demokratie erlebbar und verständlich machen und über die Lehrkräfte ins Klassenzimmer bringen. Wir freuen uns daher, dass sich dieses Angebot so großer Nachfrage erfreut“, so AK-Präsident Kalliauer.


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