Die neue Chefin der Sparkasse Oberösterreich Stefanie Huber im Interview

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Alexandra Mittermayr Online Redaktion, 07.02.2020 00:14 Uhr

LINZ/OÖ. Seit Jänner ist Stefanie Christina Huber Vorstandsvorsitzende der Sparkasse OÖ. Im Interview mit Chefredakteur Josef Gruber erzählt die Wilheringerin unter anderem von ihrem Werdegang, schildert wie sie in der von Männern dominierten Branche Karriere machen konnte und gibt Einblicke in ihre beruflichen Pläne. Gemeinsame Erfolge zu erzielen, die sichtbar und messbar sind, bezeichnet sie als ihren persönlichen Treibstoff.

Tips: War es schon immer Ihr Wunsch, einmal Bankchefin zu werden?

Stefanie Huber: So etwas entwickelt sich. Es entwickelt sich über das Studium, das man macht, und mit den Chancen, die man sich dann im Berufsleben sieht. Ich war immer eine, die gesagt hat, dazulernen und Schritt für Schritt gehen - dadurch haben sich viele Möglichkeiten ergeben. Irgendwann entsteht natürlich eine Tendenz, wenn man sieht, man hat die Möglichkeit, die Skills, die Stärken und das Know-how dazu. Dann denkt man sich, ja, das könnte doch wirklich etwas für mich sein.

Tips: Aber Geld- bzw. Bankwesen war immer Ihre präferierte Branche?

Huber: Zahlen waren immer meine Leidenschaft und mein präferiertes Fachgebiet. Die Entscheidung für eine Bank hat sich eigentlich wirklich genau aus diesem Aspekt ergeben. Ich habe ja angewandte Statistik studiert. Da würden mir jetzt andere Berufe einfallen, als ein Job in einer Bank, aber gerade zu dem Zeitpunkt hat sich die Sparkasse Oberösterreich gedacht, man muss sich auch hier öffnen und andere Studiengänge oder Berufsgruppen mit hereinnehmen. Es war dann an der Schwarzen Tafel des Statistik-Instituts ein Trainee-Programm ausgelobt. Direkt am Tag meiner Diplomprüfung wurde es dort neu aufgehängt. Da habe ich mir gedacht, siehst du, eine Bank, da kannst du noch wahnsinnig viel lernen, da gehst du hin. Und es hat auch funktioniert.

Tips: Wie geht es Ihnen als Frau in einer von Männern dominierten Finanzwelt?

Huber: Mir ist das gar nicht so sehr aufgefallen. Ich bin Gott sei Dank schon so erzogen worden, dass es da keinen Unterschied gibt. Ich habe eine Schwester. Es wurde uns immer gesagt, wir können alles machen und alles werden. Es ist das Thema gar nicht aufgekommen, dass es da einen Unterschied geben könnte, sondern man soll das machen, was man kann, woran man glaubt und was man tun möchte. Und das habe ich immer gemacht und habe deswegen gar nicht so auf das geschaut, wie mein Umfeld jetzt dominiert ist – ob das eher männlich oder weiblich ist. Ich glaube, dass das eher Teil des Erfolges war.

Tips: Wenn man sich solche Fotos anschaut, dann sieht man wenig bis fast keine Frauen.

Huber: Das stimmt. Darum glaube ich, es ist wichtig, sich zu trauen und nicht daran zu denken. Dann macht es auch nicht den großen Unterschied. Und sich mit dem einbringen, was man kann.

Tips: Hatten Sie es dann schwerer, sich durchzusetzen?

Huber: Zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte. Ich kann es nicht bei anderen Banken sagen, aber bei der Sparkasse Oberösterreich war das eigentlich nie ein Thema. Für mich war es nie ein Thema. Ich hatte auch immer Unterstützung und Förderer. Aber einfach nur, weil ich damals schon als Talent wahrgenommen wurde und auch nicht darüber gesprochen wurde, ob ich ein männliches oder weibliches Talent bin, sondern einfach aufgrund meiner Fähigkeiten so gesehen wurde.

Tips: Haben Sie als Frau andere Zugänge zum Geldwesen?

Huber: Ich weiß nicht, was die typisch männlichen Zugänge sind. Aufgrund meiner Charaktereigenschaften habe ich auch meinen persönlichen Zugang zu Geld und generell halt natürlich zu Zahlen. Ich bin insgesamt ein sehr strukturierter Mensch und gehe auch das Geldwesen sehr strukturiert an. Ich glaube, das zieht sich einfach durch, aber ich würde das weder als männliche noch als weibliche Eigenschaft deklarieren.

Tips: Was werden Sie in der Sparkasse OÖ alles ändern bzw. welche neuen Akzente werden Sie setzen?

Huber: Ich starte da immer ganz gerne mit dem Verändern. Wir müssen uns seit 200 Jahren bei den Sparkassen verändern. Seit 170 Jahren muss sich die Sparkasse OÖ immer wieder transformieren und mit der Gesellschaft, mit Neuerungen mitgehen. Damals hat es nur handgeschriebene Sparbücher gegeben und wir wissen, welche Lösungen wir heutzutage anbieten. Und das ist ein kontinuierlicher Weg, der keinen Bruch haben sollte. Aus meiner Sicht ist genau das das Erfolgsmodell, da mitzugehen - mit den Kundenbedürfnissen mitzugehen, mit der Zeit mitzugehen, mit gesellschaftlichen Anforderungen mitzugehen - und das machen wir auch jetzt gerade. Natürlich widmet man sich diesen laufenden Prozessen und sagt, was ist unsere Strategie für die nächsten Jahre. Da kann ich so viel verraten, die wird Mitte des Jahres fertig werden. Wir gehen ganz stark wieder von unseren Kunden aus, von der Kundenzentrierung – wo sind die Bedürfnisse, welche neuen Möglichkeiten gibt es? Aber schon auch ganz stark, wo wollen wir unsere Kunden abholen und wie matcht sich das mit unserer Wirtschaftlichkeit.

Tips: Sie sprechen zumindest indirekt ein Thema an. Man hört ja in der Bevölkerung immer mehr, Banken werden immer leerer und man sieht nur mehr Maschinen. Wollen Sie da was ändern?

Huber: Unsere Bankfilialen werden nicht leerer. Wir kombinieren das, glaub ich, sehr gut. Gerade in der Filiale der Zukunft haben wir alle Möglichkeiten. Dort machen wir als erster das, was wir am besten können, nämlich „willkommen“ heißen. Das Zentrum unserer Filiale der Zukunft - da haben wir jetzt bereits zwei eröffnet – ist einmal der Willkommensdesk, wo der Kunde abgeholt wird, dort wo seine Bedürfnisse sind. Und dann gibt es die vielfältigsten Möglichkeiten: Vom Kunden, der nicht bis zum Welcome-Desk kommt, weil er sagt, danke ich kenne mich aus, ich mache alles am Automaten bis zu dem Szenario, dass er kommt und sagt, ich brauche noch eine Hilfestellung mit kurzen Beratungen. Die können auch direkt dort von statten gehen, wenn es um eine Serviceleistung geht. Fundierte Beratungen erfolgen in Rückzugsräumen, wo es ganz diskret von statten geht. Dort gibt es auch eine Diskret-Kassa. Ich glaube, genau darum geht es. Wir haben das so aufgestellt, dass jeder, der es digital machen möchte, es von zuhause aus machen kann, oder eben auch bei Automaten. Jeder der mit Menschen in Kontakt treten möchte, kann mit Menschen in Kontakt treten, und das machen wir natürlich sehr gerne.

Tips: Was sind derzeit die größten Herausforderungen für Banken überhaupt?

Huber: Die klassischen Banken mit unseren Modellen waren natürlich sehr, sehr lange getrieben von den Regularien, die zu erfüllen sind und zu erfüllen waren. Da ist jetzt sehr viel passiert und wir können uns Gott sei Dank – das ist eine Herausforderung und gleichzeitig die große Chance – der Aufgabe widmen, unsere Leistungen durch den Fortschritt in IT-Systemen noch einmal viel stärker auf Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung abzustimmen. Das bringt auch für die Kunden Nutzen, weil wir noch schneller werden. Das müssen wir natürlich auch, weil da gibt es ja neue Mitbewerber, die das schon abbilden. Das ist aus meiner Sicht genau das, wo man sich mit einem klassischen Modell hinwenden muss, um noch effizienter zu werden und End to End-Prozesse zu haben, die für den Kunden eine smarte Lösung bieten und für uns eine Effizienzsteigerung.

Tips: Die Sparkasse OÖ hat in der Tabakfabrik eine eigene Filiale gemacht. Warum dieses besondere Engagement in der Startup-Szene? 

Huber: Wir bezeichnen es nicht als Filiale, weil es keine klassische Filiale ist. Es ist ein Begegnungsraum für Start-ups und Gründer mit, man könnte sagen, Bankmenschen. Wir haben hier auch jemanden gefunden, der genau das transformiert. Die Anforderungen, die zu stellen sind, wenn ich als Kunde oder als Gründer eine Bank brauche, in die richtige Sprache zu übersetzen, bei Förderungen zu helfen, bei der Gründung zu helfen. Es ist dort eine Netzwerkplattform, unsere Startrampe und eben keine klassische Filiale, in die man für Bankgeschäfte kommt. Wir werden natürlich dort auch unser Gründercenter und Geschäftskundenbetreuer vor Ort haben. Aber es geht vorwiegend um dieses Netzwerk und, um sich frühzeitig aufeinander einzuschwingen, was ein Gründer braucht und was wir als Bank bieten können. Wir dienen hier auch ganz stark als Übersetzer.

Tips: Wird es in absehbarer Zeit wieder einmal Zinsen für Spareinlagen geben?

Huber: Diese Frage müssten wir an die EZB richten. Wenn wir jetzt die EZB-Politik beobachten, würde ich mal sagen, nicht so schnell. Da geht es nicht nur um die Spareinlagen, sondern man muss sagen, das Zinsumfeld wird sich nicht bewegen. Woraus man folgern kann, dass - wenn sich bei den Spareinlagen von der Zinslandschaft nichts bewegen wird -, sich auch für die Kredite bei den Zinsen nichts bewegen wird. Das heißt, des einen Leid ist des anderen Freud, wenn man das jetzt so formulieren möchte. Wie gesagt, es ist auch eine Chance, unseren Kunden in vielen Beratungen zu erklären und frühzeitig bei Jugendlichen mit Finanzbildung zu beginnen und zu sagen, es gibt außer dem Sparbuch noch was anderes. Es war halt zu Zeiten, wo es 6 bis 7 Prozent Verzinsung gegeben hat, nicht notwendig. Ich glaube auch, viele Kunden dachten, man könnte es aussitzen und warten, bis die EZB die Politik ändert und es dann vielleicht wieder mehr Zinsen gibt. Das zeichnet sich im Moment nicht ab und deswegen entsteht immer mehr Bedarf, was uns natürlich sehr freut, weil wir hier kompetent sind, in Veranlagung und Vorsorge den richtigen Mix zu finden: Von „Welcher Notgroschen soll am Sparbuch bleiben“ bis zu „Was kann man langfristig in Fonds veranlagen“. Gut gemischt, diversifiziert und mit einem für den Kunden wirklich tragbaren Risiko wird durch das laufende Ansparen eine breite Streuung gebildet, so dass über eine länger Laufzeit eine gute Rendite erwirtschaftet werden kann.

Tips: Was raten Sie Freunden auf die Frage, wie sie ihr Geld veranlagen sollen?

Huber: Im Prinzip genau das, was ich Ihnen jetzt schon gesagt habe. Nicht mehr nur auf das Sparbuch zu setzen, sondern auch in Wertpapiere zu investieren. Ich glaube, man muss auch ganz klar unterscheiden: Ist schon Vermögen da, das man umschichten möchte, dann kann man sich dem Thema ein bisschen großzügiger widmen und einzelne Tranchen in einzelne Papiere geben. Es kommt auch immer auf die Risikobereitschaft an. Dem klassischen Sparer, der bisher monatlich etwas ansparen wollte, empfehle ich genau das, was ich vorher schon gesagt habe.

Tips: Wo sehen Sie sich in 15 Jahren – persönlich und als Bank?

Huber: Im Moment sage ich, hoffentlich als Generaldirektorin einer sehr erfolgreichen Sparkasse Oberösterreich.

Tips: Was macht Sie als Person erfolgreich, was sind Ihre persönlichen Erfolgsfaktoren?

Huber: Als erstes die Kompetenz, die habe ich vorher schon angesprochen. Ich arbeite schon lange an strategischen Prozessen im Haus mit. Das heißt, man kennt das Haus, man kennt die Herausforderungen. Ich habe auch schon sehr viele Veränderungen selber gestaltet und viele mitgestaltet. Zu den persönlichen Eigenschaften: Das ist das Durchhaltevermögen, trotz alledem das offene Zugehen auf andere Menschen, die Teamfähigkeit und der Wille, etwas zu gestalten.

Tips: Was treibt Sie persönlich an? Was ist Ihr Treibstoff?

Huber: Wenn man gemeinsam Erfolge erzielt und diese Erfolge dann auch noch sichtbar und messbar sind. Das ist für mich ein sehr schönes Ergebnis und treibt mich natürlich auch an, das weiter hier gemeinsam zu erleben und unsere Zukunft zu gestalten.

Tips: Was ist Ihr Patentrezept gegen Stress?

Huber: Die Familie und vor allem der Lebenspartner. Und natürlich auch die Musik.

 

Stefanie Christina Huber studierte nach der Matura am Stiftsgymnasium Wilhering angewandte Statistik an der JKU Linz. Nach dem Studium trat sie im Februar 1999 in die Abteilung Treasury der Sparkasse OÖ ein. Danach folgten Leitungspositionen in den Abteilungen Zins- und Devisenhandel sowie Bilanzstruktur- und Liquiditätsmanagement. Ab Mai 2015 hatte sie die Leitung des Bereichs Treasury inne. Sie wurde mit 1. Jänner 2019 in den Vorstand bestellt. Seit Jänner 2020 ist Stefanie Christina Huber Vorstandsvorsitzende der Sparkasse OÖ.

Verantwortung: Brands & Communications, Corporate Banking, Human Resources sowie Innenrevision, Treasury, Vorstandsbüro & Compliance.

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