KV-Abschluss für die Sozialwirtschaft sorgt für Freude und Kritik
OÖ/WIEN. Nach langem Ringen gab es am Mittwoch eine Einigung im KV für Pflege-, Sozial- und Gesundheitsberufe. Aus Oberösterreich gab es Freude über die generell Einigung, aber auch kritische Stimmen zu den erzielten Ergebnissen.

Arbeitgeber und Gewerkschaft sind sich seit Mittwoch einig: Die 125.000 Arbeitnehmer in der Sozialwirtschaft Österreichs bekommen mit Wirkung vom 1. Februar 2020 um 2,7 Prozent mehr Gehalt und mit 1. Jänner 2022 wird die kollektivvertragliche Normalarbeitszeit von 38 auf 37 Wochenstunden reduziert. Alle Beschäftigten, die während der Coronavirus-Krise arbeiten und Kundenkontakt haben, erhalten zusätzlich eine Prämie in der Höhe von 500 Euro.
Volkshilfe OÖ-Vorsitzender Michael Schodermayr ist über gelungene Einigung erfreut, fordert aber eine neue gesellschaftliche Bewertung von Pflege- und Gesundheitsleistungen. Auch die vereinbarte Reduktion der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich könne nur ein erster Schritt sein. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich diese Lohnerhöhung absolut verdient. Die Corona-Krise hat einmal mehr und besonders deutlich sichtbar gemacht, welch außergewöhnliche Arbeit sie leisten“, so Schodermayr.
Leistungen gesellschaftlich neu bewerten
Als Vorsitzender der Volkshilfe OÖ hatte sich Schodermayr während der schwierigen Verhandlungen stets für den Dialog und eine schrittweise Einführung der von Gewerkschaftsseite geforderten Arbeitszeitverkürzung ausgesprochen. Damit war die Volkshilfe nicht nur vom Kurs anderer Arbeitgeber im privaten Sozial- und Pflegebereich abgewichen, sie forderte und fordert darüber hinaus auch eine grundsätzliche Diskussion.
„Wir erleben gerade, wie wichtig die Leistungen innerhalb der Sozialwirtschaft sind. Daher sind diese völlig neu zu bewerten“, fordert Schodermayr und will das Gemeinwohl wieder in den gesellschaftlichen Vordergrund rücken. In diesem Zusammenhang könne auch die nun vereinbarte Reduktion der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich nur ein erster Schritt sein. „Die nun getroffene Einigung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber wir müssen diesen Weg konsequent weitergehen“, so der Vorsitzende der Volkshilfe Oberösterreich.
Grüne: „Einigung verdient ein knappes Genügend“
„Ein knappes „Genügend“ – mehr verdient diese Einigung leider nicht. Positiv ist, dass die zähen Verhandlungen endlich abgeschlossen werden konnten. Damit haben die gerade jetzt so geforderten Pflege- und Betreuungskräfte zumindest Klarheit über ihre kommende Entlohnung. Aber die Steigerung ist zu bescheiden und entspricht bei weitem nicht dem, was die Mitarbeiter leisten und was ihnen zustehen würde. Gerade in der jetzigen Krisenzeit stehen sie mit im Zentrum der Belastung und Verantwortung. Aber diese Einigung ist nicht unbedingt ein Zeichen der Wertschätzung“, kommentiert die Grüne Sozialsprecherin LAbg. Ulrike Schwarz die Einigung bei den KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft.


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