"Es braucht eine Strategie, damit das ständige Auf- und Zusperren der Wirtschaft ein Ende hat"
OÖ. Hohe Sorgen, aber auf Basis guter Vorzeichen – so fasst der Wirtschaftsbund OÖ die aktuelle Stimmung in der heimischen Wirtschaft zusammen. Obfrau Doris Hummer erwartet sich hier Signale von der Bundespolitik, das nicht nur Geld für das Krisenmanagement, sondern für die Zukunft in die Hand genommen wird.

Zehn Monate sind seit dem ersten Lockdown in Österreich vergangen, viele Betriebe mussten 13 von 40 Wochen schließen, im Schnitt ein Drittel des Geschäftsvolumens ist weggefallen, dazu kommen noch die Folgewirkungen. „Das zeigt die massive Betroffenheit quer durch alle Branchen“, so Wirtschaftsbund-Landesobfrau Doris Hummer.
IMAS-Umfrage: ein Drittel mit großen Sorgen
Laut aktueller IMAS-Umfrage, an der 600 österreichische Unternehmer teilgenommen haben, blickt mehr als ein Drittel der Unternehmer sorgenvoll in die Zukunft. „Im Herbst 2019 waren das zehn Prozent, jetzt sind es fast viermal so viel“, so Hummer. „Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen und mit Taten ausräumen.“
71 Prozent der Befragten sehen die Maßnahmen der Bundesregierung sehr bzw. einigermaßen richtig, vor allem der Umsatz-Ersatz für Betriebe wird als sinnvoll angesehen. „81 Prozent halten den Umsatzersatz für das richtige Instrument, natürlich: mit der Verlängerung der Krise schwindet auch die Freude massiv.“ Hummer ist aber überzeugt, dass die Instrumente des Bundes die unbürokratischsten sind, und „man kann der Regierung viel vorwerfen, aber nicht, dass sie bei den Hilfen nicht großzügig agiert hat, alleine mit der Kurzarbeit.“
Natürlich gebe es Ausnahmen bei der Zufriedenheit, und Details, die es zu beachten gebe. Etwa bei Mischbetrieben wie einer Bäckerei mit einem Café oder bei Neugründern, die keinen Umsatzvergleich zum Vorjahr haben. „Hier schauen wir uns jeden einzelnen Fall individuell an und versuchen, Lösungen zu finden“, versichert Wirtschaftsbund-Landesgeschäftsführer Wolfgang Greil.
Aus dem Krisenmodus kommen
Aber: Man könne helfen, aber die Pandemie nicht wegsperren. „Es braucht daher eine Strategie, damit das ständige auf- und zusperren der Wirtschaft ein Ende hat.“ Dazu gehöre eine flächendeckende Impf- und Teststrategie.
Und: Es müsse beim Krisenmanagement bestmögliche Planbarkeit geschaffen werden, gleichzeitig brauche es Maßnahmen, um wieder Fahrt aufzunehmen. Ich erwarte mir hier Signale von der Bundespolitik, das nicht nur Geld für das Krisenmanagement, sondern für die Zukunft in die Hand genommen wird“, so Hummer.
Investitionen fördern
Die Krise habe vor allem gezeigt, dass viele heimische Unternehmen eine viel zu geringe Eigenkapitaldecke hätten. Es brauche hier neue Instrumente für eine Stärkung der finanziellen Resilienz. „Wir brauen eine Politik, die Investitionen fördert, Innovationen ermöglicht, Eigenkapital schafft und unsere differenzierte Wirtschaftsstruktur stärkt“, fasst Hummer zusammen.
So schlägt der Wirtschaftsbund hier unter anderem einen Beteiligungsfreibetrag vor, als einen steuerlichen Anreiz für Investoren und private Anleger, in heimische Unternehmen zu investieren, „das wäre ein sofort umsetzbares Instrument, frisches Geld käme punktgenau dort an, wo es gebraucht wird.“
„Bremsklotz“ Fachkräftemangel
In der Arbeitsmarktpolitik brauche es ein Umdenken hin zu arbeitsplatznaher Qualifizierungsmaßnahmen. „Das Modell wird noch viel zu wenig genutzt, wir brauchen eine schnellere Vermittlung von Arbeitskräften, und parallel dazu Qualifizierung in den Unternehmen“, so Hummer, die auch auf duale Ausbildungsformen hinweist.
„Ich bin zu 100 Prozent überzeugt – und wir sehen das jetzt schon – das der größte Bremsklotz für den Aufschwung der Fachkräftemangel sein wird. Hier sind raschere Modelle der Qualifizierung gefordert“, so Hummer.
Weniger Bürokratie brauche es bei der Innovationsprämie, Export aber auch Regionalität müssten gestärkt werden. „Trotz Zuwachs beim Onlinegeschäft orten wir gleichzeitig einen Trend zu mehr Regionalität“, so Greil, seit Kurzem auch Bürgermeister der Gemeinde Katsdorf im Bezirk Perg. „Man merkt wie die Menschen wieder wertschätzen, was sie in ihrer Nähe haben. Wenn man der Krise schon etwas Positives abgewinnen kann, dann das“, so Greil
Zuversicht wächst
Trotz aktuell schwieriger Situation gebe es aber auch Grund für Optimismus: Mit der Investitionsprämie seien bereits 6 Milliarden Euro an Investitionen ausgelöst worden. Bei der Zahl der Neugründer gebe es leichte Steigerungen im Vergleich zu 2019, bei den Förderprojekten vom Land OÖ und der WKOÖ würde die WKOÖ pro Woche so viele Digitalisierungsprojekte begleiten wie 2019 im ganzen Jahr und trotz hoher Arbeitslosigkeit gebe es nach wie vor viele offenen Stellen in OÖ“, so die beiden Wirtschaftsbund-Vertreter.


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