Über 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze in der Pflege

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Nora  Heindl Tips Redaktion Nora Heindl, 17.03.2021 14:49 Uhr

OÖ. Egal, ob für die Pflege zu Hause oder für die Pflege in stationären Pflegeeinrichtungen – es braucht in den nächsten Jahren immer mehr Personal. Deshalb hat das Land Oberösterreich im Jahr 2019 eine Pflegeoffensive gestartet und seither die Anzahl der jährlichen Ausbildungsplätze verdoppelt. Im Jahr 2021 stehen damit mehr als 1.000 kostenlose Plätze in verschiedenen Lehrgängen zur Verfügung.

Insgesamt finanziert das Sozialressort heuer 36 Lehrgänge zum Fachsozialbetreuer Altenarbeit  (FSB „A“) sowie je zwei Lehrgänge für Gesundheits- und Kranken­pfleger und zwei für Pflegefachassistenz (PFA). Darüber hinaus stehen 14 Heimhilfe-Lehrgänge zur Verfügung, die teils vom AMS OÖ finanziert werden „Wir planen mit durchschnittlich 20 Plätzen pro Lehrgang. Bei 54 Lehrgängen im heurigen Jahr ermöglichen wir damit 1.080 Personen den Einstieg in eine kostenlose Pflegeausbildung. Bei Bedarf können die Plätze pro Lehrgang aber auch aufgestockt werden. Für die Finanzierung des gesamten Ausbildungsbereiches hat das Sozialressort rund 3,8 Millionen Euro budgetiert“, so Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPOÖ).

Aktuell absolvieren 1.323 Personen eine Ausbildung für einen Sozial- und Gesundheitsberuf in 76 Lehrgängen. 

Flexible Ausbildungsmöglichkeiten

Um möglichst viele Menschen für eine Pflegeausbildung begeistern zu können, brauche es auch auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmte Ausbildungsangebote. So gibt es mittlerweile verkürzte Kompakt-Ausbildungen oder Teilzeit-Ausbildungen für Menschen mit familiären Betreuungspflichten. Dem Modell Ausbildung & Anstellung liegt etwa ein Dienstverhältnis bei einem Heimträger im Stundenausmaß von 20 Wochenstunden zugrunde. Zehn Stunden davon werden als Arbeitsleistung absolviert, zehn Stunden stehen für die Ausbildung zur Verfügung.

Existenzsicherung während der Ausbildung

Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Existenzsicherung während der Ausbildung. Der größte Teil des Personals in der Altenarbeit sind Personen, die sich im Alter zwischen 30 und 40 Jahren umschulen lassen. Für diese Gruppe ist es besonders wichtig, während der bis zu dreijährigen Ausbildungszeit – auch wenn die Ausbildung kostenlos ist – ein Einkommen zu haben, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Neben dem Stiftungsmodell steht seit 1. Jänner 2019 auch das Fachkräftestipendium wieder zur Verfügung. In diesem Fall erhält man während der Ausbildung vom AMS eine Förderung zur Finanzierung des Lebensunterhaltes. Mindestbetrag: 31,70 Euro pro Tag.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es auch möglich, die Ausbildung über eine Arbeitsstiftung zu absolvieren. Dabei werden die Stiftungsteilnehmer während der Ausbildung von einer Altenbetreuungseinrichtung begleitet. Ziel ist es, nach der Ausbildung dort ein Dienstverhältnis zu begründen. Vom AMS erhalten die Teilnehmer eine Unterstützung für die Finanzierung des Lebensunterhaltes, mind. 27,26 Euro pro Tag. Zusätzlich wird an Stiftungsteilnehmer ein ausbildungsbedingter monatlicher Zuschuss von 200 Euro ausbezahlt.

Junge Menschen für den Pflegeberuf begeistern

Mit dem in OÖ konzipierten Pilotlehrgang „Junge Pflege“ im Herbst 2018 wurde es erstmals Jugendlichen ermöglicht, direkt nach dem Pflichtschulabgang eine Ausbildung als Fach-Sozialbetreuer Altenarbeit (FSB A) zu beginnen. Zuvor war das erst ab dem 17. Lebensjahr möglich. Die meisten Jugendlichen orientieren sich beruflich aber bereits nach dem Abschluss der Pflichtschule. Dadurch gingen viele sozial engagierte Jugendliche andere Wege und der beruflichen Tätigkeit in der Altenbetreuung verloren.

„Es freut mich sehr, dass diese neue Ausbildungsform den Praxistest erfolgreich bestanden hat und von den Jugendlichen positiv angenommen wird. Das Pilotprojekt startete 2018 mit einer Klasse in Linz. Im Jahr darauf konnte ein weiterer Lehrgang in Linz begonnen werden und zusätzlich startete in Ried ein neuer Standort. Zum Schulstart am 14. September 2020 wurden zwei neue Lehrgänge gestartet. Einer in Linz mit 28 Teilnehmern und ein weiterer am zusätzlichen Standort in Andorf mit einer Teilnehmeranzahl von zehn Personen. Insgesamt konnten wir bereits 86 Jugendliche für eine Ausbildung in der Altenbetreuung gewinnen“, so Sozial-Landesrätin und Initiatorin Birgit Gerstorfer.

Sie geht davon aus, dass im Herbst zwei neue Lehrgänge starten, einer im Innviertel und einer höchstwahrscheinlich in Linz. Zuvor werden im Juni die ersten Abgänger aus 2018 ihre Ausbildung in der Tasche haben.

Bewerbung für Pflegeberufe – „Sinnstifter gesucht“

Schon jetzt gibt es in einzelnen Alten- und Pflegeheimen einen Personalmangel, wodurch freie Pflegeplätze nicht belegt werden können. Die Corona-Pandemie werde die Situation noch weiter verschärfen. „Wir müssen deshalb alles tun, um für die Zukunft ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal zu gewinnen“, betont Gerstorfer. Die Vorteile einer Pflegeausbildung liegen für sie auf der Hand. „Es ist ein sehr sinnstiftender Beruf, mit einer sehr wichtigen Tätigkeit am Menschen. Zudem sind Arbeitsplatzsicherheit und mit 135 Alten- und Pflegeheimen auch Arbeitsplatznähe gegeben“, so Gerstorfer.

Mit der Kampagne „Sinnstifter“ soll das Image der modernen Altenarbeit gehoben und klar kommuniziert werden. Die aktuellen Berufsbilder mit all ihren Chancen sollen öffentlich noch stärker wahrgenommen werden, um kurzfristig Ausbildungsinteressierte zu gewinnen und langfristig ein positives Image für Berufe in der Altenarbeit aufzubauen. Auf www.sinnstifter.at finden sich alle Information zu den Ausbildungsmöglichkeiten sowie eine Übersicht der Lehrgänge, Infos zu den einzelnen Berufsbildern und die Kontaktadressen der Ausbildungsstätten und Praktikumsstellen. „Es braucht eine intensive Bewerbung, damit genügend Menschen in der Pflege und Betreuung arbeiten wollen. Gemeinsam mit dem AMS werden verstärkt Arbeitssuchende aller Branchen angesprochen und gemeinsam mit der SoNE – Soziales Netzwerk GmbH über die Vorteile eines Pflegeberufes beraten“, so die Landesrätin.

Attraktivere Arbeitsbedingungen und bessere Entlohnung für Pflegekräfte

Anfang 2019 hat die damalige türkis-blaue Bundesregierung verkündet, mit dem „Masterplan Pflege“ die dringend notwendige Reform des Pflegesystems anzugehen. Ziel war es, Ende 2019 ein fertiges Konzept samt zugehöriger Gesetze zu haben.  „Es ist höchst an der Zeit, dass der Sozialminister Gespräche mit Bundesländern, Städten und Gemeinden aufnimmt. Berufe in der Altenpflege und -betreuung müssen attraktiver gemacht werden. Menschen, die in diesem anspruchsvollen Tätigkeitsbereich arbeiten und diesen mit hohem Einsatz ausüben, verdienen unsere Wertschätzung und Anerkennung. Vor allem auch eine angemessene Bezahlung und die Verbesserung der oft schwierigen Arbeitsbedingungent“, so Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Corona habe wie ein Brennglas den Blick auf den Gesundheitsbereich offengelegt. Die Wertschätzung dürfe aber nicht nur in Applaus und Lob enden, sondern sich auch finanziell widerspiegeln. Die Arbeitsbedingungen könnten mit einer Aufstockung des Personals verbessert werden. Das alles sei aber eine Frage der Finanzierung.

OÖVP Hattmannsdorfer: „Neben weiteren Ausbildungs-Kursen braucht es neue Denkansätze in der Pflege“

„Es ist wichtig, alles zu tun, um ausreichend Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, denn der Personalbedarf wird auch in Oberösterreich weiter zunehmen“, begrüßt OÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer die präsentierte Fortführung der Ausbildungs-Kurse. Hattmannsdorfer verweist dabei auf Berechnungen des Landes, wonach allein in Oberösterreich in den nächsten 20 Jahren die Zahl der Pflegebedürftigen um 40.000 Personen zunehmen wird. „Es braucht daher im Sinne der Sicherung der Pflege nicht nur eine Neuauflage von Kursen, sondern auch neue Denkansätze, um zusätzliche Personengruppen zu begeistern“, steht für Hattmannsdorfer fest. „Die Deckung des Personalbedarf in der Pflege muss deshalb auch ein zentrales Thema bei der Pflegereform des Bundes sein. Wichtig ist, dass es jetzt möglichst schnell konkrete Ergebnisse gibt!“

„In Oberösterreich haben wir bereits viele Initiativen eingeleitet. Wir können aber nur dann ausreichend Pflegekräfte gewinnen, wenn auch der Bund in seinen Zuständigkeiten Lösungen auf den Tisch bringt“, so Hattmannsdorfer. „Ich bin daher froh, dass auf Bestreben Oberösterreichs die Einführung einer Pflegelehre im Regierungsprogramm des Bundes aufgenommen wurde. Entscheidend ist, dass die Pflegelehre jetzt auch rasch realisiert wird. Sie ist ein zentraler Baustein, um mehr junge Menschen für die Pflege zu gewinnen und um die bestehende Ausbildungslücke zwischen 15 und 17 Jahren zu schließen“, betont Hattmannsdorfer.

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