„Der Pakt für Linz konnte 4.500 Menschen ihren Job sichern“

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Klaus Luger: „Der Arbeitsmarkt ist nach Corona gespaltener denn je.“ (Foto: SPÖ Linz)
Jürgen Affenzeller Jürgen Affenzeller, Tips Redaktion, 22.06.2021 17:30 Uhr

LINZ. Über seine erneute Kandidatur als Bürgermeister, die weiterhin angespannte Situation am Arbeitsmarkt und die Chancen einer Volksbefragung um die umstrittene Ostumfahrung sprach der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) im Tips-Interview. 

Tips:Wie beschreiben Sie die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt? Der von vielen befürchtete Kollaps ist nicht eingetreten.

Klaus Luger: Der Arbeitsmarkt ist nach Corona zweigeteilter denn je. Auf der einen Seite Unternehmen, die Mitarbeiter suchen und sie nicht bekommen, weil Mitarbeiter mit diesen Ausbildungen fehlen, und auf der anderen Seite Menschen, die intensiv Arbeit suchen und keine bekommen, weil es für einen Job fünf Bewerbungen gibt. Die große sozialpolitische Aufgabe wird es ab jetzt werden, auf diese Menschen nicht zu vergessen. Der stärksten Unterstützung bedürfen dabei die Frauen und Männer, die bereits länger als ein Jahr auf Arbeitssuche sind. Menschen dürfen nicht das Gefühl bekommen, von der Gesellschaft im Stich gelassen zu werden, das wäre ein fatales Zeichen.

Tips: Was konnte der sogenannte „Pakt für Linz“ dazu beitragen?

Luger: Insgesamt kann man sagen, dass die 65 Millionen Euro, die die Stadt und die Linz AG zusätzlich investiert haben, dazu geführt haben, dass rund 4.500 Arbeitsplätze gesichert werden, die ohne diese Investitionen nicht wären. Das heißt, wir haben verhindert, dass die Arbeitslosigkeit um 50 Prozent höher liegt.

Tips: In Wien greift man für Gesundheitsberufe das heikle Thema der Impfpflicht auf. Ein Thema auch in Linz?

Luger: Für die Berufe, die der Magistrat oder die Linz AG anbietet, stellt sich diese Frage ohnehin nicht, weil dies auch verfassungsrechtlich nicht möglich wäre. Das Land OÖ hat sich auch dagegen entschieden, in Krankenhäusern nur mehr neue Mitarbeiter einzustellen, die auch geimpft sind. Ich habe großes Vertrauen in die Eigenverantwortung von Menschen und hoffe nicht, dass wir in Oberösterreich zu solchen Zwangsmaßnahmen greifen müssen.

Tips: 2015 lag eine Volksbefragung zum Abriss der Eisenbahnbrücke dem Wahlzettel der Gemeinderatswahl bei. Warum ist das 2021 nicht beim Thema Ostumfahrung in Linz denkbar?

Luger: Es werden bereits Unterschriften gesammelt für eine solche Volksbefragung, ich gehe davon aus, dass es diese auch geben wird. Die Ostumfahrung in der jetzt geplanten Form ist für Ebelsberg und Pichling tatsächlich negativ. Meine persönliche Meinung war immer so, wenn das nicht wie in Graz beim Plabutschtunnel gelöst werden kann, wird diese Ostumfahrung in Linz nicht realisierbar sein, weil die Bevölkerung das mehrheitlich nicht mag. Eine Autobahn durch den Schiltenberg ist tatsächlich nicht aktuell.

Tips: In Sachen Klimafitness hat man in der Stadt, verglichen mit der Situation noch 2019, doch einiges auf Kurs gebracht. Was ist für Sie am Wichtigsten von den eingeleiteten Maßnahmen?

Luger: Ich gebe zu, auch mein Bewusstsein über den Klimawandel hat sich in den letzten fünf Jahren massiv verändert. Man kann es aber nicht auf Einzelmaßnahmen reduzieren. Wir brauchen Begrünungen, wobei hier mindestens so entscheidend sein wird, die Dächer in Zukunft wirklich zu begrünen. Man kann auf Dächern Gärten für die Bevölkerung anlegen und generell noch sehr viel verbessern, damit auch gegen die Hitze etwas getan werden kann und auch in einer dicht verbauten Stadt zusätzliche Grünflächen zu schaffen.

Tips: Die Frage wird auch für den Industrie- und Wirtschaftsstandort Linz eine ganz entscheidende sein.

Luger: Wirtschaftlich entscheidend wird dabei die Co2-Reduktion sein. In der Industriestadt Linz hängen die Perspektiven davon ab, inwieweit wir es schaffen, die Wasserstofftechnologie für unsere Industrie zu nützen. Das gilt für eine voestalpine, für Borealis im Besonderen, aber auch für unsere Maschinenbauer. Wir haben alle Methoden bereit, um Stahl weitgehend Co2-neutral zu erzeugen, wir brauchen nur die Rahmenbedingungen und natürlich auch die Unterstützung der EU und der Bundesregierung, um diese Produktion marktfähig zu machen.

Vielleicht gelingt uns das Gleiche wie mit dem LD-Verfahren, das bis zum heutigen Tag die prägende Art der Stahlproduktion ist, die voestalpine hat die DNA für Innovation. Die nächste Generation wird es schaffen, diese Industriestadt mit dem Klimaschutz als wirtschaftliches, gemeinsames Projekt zu bewältigen. Dann haben wir über Jahre und Jahrzehnte wieder einen ökonomischen Vorteil.

Tips: Ihre konkreten Ziele bei den Wahlen am 26. September?

Luger: Vom Wahlergebnis erhoffe ich mir eine stärkere Position der SPÖ, wir haben in den letzten sechs Jahren gemeinsam gut gearbeitet haben in der Stadtregierung und viele Maßnahmen tragen eine SPÖ-Handschrift.

Man wird nicht für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft gewählt. Ich glaube an unseren Weg, für Klimaschutz und Industrie und für eine Gesellschaft einzutreten, in der sich alle an die Regeln halten und möglichst viel an Freiheit gegeben ist. Wir wollen nicht in einer Stadt der Bevormundung leben. Ich glaube, dass das viele Linzer für sich das auch so wünschen, deshalb bin ich auch optimistisch, dass die SPÖ gestärkt wird. Wenn ich als Bürgermeister kandidiere, wünsche ich mir auch wieder gewählt zu werden.

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