Haimbuchner: „Die wichtigste Gemeinschaft neben der Familie ist die Gemeinde“
LINZ/OÖ. Im Tips-Interview spricht FPÖ-Landesvorsitzender und Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner über die Herausforderungen für die nächsten Generationen und die persönlichen Ziele für die Landtagswahlen am 26. September.

Tips: In Ihrer aktuellen Kampagne „Sicherheit für Generationen“ sprechen Sie unter anderem die soziale Sicherheit für die nächsten Generationen an. Was verstehen Sie darunter?
Manfred Haimbuchner: Wir wollen das Thema Sicherheit ganzheitlich denken. Normalerweise verbindet man mit Sicherheit sichere Grenzen und Sicherheit vor Kriminalität. Die Sicherheit für Generationen hat durch die Coronakrise eine neue Bedeutung bekommen. Im Bildungswesen wird einiges aufzuholen sein, und über die Thematik, wer die finanzielle Last tragen wird, werden wir uns noch länger unterhalten.
Unsere Meinung als FPÖ ist, wir müssen alles tun, um den Standort OÖ zukunftsfit zu machen und in die Infrastruktur, damit verstehe ich Straße und Schiene, aber vor allem auch die digitale Infrastruktur, investieren. Wir werden die soziale Sicherheit nur sicherstellen können, wenn Menschen einen Arbeitsplatz haben, wo sie etwas verdienen können. Soziale Sicherheit beginnt in der Bildung, geht weiter über den sicheren Arbeitsplatz und dann zu einer fairen Altersvorsorge.
Tips: Wie können die Pensionen für Generationen gesichert werden?
Haimbuchner: Unser Anliegen muss es sein, im Erwerbsleben gesund zu bleiben. Das würde eine Entlastung für den öffentlichen Haushalt bedeuten. Es gibt auch Menschen, die länger arbeiten wollen. Wir haben in Österreich mit dem Umlageverfahren einen Generationenvertrag. Wenn man nicht darauf achtet, dass die Menschen gesund bleiben und länger arbeiten können, wird es nicht mehr funktionieren. Außer man schießt noch mehr zu und hier sind wir wieder bei dem Thema: Wer kann sich das leisten? Das kann man sich nur leisten, wenn der Standort funktioniert und die Leute Arbeit haben, von der sie leben können.
Tips: Was kann man tun, um Menschen länger im Erwerbsleben zu halten?
Haimbuchner: Einerseits die Bürger auffordern, ihre Vorsorgeuntersuchungen zu machen, und andererseits das Gesundheitssystem bedarfsorientiert ausbauen. Die Rahmenbedingungen und die Arbeitsbedingungen müssen passen, damit die Mediziner in OÖ bleiben. Wenn man als Beispiel keinen Landarzt hat, können viele Dinge nicht sichergestellt werden – auch die Pflege nicht.
Tips: Was ist Ihnen in den letzten Jahren besonders gut gelungen?
Haimbuchner: Wir sind Staatsmeister im Bereich der Sanierung und der Nachhaltigkeit und wir hatten die zweitgeringste Steigerung der Mietpreise laut Statistik Austria. Im Bereich der Infrastruktur wurde und wird vieles realisiert – vom S-Bahn-System über die Attraktivierung der Nebenbahnen bis zu den Brückenbaustellen in Linz. Wir haben unsere politischen Wertevorstellungen umgesetzt wie die Verknüpfung der Deutschkenntnisse mit der Wohnbauförderung. Wir haben gezeigt, dass wir uns durch das Tun auszeichnen.
Tips: Wie lief und läuft die Zusammenarbeit mit der ÖVP?
Haimbuchner: Wir arbeiten hervorragend mit der ÖVP zusammen. Ohne Zusammenarbeit und manchmal auch Zusammenstreiten geht gar nichts. Die Leute erwarten, dass man Dinge umsetzt. Das ist in der Landespolitik anders spürbar als in der Bundespolitik. Da sagt einem der Bürger auch noch, was er sich denkt.
Tips: Was sagen Sie FPÖ-Wählern, die Sorge aufgrund der neuen Parteispitze haben?
Haimbuchner: Dass die Freiheitliche Partei kein Anbetungsverein von Personen ist, sondern eine klare Wertestruktur hat und dazu da ist, für die Bürger zu arbeiten. Die Gemeinschaft einer Partei lebt von den Idealisten, von den Funktionären vor Ort und von Programmen, die man realisiert, und nicht von Fernsehdiskussionen. Die wichtigste Gemeinschaft neben der Familie ist die Gemeinde.
Tips: Warum sollen junge Menschen und Erstwähler die FPÖ wählen?
Haimbuchner: Über Jahrzehnte wurde über Junges Wohnen gesprochen. Ich habe dafür Sorge getragen, dass junge Leute leistbare Wohnungen in Anspruch nehmen können. Und wir nehmen ihre Sorge um die Sicherheit ernst. Sicherheit, Freiheit und dass man in Frieden leben kann, ist nicht selbstverständlich. Das muss man sich jeden Tag erkämpfen und erarbeiten. Wir nehmen die Umwälzungen im Staat ernst und wollen diese so nicht.
Tips: Für welches Thema brennen Sie besonders?
Haimbuchner: Ich brenne besonders für das Thema Energie und die Energiewende, wo so vieles versprochen wird. Man übersieht vollkommen, dass all das auf dem Rücken des Standorts und des Wohlstands für zukünftige Generationen ausgetragen wird. Die Wahrheit schaut so aus, dass wir auch in den nächsten Jahrzehnten noch fossile Energieträger und Gas benötigen – für eine sichere Energieversorgung. Die Energiewende, die notwendig ist, muss mit Vernunft und Hausverstand erfolgen.
Tips: Wie lautet Ihr Wahlziel für die Landtagswahl?
Haimbuchner: Zweitstärkste Kraft bleiben, über 20 Prozent erreichen und mit zwei Regierungsmitgliedern dieses Bundesland wieder mitbestimmen. Das ist mein Plan.


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