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Online Redaktion, 23.11.2022 18:25

LINZ. Linzer Familien sind nach zwei Jahren Pandemie und einer Teuerungswelle zunehmend von einer Zwangsräumung der Unterkunft bedroht. Die städtischen Sozialberatungsstellen „Kompass“ konnten und können bei einer drohenden Delogierung helfen. Auch bei sonstigen finanziellen Notlagen bieten sie eine Anlaufstelle.

Fälle von Familien, die mit Delogierung konfrontiert sind, nehmen zu. (Foto: Rafael Ben-Ari/Chameleons Eye/stock.adobe.com)

Der Erhalt von leistbarem Wohnraum war heuer eine zentrale Aufgabe der städtischen Sozialberatungsstellen „Kompass“, auch im kommenden Jahr 2023 werde dies so bleiben. Die Corona-Krise schlug sich auch in der Sozialberatung mit gestiegenen Anfragen aus existenzieller Not und Zukunftsängsten nieder. Viele Linzer seien aufgrund der hohen Inflation und der allumfassenden Teuerung in einer finanziellen Notlage, berichten die Beratungsstellen. 

Kompass: kostenlos, vertraulich, anonym

„Kompass“ bietet Personen ab 18 Jahren eine Anlaufstelle für Problemlagen. Linzer mit Bedarf an Beratung, Unterstützung, Versorgung oder Pflege können sich an die Sozialberatungsstellen wenden, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Das Beratungsangebot ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Auch Hausbesuche führen die Kompass- Mitarbeiter durch. Kompass-Standorte sind das Neue Rathaus mit einer eigenen Beratung für Delogierungsprävention und für existenzbedrohende Schulden, das Seniorenzentrum Franckviertel, das Seniorenzentrum Neue Heimat sowie das Stadtteilzentrum Auwiesen. 

150 Familien vor der Obdachlosigkeit bewahrt

Vor allem Beratungen im Bereich Delogierungsprävention war im vergangenen Jahr gefragt. 150 Familien konnte bei drohender Zwangsräumung der Unterkunft geholfen werden – dank der städtischen Hilfe wurde keine einzige Familie davon obdachlos.

Mehr als 170 Linzer Familien waren im Zeitraum von Jänner bis September 2022 mit Delogierungsterminen konfrontiert. Die Kompass-Mitarbeiter stellten zu 125 Familien Kontakt her. Hier ist ein Anstieg gegenüber dem Jahr 2021 erkennbar, in dem 135 Familien Delogierungstermine erhielten und 114 Kontakte hergestellt werden konnten. Bei den Zwangsräumungen der Unterkünfte ist ebenfalls ein Zuwachs ersichtlich: von 7 Delogierungen im Jahr 2021 auf 22 im heurigen Jahr von Jänner bis September. Durch die Unterstützung von Sozialarbeitern wurde jedoch keine der Familien obdachlos, Wohnungsalternativen konnten gefunden und bezogen werden.

Kooperationen mit sozialen Einrichtungen

Die Sozialarbeiter stehen in Kontakt mit Wohnungsgenossenschaften und Vermietern und arbeiten mit geldgebenden Stellen zusammen. Ebenfalls informieren die Sozialarbeiter über Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, wie den Sozialverein B37, den Verein Arge für Obdachlose oder den Verein Wohnplattform.

„Kompass erarbeitet gemeinsam mit den Betroffenen Lösungswege“

„Bei Delogierungsmeldungen an Familien versucht die Sozialberatungsstelle immer direkt einen Kontakt mit den Betroffenen herzustellen, um der drohenden Obdachlosigkeit zu entgehen“, so die Linzer Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. „Kompass bietet Rat, Unterstützung und Hilfe bei finanziellen Schwierigkeiten und erarbeitet gemeinsam mit den Betroffenen mögliche Lösungswege. Durch den Einsatz und das Engagement der Mitarbeitenden können viele Probleme gelöst und neue Perspektiven aufgezeigt werden“, so Hörzing.

Seit Jänner 2020 unterstützt die Stadt Linz mit dem Kautionsfonds Betroffene, die ansonsten nicht in der Lage wären, die Mittel für eine Wohnungskaution selbst aufzubringen. Der Linzer Sozialfonds bietet Unterstützung in sozialen Notlagen.


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