Linzer Bürgermeister: "Um wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben zu können, braucht es rasch Maßnahmen"
LINZ. Durch den hohen Anteil an qualifizierten Industrie-, IT- und Technikarbeitsplätzen ist die Linzer Wirtschaft besonders stark vom Arbeitskräftemangel betroffen. 5.800 Arbeitskräfte fehlen alleine im Arbeitsmarktbezirk Linz. Noch drastischer sieht es am Lehrstellenmarkt aus. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger sieht raschen Handlungsbedarf und schlägt dazu sieben Maßnahmen vor.

Die Stellenandrangsziffer gibt an, wie viele Arbeitssuchende auf eine offene Stelle kommen, derzeit liegt diese für den Arbeitsmarktbezirk Linz bei 1,2. Im Zehnjahresvergleich war der Wert nur einmal - im Vorjahr - niedriger: 2022 kam auf eine offene Stelle ein Arbeitssuchender.
Bei den Lehrstellen gab es im Arbeitsmarktbezirk Linz mit Stand Ende Juni 279 offene Lehrstellen, aber nur 74 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle. Einem Lehrstellen-Suchenden stünden somit - theoretisch - vier Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Aufträge wandern ins Ausland
Linz und sein Umland liegen mit 29 Milliarden Bruttowertschöpfung und mehr Arbeitsplätzen als Einwohner an der Spitze der österreichischen Wirtschaftsräume. Luger sieht den Wirtschaftsstandort jedoch bedroht: „Aufträge, die unsere Firmen aufgrund des Arbeitskräftemangels nicht ausführen können, landen im Ausland, vor allem im südlichen Deutschland. Sind die Aufträge einmal verloren, sind sie nur schwer zurückzuholen.“ Zudem könne man mittlerweile nicht mehr von einem Fachkräftemangel sprechen, es seien nicht mehr nur hochqualifizierte Kräfte, die fehlen würden. Die Bevölkerung spüre bereits die Auswirkungen – wenn Gastrobetriebe aufgrund von Personalmangel schließen oder ihre Öffnungszeiten einschränken zum Beispiel.
Man werde den Arbeitskräftemangel nur durch eine geringe Teilzeitquote, klar geregelte Zuwanderung und weitere Lehrlingsoffensiven bewältigen können, so der Linzer Bürgermeister.
Bürgermeister Klaus Luger schlägt sieben Maßnahmen vor
Er schlägt nun sieben Punkte zur Bekämpfung des Mangels vor. Etwa ein Kombi-Modell zur Anwerbung von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern nach finnischem und schwedischem Vorbild. Dieses sieht sechs Monate Teilzeit-Beschäftigung bei einem heimischen Arbeitgeber vor, die restliche Zeit wird für bundesfinanzierte AMS-Ausbildungsmaßnahmen genutzt, für Sprach- und Integrationskurse. Nach einem Jahr erfolgreicher Integration soll eine Zuzugsmöglichkeit für die nähere Familie des Arbeitnehmers bestehen.
Auch die Einbürgerungsverfahren von in Österreich lebenden Ausländern sollte aus Lugers Sicht beschleunigt werden, der Familiennachzug erleichtert. Dies könne auch eine Möglichkeit zur Gewinnung von Lehrkräften darstellen, meint er.
Bessere Rahmenbedingungen für ausländische Arbeitskräfte
Generell müsse es ausländischen Arbeitskräften erleichtert werden, in Österreich zu arbeiten. Darunter falle eine einfachere Anerkennung von Ausbildungen aus dem EU-Raum und die Öffnung der Rot-Weiß-Rot-Karte für alle Berufe inklusive realistischer Einkommenshöhen. Andere Länder würden bereits aktiv im Ausland Fachkräfte anwerben, Österreich tue hier noch zu wenig. Weitere Maßnahmen auf Bundesebene müssten sein, Vollzeit-Einkommen steuerlich zu bevorzugen und Pensionisten das Weiterarbeiten durch steuerliche Entlastung zu erleichtern. Letzteres fordert auch Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, der Vorschlag liegt derzeit bei einer Arbeitsgruppe des Bundes.
Massive Ausweitung der Kinderbetreuung im ländlichen Raum gefordert
Als letzten Punkt führt Luger an, dass die Kinderbetreuung in den ländlichen Gegenden massiv ausgeweitet werden müsse. „Um wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben zu können, braucht es rasch überregionale, bundespolitische Maßnahmen“, so der Bürgermeister. Die Stadt Linz gehe bereits mit gutem Beispiel voran, etwa mit dem neuen Business Immigration Office oder der Tätigkeit als großer Lehrlingsausbildner. Alleine als Kommune könne man dem Arbeitskräftemangel jedoch nicht ausreichend entgegenwirken.


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