Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

AMS-Chefin Iris Schmidt: „Kurzarbeit wurde geschaffen, um Arbeitslosigkeit zu verhindern“

Alexandra Mittermayr, 11.09.2023 15:54

LINZ/OÖ. Im Tips-Interview spricht die Landesgeschäftsführerin des AMS Oberösterreich (OÖ), Iris Schmidt, über den aktuellen Arbeitsmarkt.

 (Foto: Starmayr the art of Photogrphy)
(Foto: Starmayr the art of Photogrphy)

Tips: Welche Entwicklungen sehen Sie aktuell am Arbeitsmarkt?

Iris Schmidt: Ich erkenne ein verändertes Verhalten der Unternehmen bei Freistellungen. Die Demografie fängt an zu greifen und die Statistiken haben eine Facette noch nicht berücksichtigt: Wenn wir von Babyboomern sprechen, dann reden wir von Menschen, die mit 15 auf den Arbeitsmarkt gekommen sind. Das passiert jetzt in den seltensten Fällen. Was wir auch sehen, ist, dass etwa 30 Prozent der Menschen nicht direkt aus dem unmittelbaren Erwerbsleben in die Pension gehen. Darum stellen viele Unternehmen keine Arbeitskräfte mehr frei, aus Angst, keine mehr zu bekommen.

Tips: Gibt es branchenspezifische Sonderentwicklungen?

Schmidt: Früher hat es oft eine ganze Branche getroffen. Jetzt merken wir, dass es innerhalb der Branche nicht ganz so homogen ist. Es hängt davon ab, wie die Unternehmen aufgestellt sind, wie viele Standbeine sie haben. Wir hören zum Beispiel aus der Baubranche überall dort von Absatzproblemen, wo der Endkonsument die Teuerung spürt.

Tips: Kann man die gemeldeten Arbeitslosen mit den offenen Stellen matchen, funktioniert das?

Schmidt: Wir publizieren monatlich die Anzahl an arbeitslosen Personen. Das sind jedoch nicht dieselben Personen, die im vorigen Monat arbeitslos waren. Wir haben in OÖ einen Sockel an 3.000 bis 3.500 Langzeitarbeitslosen. Diese haben schwere, gesundheitliche Einschränkungen und wären vor der Pensionsrechtsreform 2014 in die Berufsunfähigkeitspension gegangen. Dieser Zugang wurde verschärft, und das trifft manchmal die Falschen. Hier braucht es viel, bis die Menschen wieder eingeschränkt arbeiten können: andere Qualifizierungen, eine Umorientierung, psychosoziale Unterstützung und einen Dienstgeber, der die Möglichkeit gibt, langsam Fuß zu fassen.

Tips: Man hört immer von „sinnbefreiten“ Schulungen …

Schmidt: Hier ist viel Mythos dahinter. Es gibt Unterschiede in der Wahrnehmung, was eine Person an Weiterqualifizierung benötigt. Wir versuchen, so treffsicher wie möglich zu sein, haben keine Massenkurse mehr. Wir übernehmen die Basisausbildung und dann geht es über in die arbeitsplatznahe Qualifizierung, bei der wir stark mit den Unternehmen zusammenarbeiten.

Tips: Kritik gab es zuletzt, weil das AMS keine Kurzarbeit gewährt hat.

Schmidt: Kurzarbeit wurde geschaffen, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Wir haben jetzt einen Arbeitsmarkt, wo die Menschen nicht oder nicht lange arbeitslos werden, weil Alternativangebote vorhanden sind. Wenn ich die vorübergehende wirtschaftliche Notwendigkeit nicht feststellen kann, was heißt das dann per se für diesen Menschen? Er wird in einem Arbeitsverhältnis geparkt und wir wissen nicht, ob dieses Parken am Ende nicht ohnehin in die Arbeitslosigkeit mündet. Die Einzelperson muss sich Kurzarbeit in Zeiten enormer Inflation auch leisten können.

Tips: Die geringfügige Beschäftigung zur Arbeitslosigkeit stößt sauer auf, wenn Personen damit in Summe mehr verdienen als in einem Beschäftigungsverhältnis.

Schmidt: Auf die Personen, die im System „tanzen“, wird schon sehr lange fokussiert. Es erfolgte jetzt eine Normierung im System: Wenn eine Person geringfügig arbeitet, dann wird der Dienstgeber angerufen und über eine Vollversicherung gesprochen. Es liegt auch nicht immer an den arbeitslosen Personen. Viele Unternehmen arbeiten deshalb mit Geringfügigen, weil sie sonst die Stunden nicht abdecken können. Auch als Eingliederungsphase aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen kann Geringfügigkeit durchaus gescheit sein.

Tips: 2024 wird das AMS aufgrund von voraussichtlich geringeren Arbeitslosenzahlen mit weniger Budget auskommen müssen. Wo wird der Schwerpunkt liegen?

Schmidt: Unsere oberste Aufgabe ist es, arbeitslosen Menschen die Existenzsicherung zu gewähren, und zu vermitteln. Wir arbeiten auch mit Künstlicher Intelligenz und haben das gesamte Berufsinformationssystem in einen Chatbot gegossen. Im Herbst werden wir die ersten Pilotversuche starten.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Vorläufiger Stopp für Rindertransporte über Linzer Flughafen

Vorläufiger Stopp für Rindertransporte über Linzer Flughafen

LINZ/HÖRSCHING/WIEN. Nachdem Transporte von Rindern aus Ungarn über den Linzer Flughafen nach Turkmenistan für Aufregung sorgten, hat das ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
35 Millionen Euro investiert: Maximarkt Linz eröffnet nach Modernisierung komplett

35 Millionen Euro investiert: Maximarkt Linz eröffnet nach Modernisierung komplett

LINZ. Der Maximarkt in Linz-Wegscheid wurde modernisiert. Am Freitag, 9. Oktober, findet die Gesamteröffnung statt. 35 Millionen Euro wurden ...

Tips - total regionalBrandstetter Olivia
Linzer Stadtsenat befasst sich am 15. Oktober mit Sicherheit

Linzer Stadtsenat befasst sich am 15. Oktober mit Sicherheit

LINZ. Die vier Arbeitsgruppen, die im Rahmen des Linzer Sicherheitsgipfels eingesetzt wurden, stellen ihre Ergebnisse am Donnerstag, 15. Oktober, ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Reinigungsfirma in Salzburg: Tipps von SCC OG für Unternehmen

Reinigungsfirma in Salzburg: Tipps von SCC OG für Unternehmen

Ö. Ob Büro, Hotel oder Gastronomiebetrieb, für Unternehmen in Salzburg kann ein reibungsloser Ablauf der Reinigung den Unterschied ausmachen. ...

Tips - total regionalAnzeige
Ostumfahrung Linz: Umweltbericht empfiehlt stadtnahen Korridor

Ostumfahrung Linz: Umweltbericht empfiehlt stadtnahen Korridor

LINZ. Die geplante Ostumfahrung soll die A7 entlasten. Der Umweltbericht empfiehlt dafür einen stadtnahen Korridor. Der genaue Verlauf der Straße ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Günstiges Smart Home: Smart Dome Solutions e.U. gibt Einstiegstipps

Günstiges Smart Home: Smart Dome Solutions e.U. gibt Einstiegstipps

Ö. Wer sein Haus automatisieren will, landet meist zuerst im Elektromarkt oder in einem Online-Shop – und wenig später bei einer Sammlung ...

Tips - total regionalAnzeige
Weitere Beiträge