Der ewige Konflikt um die Parkplatzsituation in Linz
LINZ. Parkplätze sind in Linz ein emotionales Thema. Warum sich in Oed Anrainer für und in Urfahr gegen Kfz-Stellplätze einsetzen und wie Städte den „Parkdruck“ senken können – wenn sie wollen.

In der Europastraße in Oed baut die Wohnungsgesellschaft WAG ab 2025 zwei Wohnhäuser. Die Initiative „Lebenswertes Oed“ befürchtet, dass sich die prekäre Parksituation dadurch weiter verschärft und sammelt Unterschriften, um sich Gehör zu verschaffen, mehr als 830 sind es laut einer Sprecherin der Initiative mittlerweile.
Mangel an Alternativen
Tips hat mit Anrainern gesprochen, und auch gefragt, ob sie aufs Auto verzichten und stattdessen die Buslinie 25 nutzen könnten, die in der Europastraße hält. Frau Weinberger etwa ist Pensionistin und nutzt den Bus bereits, wenn sie auf einen Kaffee in die Stadt fährt, aber: „Ich habe es für einen Termin bei den Barmherzigen Schwestern ausprobiert. Mit dem Auto habe ich für einen Weg 15 Minuten gebraucht, mit dem Bus war es eine Stunde.“ Laut Online-Fahrplanauskunft dauert die Fahrt mit Umsteigen rund 30 Minuten, Wartezeiten sind aber nicht mit eingerechnet, ebenso wenig, dass eine ältere Person für einen Teil der Strecke zu Fuß etwas länger brauchen könnte.
Und wenn es mit dem Bus nur 15 Minuten dauern würde? Dann nähme Frau W. gerne öfter die Öffis in Anspruch, sagt sie. Eine weitere Anrainerin, die anonym bleiben möchte, meint, dass sich einige Bewohner des Viertels in der Nacht unwohl fühlen würden und daher in Wohnungsnähe parken möchten. Sie selbst sei berufstätig, und nehme lieber das Auto als den Bus, wenn sie zur Arbeit oder zu Terminen müsse.
Schildbürgerstreich in Urfahr
In der Urfahraner Heindlstraße nimmt das Parken indes kuriose Formen an: Autos stehen dort mitten am Gehsteig – und das legal. Für die Kinder auf dem Weg zur nahe gelegenen Volksschule heißt es dann: ab auf die Straße, um auszuweichen. Anrainer Martin W. hat sich an die zuständige Behörde gewandt, welche die Park-Genehmigung auf dem Gehsteig mit „hohem Parkdruck“ begründet. Auch sei der Bereich eine Sackgasse und der Verkehr dadurch gering. Für Herrn W. ist das kein Argument, erstens würden dort häufig Autos mit Kennzeichen aus Umlandgemeinden parken und zweitens könne „Parkdruck“ nicht der ausschlaggebende Faktor in der Gestaltung des innerstädtischen Miteinanders sein.
Unterstützung erhält er von den Linzer Grünen: „Diese völlig falsche Prioritätensetzung ist nicht zu akzeptieren. Her mit dem Gehsteig, weg mit dem Parkplatz muss die Devise lauten“, so Klubobmann Helge Langer.
Wie dem „Parkdruck“ begegnen?
Wie hoch der „Parkdruck“ in einer Stadt ist, hat viele Faktoren: sind die Öffis zuverlässig sowie schneller und bequemer, nutzen weniger Menschen das Auto. Auch eine gut ausgebaute Radinfrastruktur kann die Parkplatz-Nachfrage senken. Ein Hebel sind auch die Kosten für Stellplätze, in Paris etwa werden die Parkgebühren für SUVs verdreifacht – allerdings nur für Nicht-Pariser. Die KP schlug mit ihrem Gemeinderatsantrag für ein neues Bewohnerparkkarten-Modell in Linz, welches die Fahrzeuggröße berücksichtigt, in eine ähnliche Kerbe. Mehrheitliche Zustimmung gab es dafür keine. Städte können auch radikal Innenstadt-Parkplätze streichen, wenn sich eine politische Mehrheit dafür findet.
Wo ein Wille, da ein Weg?
Die vielleicht wichtigste Frage ist nämlich, was politisch gewollt ist. Laut Planungsstadtrat Dietmar Prammer (SP) will man in Linz, wie er bei einer Pressekonferenz zum Innenstadtkonzept sagte, „den motorisierten Individualverkehr möglichst rausbringen“ und auch Parkplätze reduzieren. Der Linzer Mobilitätsreferent Martin Hajart (VP) sieht die Zukunft des Parkens in mehr Tiefgaragenparkplätzen und digitalen Leitsystemen, die den Parkplatz-Suchverkehr eindämmen sollen. Die Linzer FP vertritt den Standpunkt, dass Tiefgaragenplätze nicht für jeden leistbar seien und man das Angebot nur dann kürzen sollte, wenn Alternativen geschaffen werden.
Einig waren sich die Parteien der Stadtregierung im Gemeinderat darin, dass es einen Park-and-Ride-Ring rund um Linz braucht. Gescheitert ist das bislang vor allem an der Finanzierungsfrage: Ist der politische Wille da, besteht darin meist die nächste Hürde.
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