Tips-Sommergespräch: Auf einen Kaffee mit Georg Redlhammer
LINZ. Seit 2021 sitzt Georg Redlhammer für die Neos im Linzer Gemeinderat. Im Sommergespräch mit Tips sprach er über deren Rolle in der Stadt Linz, politische Fouls und wie es um die Barrierefreiheit in Linz steht.

Tips: Wie sind Sie in die Politik gekommen?
Redlhammer: Begonnen hat das vor der letzten Landtagswahl im Frühjahr 2021, als sich die Neos Linz aufgrund von Unregelmäßigkeiten vom damaligen Vorsitzenden getrennt haben. Ich hab mich damals neu orientiert und lange hin und her überlegt - und mich dann dazu entschlossen als absoluter Quereinsteiger in die Politik zu gehen. So bin ich im Vorwahlkampf dann gleich in das kalte Wasser geschmissen worden, hab aber dann tatsächlich geschafft, dass wir als stärkste Fraktion unter den Kleinparteien hervorgingen, sogar eine Fraktion mit über 4.000 Stimmen wurden und damit zwei Gemeinderäte stellen konnten.
Und dann hat die Arbeit im Novembereigentlich erst begonnen. Ich bereue meine Entscheidung überhaupt nicht. Denn mein Credo, was ich meinen Kinder zu Hause und meinen Studenten an der FH immer vermittle, ist: „You can make the difference“.
Tips: Welche Funktion ordnen Sie den Neos in Linz zu?
Redlhammer: Aktuell sieht man, was unsere Rolle ist – wir nehmen die Transparenz in Linz in die Zange. Wir sind zwei Gemeinderäte: Stefan Burgstaller ist junger Student, hat gerade ein Start-Up gegründet und hat den Puls der Zeit bei den Jungen. Ich als 57-jähriger Familienvater, international erfahrener Manager und Behinderter, nehme Linz und die Probleme ganz anders wahr. Gemeinsam bilden wir die Stadt ab. Wir sind zwei Menschen, die den Unterschied machen.
Tips: Im Zuge des Liva-Skandals haben Sie sich nicht zu den Vorwürfen bezüglich Doris Lang-Mayerhofer geäußert – weshalb nicht?
Redlhammer: Ich hab das als politisches Foul empfunden, weil das sehr stark ablenkt von der großen Verantwortung, die eigentlich die SPÖ bzw. der Bürgermeister trägt. Ich bin kein Feind vom Bürgermeister, wir verstehen uns sehr gut. Aber es gibt Dinge, die tut man nicht. Mir kommt das alles sehr konstruiert vor, weil man jetzt noch dem politischen Mitbewerber eines auswischen will. Ich kenne den Compliance-Bericht nicht, auf den sich das bezieht, ich kenne nur den Kontrollamtsbericht – diesen interpretiere ich nicht, sondern kommentiere ihn. Ich urteile nicht, sondern ich beurteile - das ist ganz wichtig. Daher kommentiere ich dieses Thema um Stadträtin Lang-Mayerhofer nicht: weil ich es nicht kenne.
Tips: Was erwarten Sie sich nun von Bürgermeister Klaus Luger?
Redlhammer: Der erste Schritt ist einmal getan, dem Treiben wurde ein Ende gesetzt. Was ich mir nun erwarte vom Bürgermeister, ist, dass lückenlos aufgeklärt und alles transparent kommuniziert wird. Außerdem muss überdacht werden, wie der Aufsichtsrat künftig seine Rolle so wahrnehmen kann, wie es sich gehört und wie der Bürgermeister in Zukunft verhindern kann, dass das was der Geschäftsführer weiß, auch der Aufsichtsrat weiß. Er hat vertraut, aber mit Vertrauen kann man kein Multimillionen-Euro-Unternehmen führen.
Tips: Sie setzen sich besonders für Barrierefreiheit in Linz ein – wo gibt es hier die größten Hürden?
Redlhammer: In den vergangenen zwei Jahren, in denen ich Gemeinderat war, hat sich meine Mobilität stark verschlechtert – ich nehme die Stadt in Bezug auf Barrierefreiheit ganz anders wahr, als jemand, der nicht betroffen ist. Zum Beispiel habe ich gesehen, dass die Wege und Randsteine vom Parkplatz bis zu einem Pflege- oder Seniorenheim teilweise eine Hürde sind. Auch die Mozartkreuzung zum Beispiel ist für Blinde Menschen die größte Herausforderung, weil so viel Hören auf einen einbricht.
Es geht darum, diese Hürden abzubauen, das ist die Aufgabe einer Stadt. Ich bin quasi vom Schicksal dazu bestimmt, Linz barrierefrei zu machen – und das ist ein schönes Schicksal, das ich gerne annehme. Ein großer Erfolg, der mir gelungen ist, sind unter anderem auch die Parkplätze für Beeinträchtigte in der Bewohnerparkzone in der Domgasse.
Tips: Was lieben Sie an Linz und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Redlhammer: Ich bin hier mitten in der Stadt aufgewachsen, hab wie so viele in der Voest im Sommer am Hochofen gearbeitet – ich kenne das alte Linz. Ich bin dann weggegangen und hab bei meiner Rückkehr gesehen, wie sich Linz großartig verändert hat. Ich bin zutiefst überzeugter Linzer und darum freut es mich, dass ich hier was verändern kann. Das große Problem, das Linz jetzt hat, das aber erkannt wird, ist der Verkehr und die Mobilität. In jeder Großstadt ist das das große Thema - man muss einen Kompromiss finden, zwischen Individualverkehr, öffentlichen Verkehr und Fußgängern.
In Linz hat sich da schon sehr viel getan, auch beim Fahrradverkehr unter Stadtrat Martin Hajart. Trotzdem müssen wir auch darauf schauen, dass wir die Autofahrer nicht verteufeln. Solange es kein ordentliches Öffi-Netz gibt, kann ich es niemanden zumuten, dass er mit den Öffis von außen anreist, wo es noch keine gescheite Verbindung gibt – darum ist auch die Stadtbahn so wichtig.
Ich bin aber überzeugt davon, dass die Einstellung der gesamten Stadtregierung jetzt die richtige ist – nämlich, dass hier große Veränderungen gemacht werden müssen.


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