Linzer Bürgermeister fordert erneut Leerstandsabgabe
LINZ. (Update) In Oberösterreich gibt es im Landtag eine breite Mehrheit von ÖVP, FPÖ, MFG und NEOS gegen die Einführung einer Leerstandsabgabe. Nach einer umfangreichen neuen Erhebung fordert der Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) beruhend auf einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss einmal mehr ein Umdenken. Die Leerstandsquote in Linz liegt bei rund 9 Prozent. Update: Anfrag Brandstetter (Ahoi)

„Leerstand ist notwendig in gewissem Maß, um Menschen Wohnungswechsel zu ermöglichen. Zum Problem wird es aber dann, wenn Wohnraum dauerhaft ungenutzt bleibt oder zu Spekulationszwecken zurückgehalten wird“, betont der Bürgermeister. Wie hoch der Leerstand wirklich ist, ist allerdings schwer herauszufinden.
Denn leere Wohnungen bedeuten nicht automatisch Leerstand. Wohnungen ohne Wohnsitzangabe oder mit geringem Energieverbrauch sind nicht automatisch kurzfristig nutzbarer Wohnraum, der dem Markt tatsächlich zur Verfügung steht. Gründe dafür können beispielsweise Sanierungen, Eigenbedarf oder Rekonstruktionsprojekte sein.
Grundsätzlich erhob schon die Statistik Austria im Jahr 2023 die Anzahl der leerstehenden Wohnungen. Im Jahr 2023 gab es für 9 Prozent der knapp über 121.000 Wohnungen in Linz keine Wohnsitzangabe. 2021 war Linz mit einer Quote von 8,9 Prozent beste Landeshauptstadt in Österreich.
Eigene Analyse der Abteilung Stadtforschung
Nun wollte es die Stadt Linz noch einmal genau wissen. Um valide Daten zu bekommen, machten sich Stadtstatistiker daran, bestmöglich konkrete Ergebnisse zu liefern. Sie untersuchten die Lage über sechs Monate lang, die Statistik Austria nimmt dagegen den Wert an einem Stichtag. Demnach liegt die Anzahl von Wohnungen ohne Wohnsitzangabe (in den letzten sechs Monaten) in Linz mit Stand 1. Oktober 2025 bei rund 10.000 - exakt wurden 9.849 ermittelt. Das entspricht einem Anteil von etwa 8,1 Prozent am gesamten Wohnungsbestand.
Eine Feststellung des Leerstandes aufgrund der geringen Verbräuche von Energie (Strom, Gas, Fernwärme) oder Wasser von Gebäuden oder Nutzungseinheiten kann aufgrund von datenschutzrechtlichen Vorgaben nicht möglich. Hier kann man sich nur flächendeckend an Zahlen herantasten, beide Modelle bringen aber ähnliche Ergebnisse.
Grüne unterstützen Forderung nach Abgabe
Die Grünen springen dem Bürgermeister zur Seite. „Wir brauchen dringend eine Leerstandsabgabe“, so Gemeinderätin Julia Mandlmayr. „Die Blockadehaltung von Schwarz-Blau auf Landesebene ist vollkommen unverständlich. Wir müssen Politik für die Menschen machen und nicht für Investoren. Wenn wir leistbares Wohnen sicherstellen und wertvollen Boden schützen wollen, dann darf an einer Leerstandsabgabe kein Weg mehr vorbeiführen“, so Mandlmayr weiter.
FPÖ: „Sozialistische Symbolpolitik“
Scharfe Kritik übt FPÖ-Fraktionsobmann Wolfgang Grabmayr an Bürgermeister Prammer. „Einmal mehr versucht der Bürgermeister, den Menschen tiefer in die Tasche zu greifen, statt endlich die Hausaufgaben bei den Finanzen der Stadt zu machen”, so Grabmayr. Er verweist darauf, dass Städte wie Salzburg und Innsbruck mit der Einführung einer Leerstandsabgabe keinerlei spürbare Entlastung am Wohnungsmarkt erzielen konnten.
„In Salzburg wurden nur 84 Wohnungen gemeldet, in Innsbruck gerade einmal 50 statt erwarteter 7.000. Das zeigt: Eine Leerstandsabgabe ist sozialistische Symbolpolitik, die nur Verwaltungsaufwand schafft und in keinem Verhältnis zu den geringen Einnahmen steht”, kritisiert Grabmayr.
Update:
Ahoi bringt Antrag ein
In der kommenden Gemeinderatssitzung bringt Ahoi Linz einen Antrag ein, mit dem die Partei den Wohnungsleerstand bekämpfen will. Nach Vorarlberger Vorbild soll die Stadt ein Vermietungsmodell schaffen, das privaten Eigentümer ermöglicht, leerstehende Wohnungen mit geringem Risiko und überschaubarem Aufwand, aber zu gedeckelten Mieten unterhalb des Marktpreises zu vermieten.
„Viele Eigentümer scheuen den Aufwand oder das Risiko einer Vermietung. Ein städtisch unterstütztes Modell wie ‚Sicher vermieten‘ in Vorarlberg könnte hier helfen: mit abgesicherten Verträgen, organisatorischer Unterstützung und fairen, aber leistbaren Mieten unterhalb des Marktniveaus“, so Gemeinderat Clemens Brandstetter.


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