Der stärkste Mann Österreichs und sein Hühnerreich in Loosdorf

Margareta Pittl Online Redaktion, 12.07.2019 18:46 Uhr

LOOSDORF. Er hat mit bloßen Händen Telefonbücher zerrissen, Eisenstangen gebogen, Autos umgedreht, Baumstämme gehoben und noch vieles mehr: Manfred Gruber, der einst stärkste Mann Österreichs. Seine Kraftsport-Karriere hat der heute 49-Jährige bereits vor vielen Jahren beendet. Gruber stellt sich nun Wettbewerben anderer Art in der Welt der Kleintierzucht. Tips hat ihn und seine 300 Hühner, Enten, Tauben, Fasane und Schwäne besucht.

Ein grüner Kleinbus bleibt vor dem Zauntor, das zu Manfred Grubers Kleintierareal führt, stehen. Das Fenster wird heruntergekurbelt. „Darf ich ein Foto mit Ihnen machen, ich kenn Sie noch aus dem Fernsehen“, fragt der Mann am Steuer, als er Manfred Gruber sieht. Bereitwillig lässt sich Gruber ablichten, bevor er der Tips-Redaktion die Pforte zu seinem Hühnerreich öffnet. „Ich habe diesen Mann noch nie zuvor gesehen. Aber so etwas kommt immer wieder mal vor“, erklärt Gruber die außergewöhnliche Situation. Ende der 1990er Jahre flimmerte der gebürtige Schönbüheler regelmäßig als Kraftsportler über die TV-Bildschirme. 1998 kürte er sich bei den Austrian Giants zum stärksten Mann Österreichs. Dazu kamen in den Jahren davor und danach noch sechs Vize-Staatsmeistertitel. „Vor zwanzig Jahren war Kraftsport extrem populär“, blickt Gruber zurück. Auch für zahlreiche Veranstaltungen und Feste buchte man die Muskelmänner, wo sie mit starken Shows das Publikum unterhielten. „Da wurden Telefonbücher zerrissen, Eisenstangen gebogen und, und, und. Ich war in dieser Zeit viel im In- und Ausland unterwegs, bin zu Wettkämpfen und solchen Shows gefahren“, erzählt der gelernte Maurer und Bedienstete der Straßenmeisterei Melk. Noch immer hält er im Baumstammstemmen den österreichischen Rekord. 175 Kilogramm gilt es zu schlagen, wenn man Gruber diesen Rekord streitig machen will.

Ein Mann der Extreme

Auf Titeljagd geht der rastlose 49-Jährige heute nur mehr mit seinem Geflügel. „Alles, was ich mache, mache ich extrem – sei es im Sport oder mit den Tieren. Ich bin ein Mensch der Extreme“. Rund 300 Stück Federvieh und zig verschiedene Rassen tummeln sich auf seinem Grundstück in Loosdorf. Mittlerweile kann der Muskelmann – er brachte zu Spitzenzeiten 130 Kilogramm bei 1,85 Körpergröße auf die Waage – nicht nur auf viele Kraftsporterfolge, sondern auch auf zahlreiche Kleintierzucht-Auszeichnungen zurückblicken. 2014 holte er sich etwa in Wels bei der größten Kleintierschau Österreichs den Ausstellungssieg. Seine Liebe zu den gefiederten Tieren entdeckte Gruber bereits im Kindesalter. Mit sechs Jahren kümmerte er sich schon um eine eigene Hühnerschar. Jahrzehnte später ist diese Liebe noch immer ungeschmälert. Täglich ist Gruber, der beim Loosdorfer Kleintierzuchtverein Zuchtwart ist, bei seinen Hühnern, Enten, Tauben und Fasanen anzutreffen. Das Wissen um die Hege und Pflege hat er sich selbst beigebracht. „Ich habe zuhause unzählige Bücher dazu und tausche mich ständig mit Kollegen aus.“

Hühner liegen im Trend

Hühner hegen und pflegen wollen in jüngster Vergangenheit immer mehr Menschen. In vielen Gärten gackert es inzwischen. „In den letzten fünf Jahren ist ein echter Boom entstanden“, spürt Hühnerzüchter Gruber die steigende Nachfrage deutlich. Eier nicht mehr aus den Supermarktregalen, sondern aus den Nestern im eigenen Garten zu holen, liegt voll im Trend. „Ich denke, das hat zum einen mit den vielen Negativschlagzeilen rund um Legebatterien und mit den Lebensmittelskandalen zu tun. Zum anderen wollen mehr und mehr sogenannte Selbstversorger sein. Außerdem sind Hendl super Restlverwerter“, so Gruber.

Weibliche Hendl-Fans

Um Hühner zu halten, dafür braucht es nicht viel. Einen Stall und ein bisschen Platz, um für genügend Auslauf zu sorgen. „Die Größe des Gartens ist nicht vorrangig. Wichtig ist, dass der Auslauf gut strukturiert ist, also dass es etwa Bäume und Sträucher gibt. Wenn viel Platz vorhanden ist, der aber kahl und der prallen Sonne ausgesetzt ist, dann haben die Hühner nichts davon“, weiß der 49-Jährige. Rund 15 Euro zahlt man für ein Legehuhn. Rassehühner kosten zwischen 30 und 50 Euro. Besonders beliebt seien derzeit Seidenhühner, so Gruber. Die würden zwar nicht viele Eier legen, werden aber aufgrund iher Optik sehr geschätzt. Beliebt seien Hühner außerdem insbesondere bei Frauen. „Zu 99 Prozent sind es Frauen, die anrufen und wegen Hühnern bei mir anfragen“, erzählt Gruber kurz bevor er sich wieder ablichten lässt – dieses Mal für die Tips-Zeitung.

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