MAUTHAUSEN. In der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen fand am Sonntag zum 70. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht die traditionelle Befreiungsfeier statt. 22.000 Menschen aus dem In- und Ausland - darunter etwa 50 Überlebende - nahmen dieses Jahr teil.
Internationale Chöre aus Österreich, Italien, Deutschland, Russland, Tschechien und Frankreich unter der Leitung des Mauthausener Chorleiters Alfred Hochedlinger sowie der Militärmusik Oberösterreich begleiteten den Gedenkzug über den Appellplatz. Unter den Ehrengästen waren Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), zahlreiche Mitglieder der Bundesregierung mit Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) an der Spitze, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Ulrike Lunacek, EU-Kommissar Johannes Hahn, Landeshauptmann Josef Pühringer sowie ausländische Staatsgäste. Erinnerung und GedenkenDie traditionelle Befreiungsfeier stand heuer unter dem Thema „Steinbruch und Zwangsarbeit“. Gefangene mussten sich im Steinbruch zu Tode schuften, „Vernichtung durch Arbeit“, lautete das Ziel. Insgesamt fielen in Mauthausen und seinen zahlreichen Nebenlagern rund 100.000 der Nazi-Todesmaschinerie zum Opfer. Wie viele ehemalige Häftlinge heute noch leben, ist nicht bekannt. Aba Lewit, ehemaliger Mauthausen-Insasse, schilderte, wie er mit 16 über mehrere Stationen nach Mauthausen kam. Erinnerungen quälten ihn heute vor allem nachts, aber das Schlimmste sei, „dass ich überlebt habe und andere nicht“.„Unmenschlichkeit heute bekämpfen“Max R. Garcia bezweifelt, dass die Menschen aus der Geschichte lernen: „Schauen sie, in Afrika erschießen sie jeden; Frauen, Kinder, …“. Es sei aber wichtig, immer wieder mit der Jugend über die Geschehnisse von damals zu reden. Davon überzeugt ist auch die Leiterin der Gedenkstätten Barbara Glück: „Wir haben die Verpflichtung, die Geschichten der Überlebenden weiter zu erzählen. Es geht um die Vermittlung von Werten, Menschenrechten, Grundrechten, Zivilcourage, das Ablehnen von Gewalt.“ „Der Unmenschlichkeit von damals gedenken wir am besten, indem wir die Unmenschlichkeit von heute bekämpfen“, forderte Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) Vorsitzender Willi Mernyi Solidarität mit jenen ein, die „heute nicht aus Europa sondern nach Europa flüchten und im Mittelmeer ihr Leben riskieren“. Die Befreiungsfeier 2016 wird unter dem Thema „Solidarität“ stehen.
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