Befreiung von Fremdenfeindlichkeit
MAUTHAUSEN. Seit der Befreiung vom Nationalsozialismus durch die vier alliierten Staaten Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sind 70 Jahre vergangen. Das Gedenkjahr 2015 bot auch bei der Filmretrospektive Anlass zur Beschäftigung mit dem Thema Befreiung.

Im Winter 1945 rückten Truppen der Sowjetunion und der USA an, um dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein Ende zu bereiten. Die Befreiung der oberösterreichischen Konzentrationslager erfolgte im Mai durch Soldaten der US-Armee. In der Gedenkstätte Mauthausen fanden und finden Veranstaltungen statt, die der Erinnerung daran gewidmet sind, was Menschen erleiden mussten. Sie sind jedoch auch des Nachdenkens über den Lauf unserer Geschichte bis ins Heute gewidmet.
Befreiung ist nicht allein ein militärischer Akt
Fragen, wie ein Weiterleben nach dem erlebten Leid erfolgen konnte oder wie die Befreiung erlebt wurde, stellten den Schwerpunkt der diesjährigen Filmretrospektive in der KZ-Gedenkstätte. Frank Stern vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien leitete mit Vorträgen die jeweiligen Filme ein und gab dem Begriff Befreiung eine tiefere Komponente: „Die Befreiung ist nicht allein ein militärischer Akt. Befreiung müsste auch bedeuten, dass das Denken und die Einstellung der Menschen befreit sind von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Vorurteilen. Dass wir verstehen, wenn Menschen flüchten und dass Asylanten nicht feindlich zu begegnen ist. Was wäre gewesen, wenn alle jüdischen Flüchtlinge nur geschlossene Türen und Ablehnung erfahren hätten?“ Professor Stern nahm auch zur aktuellen politischen Situation deutlich Stellung: „Wenn man die Befreiung von 1945 als Akt der Befreiung vom Nationalsozialismus, vom Faschismus sieht, dann ist es ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist, wie wir angesichts des gegenwärtigen Wahlkampfes sehen können. Es hängt davon ab, dass in der politischen Bildung demokratische Werte nicht nur als Hülsen verbreitet, sondern wirklich vertreten und durchgesetzt werden. Wir haben heute in Österreich mit dem starken Strom von Asylanten die große Möglichkeit zu zeigen, dass wir die Lehren der Geschichte verstanden haben. Man kann nicht Tausende Menschen, die vor Terror, Krieg, vor Mord flüchten, sagen: Geht über die nächste Grenze. In reichen Nationen wie Österreich, Deutschland, Frankreich, England - Ländern, die ein Potential haben, Menschen zu integrieren - da müsste Befreiung im Sinne von Menschlichkeit statt finden.“


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