Mithilfe von Pferden traumatisierte Seelen heilen
MAUTHAUSEN. Kinder aus Syrien, Afganistan, Tschetschenien, der Ukraine und dem Iran tummelten sich kürzlich vergnügt am Ponyhof Auböck. Nach einem Schnupperlehrgang waren sie zu einem Wiedersehen mit den vierbeinigen Freunden eingeladen.

Reitpädagogische Betreuung ist gleichermaßen Erlebnis und Bewegung und hilft, belastende Situationen und Erlebnisse besser zu verarbeiten. Das Warten auf eine Entscheidung in Asylverfahren stellt eine unvorstellbar große psychische Belastung dar und die nervliche Anspannung überträgt sich von Eltern auch auf ihre Kinder. Angelika Auböck zögerte keine Sekunde, als sie gefragt wurde, ob sie auch Kindern von Asylwerbern Bewegung und Kontakt mit ihren Pferden ermöglichen würde. Die Mauthausenerin ist für ihre einfühlsame Arbeit mit Pferden und Kindern mit und ohne Handicap bekannt: „Ja, ich habe von einem Projekt in Tirol gehört, in dem sehr erfolgreich mit traumatisierten Kindern gearbeitet wurde,“ wusste sie und überlegte gleich die nötigen Schritte zur Umsetzung eines Schnupperlehrganges für die Kinder. Hoch zu Ross lebten die Kinder auf Das Glück der Erde liegt sprichwörtlich am Rücken der Pferde. Mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helferinnen unterrichtete Auböck rund dreißig Kinder von Asylwerbern aus dem Bezirk. Die Kinder bekamen an jeweils fünf Nachmittagen hoch zu Ross spielerisch Zugang zu den geduldigen Vierbeinern. Bei einigen war die Liebe zu den Tieren schon vorhanden, andere haben sich langsam angenähert. Das Pferd zu putzen, zu striegeln und zu streicheln war ebenso wichtig wie das Reiten selbst. Die ausgebildeten Therapiepferde merkten sehr schnell, welche Kinder Angst haben und verziehen auch manche Fehler. Im Laufe von zehn Reitstunden lebten die Kleinen richtig auf. Einige Eltern berichteten, dass ihre Kinder seither besser schlafen würden. Das liebevolle und freundliche Miteinander wurde mit einem Abschlussfest samt Kutschenfahrt gefeiert, bei dem die Kinder ein Fotobuch zur Erinnerung und eine Urkunde für ihre tollen Leistungen überreicht bekamen. „Schade, dass es vorbei ist – es war so schön mit Angelika und den Pferden,“ sagte Amina aus Tschetschenien und sprach damit den anderen Kindern aus der Seele. Groß war daher die Freude, als die Kinder kürzlich wieder einen Nachmittag am Ponyhof verbringen durften.


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