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MAUTHAUSEN. Am 10. April wurde in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eine bemerkenswerte Ausstellung mit dem Titel „M 48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E“ eröffnet. Der österreichische Künstler Marko Zink versucht mit diesem Projekt ein zweifaches Verschwinden sichtbar zu machen: die Auslöschung von Menschen und die Tilgung von Erinnerung.

„Der Blick ins Nichts“ (Fotos: KZ-Gedenkstätte Mauthausen)
  1 / 2   „Der Blick ins Nichts“ (Fotos: KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

„Die Arbeiten von Marko Zink haben einen enormen Wert für uns, da seine Bilder die KZ-Gedenkstätte Mauthausen aus einem ganz neuen Blickwinkel zeigen. Und das ist es auch, was wir mit unseren Vermittlungsprogrammen erreichen möchten. Die Besucher sollen über ihre individuellen Wahrnehmungen selbstständig Bezüge herstellen und ihren eigenen Zugang zu diesem Ort finden“, erklärt Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. „Weil es immer weniger Zeitzeugen gibt, müssen wir eigene Zugänge finden. Da ist Kunst ein wichtiges Medium. Vielleicht kann sie für den einen oder anderen einen neuen Blick eröffnen.“

Auslöschung von Menschen und Tilgung von Erinnerungen

M 48° 15“ 24.13“N, 14° 30“ 6.31“ E – das sind die Koordinaten von Mauthausen und auch der bewusst gewählte Ausstellungstitel. „So unaussprechlich der Titel ist, so unaussprechlich ist, was hier passiert ist. Der Name Mauthausen ist belastet. Mit den Koordinaten wollte ich ausdrücken, dass Mauthausen nur ein Punkt ist, austauschbar. Dieser Punkt könnte überall sein. Auch mein Geburtsort in Vorarlberg hätte dieser Ort mit einer schrecklichen Vergangenheit werden können“, sagte Zink anlässlich der Ausstellungseröffnung. Erinnerungskultur werde von Ablenkungsmanövern unterwandert. NS-Gedenkstätten führten vor Augen, dass das allzu gern Verdrängte in der Gesellschaft eingebettet war und zeige, wozu Ausgrenzungspolitik fähig ist. Mit fotografischen Mitteln versucht der Fotokünstler ein zweifaches Verschwinden sichtbar zu machen: die Auslöschung von Menschen und die Tilgung von Erinnerung.

Analoge Fotografie mit unkonventionellen Techniken

Seine Fotografien wurden in vielen Museen und Galerien in Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit ausgestellt. Zink hat die analoge Fotografie als Ausdrucksmittel gewählt. Die Auslöschung von Menschen macht er mit unkonventionellen Techniken sichtbar: Die Negative kocht er, stanzt sie oder behandelt sie mit chemischen Mitteln. Die Ausstellung zeigt unter anderem das Bild eines Barackenraumes, in den 500 Häftlinge gepfercht worden waren, in einem Raster aus 500 Einzelaufnahmen mit jeweils leicht verschobener Perspektive – symbolhaft für 500 Augenpaare, die hier einst durch das Fenster ins Freie sahen. Zu sehen ist die Ausstellung bis 31. Oktober, täglich von  9 Uhr bis 17.15 Uhr.


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