„Wir dürfen Demokratie nicht als selbstverständliches Geschenk sehen“
MAUTHAUSEN/GUSEN/ST. GEORGEN. Landtagspräsident Viktor Sigl und Bundesratspräsident Karl Bader sowie der Honorarkonsul der Republik Polen, Batlomiej Rosik besuchten gemeinsam mit einer Delegation am 27. September die KZ-Gedenkstätten Mauthausen-Gusen und die Stollenanlage „Bergkristall“.

Mit Kränzen wurde im KZ Mauthausen beim Gedenkstein des großen Staatsmannes Leopold Figl gedacht. „Leopold Figl hatte die Zeit der Nazidiktatur in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen verbracht. Er wurde durch seine dramatischen und traumatischen Erfahrungen zum Befürworter einer Zusammenarbeit verschiedener politischer Lager und zu einem Verfechter der Konsenspolitik“, so Sigl.
Figl – Baumeister der Zweiten Republik
Leopold Figl war der erste österreichische Bundeskanzler nach dem Zweiten Weltkrieg und gilt als Baumeister der Zweiten Republik. Davor war er einer der schärfsten Gegner des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich. Die Nationalsozialisten steckten ihn für seine unbeugsame Haltung in Konzentrationslager und in die Todeszelle. „Die Nationalsozialisten haben diesen großen Österreicher nicht brechen können. Figl hat nach dem Zusammenbruch der NS-Gewaltherrschaft den Samen der Demokratie gesät, aus dem zunächst eine zarte Pflanze und heute ein starker Baum mit festen Wurzeln gewachsen ist. Dieser Baum bedarf aber der Pflege, er darf nicht sich selbst überlassen werden. Wir dürfen die Demokratie nicht als selbstverständliches Geschenk erachten, sondern als etwas, das wir uns immer wieder neu erarbeiten und manchmal auch erkämpfen müssen. Demokratie ist nicht einfach, sie ist ein komplexes und empfindliches Gebilde und sie kann nicht darauf reduziert werden, alle paar Jahre eine Stimme bei einer Wahl abzugeben“, meint Bader.
Besuch der Gedenkstätten
Mit Kränzen und Kerzen beim Besuch der Gedenkstätten Memorial Gusen und „Bergkristall“ wurde vor allem der ermordeten polnischen Häftlinge und des 80. Jahrestages des Nazi-Überfalles auf Polen – und somit des Beginns des 2. Weltkrieges – gedacht. Als zentrale Botschaft an alle definierten die beiden Präsidenten, dass Vergangenes nicht vergessen wird: „Wir müssen alles tun, damit wir jene Fehlentwicklungen verhindern, die den Aufstieg von Radikalen ermöglichen und ein undemokratisches Regime zulassen.“
Besichtigung: Stollensystem
Am 25. und am 26. Oktober gibt es die Möglichkeit, die unterirdischen Anlagen des Stollensystems „Bergkristall – KZ Gusen II“ zu besichtigen. Anmeldungen unter 07238/226910 oder rupert.pilsl@mauthausen-memorial.org


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