Sommerspiele Melk: Hoher Turm, tiefer Fall, seichte Landung

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Fotos: Daniela Matejschek
Margareta Pittl Online Redaktion, 21.06.2019 08:20 Uhr

MELK. Minutenlanger Oralsex, stundenlanger Pathos und eine jahrtausendealte Geschichte – auf der Melker Sommerspielbühne kommt heuer unter der Regie von Alexander Hauer das Auftragswerk „Babylon“ zur Aufführung. Kürzlich wurde Premiere gefeiert.

Den Turmbau zu Babel kennt man noch aus dem Religionsunterricht. Von der Hure Babylon hat man vielleicht schon gehört. Marduk, Anu und Inanna, Götter der sumerischen Religion, fallen dann doch schon in die Kategorie „Expertenwissen“. Die Stückautoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel haben sich an Versatzstücken des Mythos Babylon — Babylon liegt im heutigen Irak, war einst die größte Stadt der Welt und kulturelles Zentrum Mesopotamiens — zu schaffen gemacht. Erzählt wird vom hybriden babylonischen König Enmerkar, der sich selbst zum Gott krönt und Großes plant: „Ich bin erwacht als Gottheit unter Göttern (...) Wir errichten einen Tempelturm, wie ihn Mensch und Gott noch nie gesehen. Auf seinem höchsten Dach werdet ihr Menschen euch mit uns Göttern treffen.“ Dass das nicht gut ausgehen kann, ahnt seine Frau Ninegala bereits früh. Ihre Warnungen bleiben ungehört. Es kommt, wie es kommen muss. Der Turm wird gebaut, Intrigen werden geschmiedet und den Leidenschaften wird gefrönt – bis die Götter dem irdischen Treiben mit Sprachwirren ein Ende setzen.

Ende mit Neubeginn

Enmerkars Streben nach Gottgleichheit, die Geschichte seines Hochmuts, wird in der Wachauarena eindrucksvoll mit metallischem Bühnenbild und elektronischen Klängen in Szene gesetzt. Der Prunkbau und stete Sommerspiele-Statist im Hintergrund, das Stift, tut dafür das Seine. Rund zweieinhalb Stunden lädt man die Sommerspiel-Besucher nach Babylon. Es wird ihnen dort mit langen, pathetischen Dialogen, reichlich Sex und ein bisschen Liebe einiges abverlangt. Aber sterben muss keiner. „Du lebst, weil dich die Götter am Leben lassen (...) Wir beginnen neu in Babylon“, wird dem gescheiterten König am Ende gesagt.

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