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Erster roter Bürgermeister Mitterkirchens tritt nach zwölf Jahren an Ortsspitze kürzer

Markus Hochgatterer, 11.11.2015 07:35

MITTERKIRCHEN. Zwölf Jahre lang prägte Anton Aichinger zuletzt die Entwicklungen der Machlandgemeinde als Bürgermeister mit. Vor der Wahl im September verzichtete er auf eine weitere Kandidatur. Im Tips-Gespräch blickt der 59-Jährige auf bewegte Jahre als Ortschef zurück

Bürgermeister Anton Aichinger (l.) mit seinem „Vize“ Herbert Froschauer bei der Eröffnung des neuen Amtshauses im Jahr 2004.

Tips: Die Hochwasserkatastrophe sorgte ein Jahr vor Ihrem Amtsantritt im Jahr 2003 dafür, dass in Ihrer Heimatgemeinde kein Stein auf dem anderen blieb. Warum haben sie sich gerade in dieser schwierigen Phase dazu entschieden als Bürgermeister anzutreten?

Anton Aichinger: Es war wahrlich eine Katastrophe, die sich da abgespielt hat. Etwa 85 Prozent des Gemeindegebietes waren überflutet. Die Gemeinde stand an einem Wendepunkt. Ich habe mir gedacht, entweder passiert jetzt was und wir stellen die Weichen für eine positive Zukunft oder die jungen Menschen im Ort verlieren ihre Perspektive. Ich habe damals sehr viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten und wurde schließlich erster roter Bürgermeister in der Geschichte der Gemeinde.

Tips: Als SPÖ-Bürgermeister stand Ihnen im Gemeinderat eine absolute ÖVP-Mehrheit entgegen. Wie hat die Zusammenarbeit funktioniert?

Aichinger: Vorweg muss ich festhalten, dass ich schon vor meiner Bestellung zum Bürgermeister ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis zu meinem ÖVP-Vizebürgermeister Herbert Froschauer hatte. Wir haben beide gewusst, dass parteipolitisches Hick-Hack absolut fehl am Platz ist, sondern es in erster Linie darum geht, die Gemeinde Mitterkirchen gut durch eine ihrer schwierigsten Phasen zu bringen. Die durch die Hochwasserschäden notwendigen Sanierungs-Großprojekte wie etwa beim Amtshaus, beim Kanal oder der Wasserversorgung wurden gemeinsam bewältigt. Wenn es mal Meinungsverschiedenheiten gegeben hat, haben wir stets schnellstmöglich den Konsens gesucht – das hat sich wie ein roter Faden durch meine zwölfjährige Amtszeit gezogen.

Tips: Die Bevölkerung von Mitterkirchen ist vor allem nach den prägenden Hochwasserereignissen enger zusammengerückt, in der aktuellen Notsituation, Stichwort Flüchtlingskrise, tut sie es ebenfalls.

Aichinger: Es ist bemerkenswert, wie sich Pfarre, Gemeinde und die Bevölkerung um die 20 Flüchtlinge bei uns im Ort kümmern. Da wurde zunächst geschaut, dass genug Gewand und Lebensmittel organisiert werden. Mittlerweile geben engagierte Einwohner auch regelmäßig Deutsch-Unterricht und die Flüchtlinge werden auch im Bereich Freizeit in das Leben im Ort integriert. Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht da voll dahinter und sieht die Aufgabe der Flüchtlingsbetreuung positiv.

Tips: Wie geht es nach Ihren beiden Bürgermeister-Perioden privat weiter?

Aichinger: Ich bin nach wie vor beim Verbund als Vorsitzender der Konzernvertretung sowie als Betriebsrat tätig. Durch meine Arbeit bin ich viel in Wien unterwegs. Bislang musste ich oft hin- und herpendeln. Da bin ich direkt von der Arbeit zu Sitzungen nach Mitterkirchen gefahren und am nächsten Tag wieder nach Wien. Das kann ich jetzt ein wenig gemütlicher angehen und auch mal zwei, drei Tage in Wien übernachten. Wenn Zeit bleibt, kann dann auch meine Frau nachkommen und wir verbringen einen schönen Abend in einem Konzert oder im Theater. Auf jeden Fall freue ich mich auf längere Freizeitphasen. Bislang war es so, dass, wenn ich Anfang November in meinen Terminkalender geschaut habe, bis zum Weihnachtsabend quasi jede freie Minute mit Berufs- und Gemeinde-Angelegenheit verplant war.

Tips: In welcher Form werden Sie sich weiter politisch in Ihrer Heimatgemeinde engagieren?

Aichinger: Ich bin in der neuen Periode als Ersatzgemeinderat tätig und werde so das politische Geschehen natürlich weiterhin mitverfolgen. Meinem Nachfolger Herbert Froschauer und dem neuen Gemeinderat wünsche ich auf jeden Fall alles Gute für die zukünftigen Aufgaben. Dem Verein Keltendorf stehe ich weiterhin als Obmann vor. Zudem werde ich mich auch nach wie vor hinter Nikolaus Prinz als Stellvertretender Obmann um die Entwicklungen in der Leader-Region Perg-Strudengau kümmern. 


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